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Hasan al-Bannā

Ägyptischer Gründer der Muslimbrüder

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Hasan al-Bannā (vollständig ägyptisch-arabisch Hassan Ahmed Abdel Rahman Mohamed El Banna, arabisch حسن أحمد عبد الرحمن محمد البنا, DMG Ḥasan Aḥmad ʿAbd ar-Raḥmān Muḥammad al-Bannā; * 14. Oktober 1906 in Mahmudiyya (etwa 50 Kilometer östlich von Alexandria); gest. 12. Februar 1949 in Kairo) war Gründer und erster geistlicher Führer (muršid ʿāmm) der Muslimbruderschaft, einer der wichtigsten und einflussreichsten islamistischen Bewegungen des 20. Jahrhunderts. Zahlreiche islamistische Organisationen berufen sich noch heute auf al-Bannās Ideen und die seiner Nachfolger. Von seinen Anhängern wird al-Bannā

wie auch Sayyid Qutb wegen seiner Ermordung als „der Märtyrer-Imam“ (al-Imām aš-šahīd) tituliert.

Bannās Sohn Said Ramadan ist der Vater des Islamwissenschaftlers und Publizisten Tariq Ramadan sowie des islamischen Predigers und Buchautors Hani Ramadan. Der liberale Islam-Gelehrte Gamal al-Banna war der jüngere Bruder von Hasan al-Bannā.

Hasan al-Bannā wurde 1906 in Mahmudiyya, einer kleinen Provinzstadt am Rande des Nildeltas geboren. Er wuchs in kleinbürgerlichen, traditionsverbundenen Verhältnissen auf. Sein Vater Ahmad al-Bannā as-Sāʿtī war Uhrmacher und hatte einen Laden, in dem er Grammophonplatten verkaufte. Zwar besaß er keinen formalen akademischen Abschluss, doch hatte er die Ausbildung an einer religiösen Schule (Madrasa) durchlaufen, besaß eine beachtliche Büchersammlung und gehörte dem Schādhilīya-Orden an. Auch verfasste er Bücher zu religiösen Themen. Hasan al-Bannā war das erste Kind seiner Eltern. Sein Vater war zur Zeit seiner Geburt 25, seine Mutter 17. Ab 1915 besuchte Hasan die „Religionsschule des rechten Handelns“ (Madrasat ar-Rašād ad-Dīnīya) von Scheich Muhammad Zahrān, einem Lehrer, dem er sich lebenslang verbunden fühlte. Als Zahrān drei Jahre später die Schule verließ, wechselte Hasan auf die staatliche Grundschule in Mahmudiyya. In Mahmudiyya schloss Hasan al-Bannā Freundschaft mit mehreren Anhängern der Hasafīya-Bruderschaft, einem Zweigorden der Schādhilīya. Einer von ihnen war Ahmad as-Sukkarī, der später eine führende Rolle in der Muslimbruderschaft spielen sollte.

1919 wurde Hasan al-Bannā im Lehrerseminar in der nahegelegenen Provinzhauptstadt Damanhur zugelassen, obwohl er das Mindestalter von 14 Jahren noch nicht erreicht hatte. In Damanhur verstärkten sich al-Bannās Verbindungen zur Hasafīya. So besuchte er fast täglich das Grab von Hasanain al-Hasafī (gest. 1910), dem Gründer dieser Bruderschaft, nahm Unterricht bei einem ihrer Scheiche und beteiligte sich an ihren wöchentlichen Hadhra-Versammlungen. Am Wochenende konnte er in das weniger als 20 Kilometer entfernte Damanhur zurückkehren. 1923 schloss er mit weniger als 17 Jahren das Lehrerseminar von Damanhur erfolgreich ab.

Im Ramadan 1923 fuhr al-Bannā zum ersten Mal nach Kairo, um die Eingangsprüfung für das Dār al-ʿulūm abzulegen, einer Art Pädagogischen Hochschule für Arabischlehrer an staatlichen und privaten Grundschulen. Wie er in seinen Memoiren schreibt, war er empört über die Freigeisterei (ilḥād) und Zügellosigkeit (ibāḥīya), die er in Kairo sah. Besonders entrüstet war er über die Aktivitäten der Theosophischen Gesellschaft, die in Kairo eine Akademie eröffnet hatte. Hier griffen, wie er schreibt, Muslime, Christen und Juden in Reden und Vorträgen die alten Religionen an und verkündeten eine neue Offenbarung. Während seiner Ausbildung am Dār al-ʿulūm verbrachte al-Bannā seine freie Zeit in Buchhandlungen und Bibliotheken sowie in religiösen Zirkeln. Seine wichtigste Bezugspersion in diesen Jahren war der islamische Aktivist und Publizist Muhibb ad-Dīn al-Chatīb, der 1926 die Gesellschaft der muslimischen jungen Männer und die Wochenzeitschrift al-Fath gründete.

