Heinrich Kirchner (* 12. Mai 1902 in Erlangen; † 3. März 1984 in Pavolding, Gemeinde Seeon-Seebruck, im Chiemgau) war ein deutscher Bildhauer.
Heinrich Kirchner wurde als zweiter Sohn und drittes von vier Kindern von Margarete und Michael Kirchner, Besitzer eines Erlanger Zimmerei-Handwerksbetriebs, geboren. Er sollte mit seinem älteren Bruder diese Zimmerei übernehmen und wehrte sich dagegen, im Rückblick erfolgreich.
Da die Eltern sich weigerten, seinen Wunsch, an der Münchener Kunstakademie zu studieren, zu unterstützen, schrieb sich Kirchner, vorerst 1923–1924, an der Universität Erlangen für Kunstgeschichte ein. Die Eltern mussten aber feststellen, dass der Student Kirchner nicht seine Vorlesungen besuchte, sondern bei einem Schreiner eine Lehre angefangen hatte. Sie stellten ihm zur Bedingung, er solle sich zuerst zum Zeichenlehrer ausbilden lassen, was er an der Technischen Hochschule München erfolgreich 1931 absolvierte, um anschließend an der Akademie der Bildenden Künste in München zu studieren. Er wurde Meisterschüler bei Hermann Hahn, zusammen mit dem 10 Jahre älteren Fritz Wrampe 1928. Sie teilten sich ein Atelier.
Zwischenzeitlich besuchte er 1926–1927 die École nationale supérieure des beaux-arts und vor allem die Académie Julian in Paris. Die Technik des Bronzegusses im Wachsausschmelzverfahren, eine uralte Technik, die weitgehend in Vergessenheit geraten war, zumindest in ihren unmittelbaren handwerklichen Prozessen, erwarb er sich autodidaktisch.
1931 unternahm er zusammen mit Wrampe und dem Maler Max Schöfer (1895–1966) eine Studienreise nach Italien.
1932 beendete er sein Studium und bekam eine Anstellung als Erzgießer in der Gießwerkstatt der Akademie; es folgte die Einrichtung einer Abteilung für den Bronzeguss im Wachsausscheidungsverfahren. Ab 1937 besserten sich seine finanziellen Rahmenbedingungen.
Nach Ende des Studiums 1932 wurde Kirchner Leiter der Werkstätte für Bronzeguss an der Akademie der Bildenden Künste München, wo er bis 1970 lehrte. Nach Wrampes Tod 1934 besorgte er die Verwaltung von dessen künstlerischem Nachlass.
In der Zeit des Nationalsozialismus war Kirchner Mitglied der Reichskammer der bildenden Künste. Für diese Zeit ist seine Teilnahme an 10 Gruppenausstellungen sicher belegt. Er erhielt u. a. den Auftrag, den über 3,5 m großen Adler für den neuen Frankfurter Flughafen zu gießen, eine große Ehre und Aufgabe für einen jungen Künstler. Er schloss sich dennoch nicht der nationalsozialistischen Bewegung an und wurde nicht Parteimitglied.
Ab 1952 hatte er an der Münchner Akademie eine Professur inne. Im Jahr 1959 war er Teilnehmer der documenta II in Kassel.
Nach seiner Emeritierung 1970 zog er mit seiner langjährigen Assistentin, der Künstlerin Katharina Klampfleuthner-Kirchner, die er nach dem Tode seiner ersten Frau Margarethe 1975 heiratete, nach Pavolding, wo er sich einen alten Bauernhof, den sogenannten „Fischerhof“ des Klosters Seeon, 1958 gekauft und seitdem ausgebaut hatte.
Kirchner starb nach kurzer schwerer Krankheit und wurde auf Frauenchiemsee begraben.
Aus der Ehe mit Margarete Rasche gingen vier Kinder hervor, zwei von ihnen starben kurz nach der Geburt. Das Erwachsenenalter erreichten Sohn Fritz (* 1935) und Tochter Michaela (* 1942).
Bekannt wurde Kirchner durch seine in der Form stark vereinfachten Menschen- und Tierplastiken aus Bronze.
Besonders durch seine Werke aus der Nachkriegszeit wurde er als christlicher Künstler bekannt. Die Stadt Erlangen richtete zu Ehren Kirchners unter dem Oberbürgermeister Dietmar Hahlweg einen Skulpturenpark im Burgberggarten ein. Dieser wurde von ihm selbst mitgestaltet und zu seinem 80. Geburtstag 1982 eingeweiht. Auch die Gemeinde Seeon-Seebruck hat, unter Bürgermeister Glück, mehrere Großplastiken angekauft und in Seebruck ein eigenes Museum eingerichtet.
Heinrich Kirchner war Mitglied im Deutschen Künstlerbund und ab 1956 Mitglied der Akademie der Künste, Berlin.
Nach ihm ist die „Heinrich-Kirchner-Schule“ in Erlangen auf der sowie die dortige „Heinrich-Kirchner-Straße“ im Stadtteil Büchenbach benannt.
Werke im öffentlichen Besitz (Auswahl)
Hessisches Landesmuseum Darmstadt