An diesem Tag

Heidi Handorf

Deutsche Filmeditorin

Anúncio

Heidi Handorf (* 5. Februar 1949 in Uetersen, Schleswig-Holstein), ist eine deutsche Filmeditorin. Sie zählte in den 1980er Jahren insbesondere durch ihre Zusammenarbeit mit den Regisseuren Edgar Reitz (12 Filme) und Reinhard Hauff (6 Filme) zu den bedeutenden Editorinnen des westdeutschen Films. Weitere enge Partnerschaften entstanden ab den 1990er Jahren mit Matti Geschonneck (10 Filme) und Oliver Storz (4 Filme).

In ihrer 40-jährigen Laufbahn war Heidi Handorf bei über 80 langen Kino- und Fernsehfilmen für die Montage verantwortlich; dazu kommen noch fast 50 Episoden diverser Fernsehserien, wie z. B. Neues aus Uhlenbusch. Zu ihren wichtigen Arbeiten fürs Kino zählen unter anderem Stammheim (Regie: Reinhard Hauff), der 1986 den Goldenen Bären der Berlinale gewann; das österreichische Anschluss-Drama 38 – Auch das war Wien (Regie: Wolfgang Glück), welches 1987 für den Oscar als bester fremdsprachiger Film nominiert war; und die Kinofassung zu Kaspar Hauser (Regie: Peter Sehr), welche 1994 mit dem Deutschen Filmpreis (Filmband in Gold) ausgezeichnet wurde. Ihre herausragendste Montageleistung ist die 1984 erschienene 11-teilige Fernsehreihe Heimat – Eine deutsche Chronik von Edgar Reitz, welche zahlreiche Preise erhielt, unter anderem den Adolf-Grimme-Preis.

Heidi Handorf begann 1968 eine Fotografenlehre in Elmshorn, die sie mit Gesellenbrief abschloss. 1969 kam sie ans Kopierwerk Geyer in Hamburg, wo sie unter anderem Lichtbestimmung erlernte. Ab 1970 absolvierte sie eine Ausbildung zur Schnittassistentin & „Jungcutterin“ bei der Neue Deutsche Wochenschau GmbH. Zu dieser Ausbildung gehörte auch Negativschnitt, Musik anlegen, Vertonung. Handorfs erste eigene Schnitt-Arbeiten erfolgten 1972 im Bereich Werbung, als Festangestellte einer Münchner Produktionsfirma. Seit dieser Zeit lebt sie in München.

Schnittassistenz und Script/Continuity

Ab 1973 arbeitete Heidi Handorf als Freiberuflerin und wurde bald Schnittassistentin bei bedeutenden Kinofilmen wie In Gefahr und größter Not bringt der Mittelweg den Tod (1974) und Die verlorene Ehre der Katharina Blum (1975). Die Filmeditoren, bei denen Handorf in dieser frühen Phase ihrer Karriere assistieren und lernen konnte, sind Inez Regnier, Jane Seitz, Beate Mainka-Jellinghaus und Peter Przygodda – allesamt Meister ihres Fachs und prägende Persönlichkeiten des Neuen Deutschen Films.

In den 1970er Jahren wirkte Handorf zudem bei einigen Kinospielfilmen als Script/Continuity mit. Bei Die verlorene Ehre der Katharina Blum und Paule Pauländer wurde sie sogar gleichzeitig als Script/Continuity und als Schnittassistentin verpflichtet; eine Doppelrolle, die sie später nicht mehr ausfüllte. Nur bei dem 1981 erschienenen Film Der Neger Erwin von Herbert Achternbusch taucht sie noch mal in mehreren Funktionen gleichzeitig auf: als Editorin, Regieassistentin und Script/Continuity – nicht untypisch für die meist mit kleinem Stab und noch kleinerem Budget gedrehten Achternbusch-Produktionen.

Frühe Karriere als Editorin (1976–1990)

Der erste Langfilm, den Heidi Handorf als eigenverantwortliche Editorin montierte, war die von Bernd Eichinger produzierte Fernsehkomödie Ich heiß' Marianne, und Du...? (1976), bei der Uschi Reich Regie führte. Für die beliebte Kinderserie Neues aus Uhlenbusch (Regie: Rainer Boldt) schnitt sie ab 1977 acht der insgesamt vierzig Folgen, sowie eine Kinoadaption: Ich hatte einen Traum (1980).

Handorf hatte bereits sieben Langfilme geschnitten, als Edgar Reitz sie im Herbst 1980 für die Montage seines Dokumentarfilms Geschichten aus den Hunsrückdörfern in jenes Kernteam holte, welches bald darauf mit den Dreharbeiten zu dem aufwendigen TV-Epos Heimat beginnen würde. Reitz und sein Ko-Autor Peter Steinbach hatten bei ihren Recherchen in der Region um Woppenroth viele Lebensgeschichten und Bräuche der alteingesessenen Hunsrücker Bevölkerung aufgezeichnet, und somit reichhaltiges Material für eine Art Prolog zu der Heimat-Reihe gesammelt. Der ruhige und persönliche Dokumentarfilm weist bereits einige Gestaltungsmerkmale der späteren Heimat-Spielfilme auf, etwa die Mischung aus schwarzweißen und farbigen Passagen. Die einzelnen Szenen wurden von Reitz und Handorf nicht chronologisch abgehandelt, sondern in einer Parallelmontage miteinander verwoben. Die Unterbrechung und Wiederaufnahme von Erzählsträngen erzeugt den Eindruck von Gleichzeitigkeit.