Gründung und Aufbau der Muslimbruderschaft

1927 trat Hasan al-Bannā eine Stelle als Volksschullehrer in Ismailia am Sueskanal an. Dort gründete er mit sechs Arbeitern der Sueskanal-Gesellschaft im Jahre 1928 die Muslimbruderschaft (ǧamʿīyat al-iḫwān al-muslimīn) zur Verbreitung islamischer Moralvorstellungen und der Unterstützung wohltätiger Aktionen. 1930 erbaute die Gruppe in Ismailia eine eigene Moschee. Über ihr wurde eine Schule für 200 Knaben errichtet. Ein wichtiger Weggefährte al-Bannās in dieser Zeit war Muhammad Saʿīd al-ʿUrfī, ein syrischer Gelehrter und Politiker aus Deir ez-Zor, der wegen seiner Widerstandsaktivitäten gegen die französische Mandatsmacht aus Syrien verbannt worden und nach Ägypten ausgewichen war. Er beriet al-Bannā beim Aufbau seiner neuen Organisation und empfahl ihm, die von ihm gegründete Knabenschule nach dem Ort, an dem Mohammed seine erste Offenbarung erhalten hatte, „Islamisches Hirā'-Institut“ (maʿhad Ḥirāʾ al-islāmī) zu nennen.

Al-Bannās Missions- und Bildungsaktivitäten stießen allerdings bei einigen Gelehrten auch auf Ablehnung. Einer von ihnen verbreitete, dass sich al-Bannā von seinen Anhängern als Gott verehren lasse. Al-Bannā berichtet in seinen Memoiren, dass er den Gelehrten zusammen mit verschiedenen Muslimbrüdern zu Hause aufsuchte, um das Missverständnis auszuräumen. 1933 zog al-Bannā nach Kairo um und verlegte auch den Sitz der Bruderschaft dorthin.

Al-Bannās frühes Denken lässt sich vor allem anhand seiner Schriften erkennen, die er in der vereinseigenen Zeitschrift al-Ichwān al-muslimūn veröffentlichte. Dazu gehören unter anderem seine beiden Reden Ilā aiyi šaiʾ nadʿū n-nās („Wozu rufen wir die Menschen?“; Mitte 1934) und Daʿwatu-nā („Unsere Daʿwa“; 1935). Darin wies er auf die Notwendigkeit der Daʿwa hin, der inneren Mission unter Muslimen, die den Bezug zum Islam verloren hatten. Diese Daʿwa sollte seiner Auffassung nach auch mit modernen Mitteln wie Zeitungen, Theaterstücken, Filmen, Grammophon (ḥākk) und Radio (miḏyāʿ) erfolgen.

Programmatischen Charakter hat die folgende Passage aus Daʿwatu-nā, die deutlich macht, welche weitgehenden Vorstellungen al-Bannā mit der Daʿwa und dem Islam verband:

In beiden Schriften wandte sich al-Bannā auch gegen den zu seiner Zeit verbreiteten Nationalismus (qaumīya), insbesondere gegen diejenigen Formen, die mit Überlegenheitsgefühl und Aggression verbunden waren. Ihm stellte er einen eigenen islamischen Nationalismus gegenüber, der allein auf die Verbundenheit (wilāya) mit Gott gegründet sein sollte. Die „islamische Kolonialherrschaft“ (istiʿmār islāmī) der Vergangenheit, so meinte er, sei wesentlich humaner gewesen als der Kolonialismus der Gegenwart, weil der muslimische Kolonialherr (al-mustaʿmir al-muslim) die Länder nur erobert habe, um das „Wort der Wahrheit“ (kalimat al-ḥaqq) zu erhöhen und die Lehren des Korans zu verbreiten.

Der offene Brief „Hin zum Licht“

Im Oktober 1936 wandte sich al-Bannā mit einem offenen Brief mit dem Titel Naḥwa n-nūr („Hin zum Licht“) an den ägyptischen König Faruq und andere politische und religiöse Persönlichkeiten der islamischen Welt und rief sie darin dazu auf, sich aktiv für eine islamische Gesellschaftsordnung einzusetzen. Die Muslime, so forderte er, sollten sich darauf besinnen, dass Gott sie im Koran (Sure 3:110) als die beste Gemeinschaft bezeichnet habe, die den Menschen erstanden sei. Im Gegensatz zu dem europäischen Nationalismus, wie er in den Formeln „Deutschland über alles“, „Italien über alles“ oder „Britannien, herrsche!“ zum Ausdruck komme, sei dies allerdings nicht im Sinne von Asabiyya und falschem Stolz zu verstehen. Vielmehr ziele das Gemeinschaftsgefühl, das der Islam generiere, auf die Verwirklichung eines ethischen Prinzips ab, nämlich des im Koran genannten Gebietens des Rechten und Verbietens des Verwerflichen. Al-Bannā setzte sich in dieser Schrift für eine Rückkehr zum ursprünglichen Islam und die Errichtung einer islamischen Ordnung ein. Die allgemeinen Statuten des Islam, so meinte er, seien die besten, die es je in der Geschichte der Menschheit gegeben hat. Zu den politischen, juristischen und administrativen Reformen, die er in dieser Schrift forderte, gehören:

Eliminierung des Parteienwesens und Führung der politischen Kräfte der Umma in eine vereinigte Front

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