An diesem Tag

Heinrich Leonhard Adolphi

Deutsch-baltischer Pastor und Schachkomponist

Anúncio

Heinrich Leonhard Adolphi (* 9. Oktober 1852 in Wenden, Gouvernement Livland, Russisches Kaiserreich; † 21. Februar 1918 in Kawershof bei Walk, Lettland), lettisch Heinrihs Leonhards Ādolfijs oder Heinrihs Leonhards Adolfi, war ein deutsch-baltischer Pastor und Schachkomponist. Er gilt als evangelisch-lutherischer Märtyrer und ist auf dem Rigaer Märtyrerstein verzeichnet.

Die Datumsangaben in diesem Artikel richten sich, wenn nicht anders angegeben, für den Zeitraum bis 1918 nach dem julianischen Kalender.

Heinrich Leonhard Adolphi war der Sohn des Stadtarztes von Wenden und in Livland bekannten Lyrikers Karl Heinrich Alexander (Alexis) Adolphi,

eines religiösen Mannes, und der Nancy Eleonore Adolphi, geb. Heerwagen. Heinrich Leonhard Adolphi ging von 1862 bis 1865 zur Kreisschule in Wenden und von 1865 bis 1871 zur Hollanderschen Anstalt in Birkenruh, die er mit dem Abitur abschloss. 1871 war er Hauslehrer im Pastorat von Serben in Livland.

Von 1872 bis 1876 studierte er aus innerem Antrieb Theologie an der Kaiserlichen Universität Dorpat. Von 1872 bis 1875 war er Mitglied des Theologischen Vereins Dorpat. 1875 wurde er dessen Archivar, später im Jahr dessen Präses. Er galt als fleißiger Student und wurde nach seinem Abschluss als graduierter Student und dem Bestehen der Prüfungen vor dem Konsistorium in Riga von 1876 bis 1879 zunächst wieder Hauslehrer, diesmal in Ruil im Gouvernement Estland. Sein Probejahr verbrachte er 1879 bei Pastor Auning in Sesswegen in Livland.

Am 30. Dezember 1879 wurde er von Ober-Pastor von Holst in der Rigaer Jakobi-Kirche zum Pastor von Adsel in Livland ordiniert, wo er ab 1880 arbeitete. In der damaligen Zeit war es für ihn als Pastor möglich, offiziell dem Schulwesen in seiner Gemeinde vorzustehen. So hielt er häufig Konferenzen mit den ihm unterstellten Lehrern ab. Die häusliche Grundausbildung der Kinder durch ihre Mütter überwachte er sorgfältig mit Prüfungen, die der Schulzulassung vorausgingen. Die Verbesserung des Schulwesens bedeutete ihm viel, seine Hauptaufgabe sah er aber in seinem geistlichen Amt, das er gewissenhaft und uneigennützig wahrnahm. Am liebsten arbeitete er am Schreibtisch; er kümmerte sich aber auch engagiert um den Kirchenneubau in seiner Gemeinde, der durch die Baufälligkeit der alten Holzkirche notwendig geworden war. Der Neubau wurde mit Granit ausgeführt.

Adolphi war an der Herausgabe des lettischen Gesangbuchs beteiligt. Er hat auch Lieder und Klavierstücke komponiert.

Am 29. Dezember 1882 heiratete er Anna Maria Brandt, eine Tochter des Pastors Karl Brandt.

1891 stiftete er der Bibliothek der Gesellschaft für Geschichte und Altertumskunde der Ostseeprovinzen Russlands einen Brief des Karl Ernst von Baer an Admiral Ferdinand von Wrangel.

Während der Russischen Revolution von 1905

Während der Russischen Revolution in den Jahren 1905 und 1906 und ihrer gewalttätigen Auswüchse blieb er trotz der Lebensgefahr für die Landpastoren bei seiner Gemeinde. Gegner der Revolution konnten sich auf ihn stützen; Unentschiedene ließen sich von ihm beraten; Revolutionäre mussten ihn als entschiedenen Gegner fürchten. Auch die Kirchenbücher, die alle genealogischen Aufzeichnungen der Gemeinde enthielten, waren durch die Revolution gefährdet. Zu ihrem Schutz vergrub Adolphi sie im Erdboden, womit er sie vor der Vernichtung bewahrte.