Die 11 Filme der ersten Heimat-Reihe, welche vom 30. April 1981 bis zum 31. Oktober 1982 gedreht wurden, stellen einen frühen Höhepunkt in Handorfs Laufbahn dar. Ab Juni 1981 hat sie parallel zu den Dreharbeiten vor Ort im Hunsrück geschnitten, unterstützt von sich abwechselnden Schnittassistentinnen. Danach folgte vom November 1982 bis Dezember 1983 ein weiteres Jahr Schnittarbeit mit Reitz in München, so dass Handorf mit dem über 15-stündigen Werk zweieinhalb Jahre lang beschäftigt war. Insgesamt waren bei den 282 Drehtagen 320 000 Meter 35-mm-Film belichtet worden, das ergab 195 Stunden Rohmaterial. In der Montage gestalteten Reitz und Handorf wesentliche Passagen anders, als sie im Drehbuch angelegt waren. So wurde die Zeitebene des Jahres 1980, die ursprünglich die Rahmenhandlung aller anderen Episoden bilden sollte, stattdessen zu einem Epilog umgebaut. Auch der Einsatz des Glasisch-Karl als Erzähler und Chronist des Dorfes war eine Idee die erst während des Schnitts entstand.

Die filmischen Qualitäten von Heimat – Eine deutsche Chronik führten dazu, dass die Reihe trotz ihrer Länge nicht nur im Fernsehen lief, sondern auch auf Filmfestivals und in Kinos gezeigt wurde. Heimat erhielt weltweit Auszeichnungen, unter anderem den Preis der Internationalen Filmkritik (FIPRESCI) bei den Filmfestspiele von Venedig 1984, die Goldene Kamera 1984, und den Adolf-Grimme-Preis 1985 und 1986. Auch die Montage fand international Anerkennung. Sie wurde als „subtil und eindringlich“ beschrieben, und ihr stilistischer Wandel im Laufe der 11 Filme als sinnbildlich für den langsamen Niedergang der Heimat verstanden: „Die meditativen, poetischen Qualitäten der ersten Episoden werden allmählich durch einen mehr grellen, rauen und disharmonischen Filmstil ersetzt, der die kommende Zerstörung der Heimat ankündigt.“

Auch Heidi Handorfs zweite wichtige Kreativpartnerschaft der 1980er Jahre begann mit einem Dokumentarfilm: Unmittelbar nach Heimat montierte sie Zehn Tage in Calcutta, den ersten Film von Regisseur Reinhard Hauff, bei dem sie für den Schnitt verantwortlich war. Zuvor hatte sie bei drei seiner Spielfilme als Schnittassistentin oder Script/Continuity mitgewirkt. Das Porträt des bengalisch-indischem Regisseurs Mrinal Sen, den Hauff während Straßenspaziergängen, zwischen Menschenmassen, bei Freunden, oder an seinem Filmset interviewte, ist der dritte und letzte Dokumentarfilm in Handorfs Filmografie.

Handorfs Zusammenarbeit mit Hauff setzte sich bei Stammheim fort, einem der wichtigsten und umstrittensten Filme des bundesrepublikanischen Kinos in den 1980er Jahren. Das beklemmende Kammerspiel über den Stammheim-Prozess gegen die Anführer der ersten RAF-Generation hält sich eng an die von dem Journalisten und Drehbuchautor Stefan Aust aufgedeckten Gerichtsprotokolle, unternimmt aber nicht den Versuch, im Stile eines Dokudramas die historischen Personen möglichst Typ-getreu zu besetzen. Hauffs künstlerischer Ansatz, ohne gesellschaftspolitische Einordnung oder eigene Wertung die gegensätzlichen Sprachwelten der Baader-Meinhof-Gruppe und der staatlichen Juristen in hoher Verdichtung aufeinander prallen zu lassen, polarisierte Zuschauer und Kritiker. Auch die Berlinale-Jury, die dem Film 1986 den Goldenen Bären verlieh, war tief gespalten: Jury-Präsidentin Gina Lollobrigida brach bei der Preisverleihung ihre Schweigepflicht, um öffentlich gegen die Entscheidung zu protestieren.

Der nächste Kinospielfilm, den Handorf für Hauff montierte, war Blauäugig, für dessen Handlung Kindesraub und Zwangsadoptionen der argentinischen Militärdiktatur den Hintergrund bilden. Blauäugig erhielt 1989 bei den Filmfestspielen in Venedig den UNICEF-Preis. 1990 folgte der dreiteilige TV-Thriller Mit den Clowns kamen die Tränen, nach einer Vorlage von Johannes Mario Simmel. Dies war Handorfs letztes Projekt mit Reinhard Hauff, der anschließend seine Regiekarriere beendete, um sich der Leitung der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb) zu widmen.

Anúncio

Bald in der World in Stories App

Audio, Offline-Download, keine Werbung und mehr.

Premium entdecken
Heidi Handorf | World in Stories