Auf die Revolution folgten einige friedliche Jahre, die für Adolphi sehr positiv verliefen. Seine Kinder wurden erwachsen, was seine wirtschaftliche Not beendete, wie er mit Dank zur Kenntnis nahm. Erhalten ist ein Brief vom 27. Januar 1907 an Karl Girgensohn mit Anmerkungen zu dessen Werk Zwölf Reden über die christliche Religion. Ein Versuch modernen Menschen die alte Wahrheit zu verkündigen, der vermutlich von Adolphi stammt.

Am Dienstag, dem 20. Januarjul. / 2. Februar 1909greg., hielt er auf der 3. Jahresversammlung der Livländischen Missionskonferenz in Dorpat nachmittags einen Vortrag über das „Heldenzeitalter der Brüdermission“. Im August 1910 eröffnete er die Livländische Provinzialsynode in Fellin mit einer Morgenandacht.

Neben seiner geistlichen Arbeit und seiner Tätigkeit als Schachkomponist (siehe Kapitel „Schach“) betätigte er sich als Autor (beispielsweise der Weihnachtsgeschichte Dseed’ mihła sirds bes breesmas) und Übersetzer ins Lettische. So arbeitete er stark in der lettischsprachigen evangelischen Presse mit. Auch lettische Predigten Adolphis wurden veröffentlicht (siehe Kapitel „Werke“).

Die äußere Mission war Adolphis Spezialgebiet. Seiner Feder entsprang das 1912 herausgegebene Buch Am Fuße der Bergriesen Ostafrikas (sieh Kapitel „Werke“), welches erstmals grundlegend die Arbeit der Leipziger Mission in Ostafrika beschrieb. Daneben verfasste er zahlreiche lettischsprachige Missionsschriften. Auch an dem neuen lettischen Gesangbuch war er maßgeblich beteiligt.

Während des Ersten Weltkrieges, im Januar 1915, sandte Adolphi eine Seidenscharpie, sieben Paar Socken und ein Paar Pulswärmer an das evangelische Feldlazarett.

Zeitnah zur Oktoberrevolution im Jahre 1917 kamen in Livland maximalistische Bolschewiki lettischer Ethnie an die Macht. Die russische Armee konnte nicht dagegen vorgehen. Aufgrund ihrer atheistischen Ideologie gingen die Bolschewiki auch gegen die Kirche vor. In seinen Predigten und seelsorgerischen Tätigkeiten leistete Adolphi dagegen Widerstand, womit er die Feindschaft der Bolschewiki gegen sich erregte.

Am 9. Januar 1918 verweigerte Adolphi bewaffneten lettischen Bolschewiki, die in seinem Pastorat erschienen, die Herausgabe der Kirchenschlüssel. Er verriet auch nicht den Ort, an dem sich die Schlüssel befanden. Er und seine Ehefrau Ellen Adolphi (geborene Brand, verwitwete Krause) wurden ergriffen und zur Kirche gezerrt. Dort wurden sie von einer johlenden Menge mit roten Fahnen erwartet. Ein Redner hetzte vor der Kirchentür gegen Adolphi und urteilte: „Der Pastor dient dem blutigen Zaren und den Herren in den Schlössern, gestattet aber nicht dem Volke, sein Eigentum, die Kirche, zu benutzen.“ Aus der Menge schallte es zurück: „In den Sack mit dem Schwarzen, werft ihn in den Aa-Fluss.“ Die Gefahr für Adolphi wuchs immer mehr, der seine Meinung aber nicht änderte, was die Menge noch mehr gegen ihn aufbrachte. Damit der Pastor nicht gelyncht werde, übergab ein Mitglied der Gemeinde die Kirchenschlüssel. Die Kirche wurde gestürmt. Adolphi und seine Frau wurden in Walk inhaftiert.

Anúncio

Bald in der World in Stories App

Audio, Offline-Download, keine Werbung und mehr.

Premium entdecken
Heinrich Leonhard Adolphi | World in Stories