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Harun Farocki

Deutscher Filmemacher, Autor und Hochschuldozent

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Harun Farocki (* 9. Januar 1944 als Harun El Usman Faroqhi in Neutitschein; † 30. Juli 2014 in der Nähe von Berlin) war ein deutscher Filmemacher, Autor und Hochschuldozent für Film. Er gehörte zu den wichtigen Essayfilmern und hat mehr als 90 Filme realisiert.

Harun Farocki wurde als Sohn des in den 1920er Jahren nach Deutschland eingewanderten indischen Arztes Abdul Qudus Faroqhi und seiner Frau Lili in Neutitschein im Protektorat Böhmen und Mähren geboren. Er wuchs in Indien und im heutigen Indonesien, später in Bad Godesberg und ab 1958 in Hamburg auf. Während seiner Zeit in Bad Godesberg besuchte er das Aloisiuskolleg.

1962 ließ sich Harun Farocki in West-Berlin nieder und betrieb mit Dimitrius Boyksen und Natias Neutert zunächst die Galerie „zinke“ als öffentlichen Dichtertreffpunkt, bevor er von 1966 bis 1968 im ersten Jahrgang an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB) studierte. Von 1974 bis 1983 war er Redakteur der Zeitschrift Filmkritik. Gemeinsam mit Hanns Zischler inszenierte er 1976 Heiner Müllers Stücke Die Schlacht und Traktor im Theater Basel. In den Jahren 1978 bis 1982 und 1986 bis 1993 war er Dozent an der DFFB, 1993 bis 1999 an der University of California, Berkeley, und ab 2000 an der Universität der Künste Berlin. Ab 2004 unterrichtete er an der Akademie der bildenden Künste Wien.

In den 2000er Jahren schuf Harun Farocki eine Reihe von installativen Filmarbeiten, die im Ausstellungs- und Museumskontext gezeigt werden, unter anderem über Gefängnisse oder auch Shopping-Malls. 2006 kuratierte er zusammen mit seiner Frau Antje Ehmann in der Generali Foundation in Wien die Ausstellung Kino wie noch nie, die 2007 in Berlin gezeigt wurde. An der Documenta 12 (Kassel 2007) nahm Harun Farocki mit der Medieninstallation Deep Play (2007) teil. Farocki kuratierte diverse Filmprogramme, z. B. die Filmreihe Einseitig perforiert, schmaler Steg im Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien (2005) mit Werken von Rosa von Praunheim, Werner Schroeter, Klaus Wildenhahn und anderen.

Farocki war der Lehrer des Regisseurs Christian Petzold an der DFFB und beeinflusste dessen Werk nachhaltig. Die beiden wurden Freunde und in den folgenden zwanzig Jahren war Farocki bei vielen Drehbüchern Petzolds Co-Autor und seine Essays eine wichtige Inspiration. Ihr letztes gemeinsames Werk ist der Film Phoenix aus dem Jahr 2014.

Ein letztes großes von Farocki initiiertes Projekt war Eine Einstellung zur Arbeit. Begonnen 2011 gemeinsam mit seiner Frau Antje Ehmann, die das Projekt auch nach seinem Tod weiterführte, bestand das Konzept darin, dass die Teilnehmenden 1 bis 2 Minuten lange Videofilme zum Thema „Arbeit“ realisieren, und zwar Filme in einer einzigen Einstellung, also ohne Schnitt. Ausgehend von weltweit mehr als zwanzig Workshops, wurden inzwischen einige Hundert Filme realisiert, die in zahlreichen Ausstellungen präsentiert wurden und in einem Netzkatalog für Streaming zur Verfügung stehen.

Farocki starb am 30. Juli 2014 im Alter von 70 Jahren in der Nähe von Berlin. Seine letzte Ruhestätte fand Farocki auf dem Friedhof der Dorotheenstädtischen und Friedrichswerderschen Gemeinden im Berliner Ortsteil Mitte. Im September 2015 gründeten Freunde des Filmemachers das Harun Farocki Institut (HaFI) als „Plattform zur Erforschung von Farockis visueller und diskursiver Praxis und als flexible Struktur für neue Projekte“ in Berlin.

Farockis Schwester ist die Orientalistin Suraiya Faroqhi. Aus seiner ersten Ehe mit Ursula Lefkes gingen die Zwillingstöchter Annabel Lee Faroqhi und Larissa Lu Faroqhi hervor.

2009: Filme 1967–2005. absolut MEDIEN. ISBN 978-3-89848-969-0. (Insgesamt zwanzig Filme auf fünf DVDs.)

Hörspiele und Features (Auswahl)

1973: Subjekt? – Objekt? Aus dem Leben des Rentners W. – Ein Porträt (WDR)

1974: Berufsarbeit und Entfremdung. Sechs Studien zum Bewußtsein abhängig Arbeitender

1976: Barfüßiges Denken. Berufstätige zu ihrer Arbeit (WDR)

1976: Gespräche mit Zeitgenossen (WDR)

1976: Das große Verbindungsrohr, Regie: Walter Adler (WDR)

1977: Das hohe Fenster oder Das Halsband des Todes. Eine Montage, Regie: Otto Düben (SDR)

Das große Verbindungsrohr und Wie man sieht. In: Die Republik, Nummer 76–78 vom 9. September 1986. Texte im Zusammenhang mit den Filmen Zwischen zwei Kriegen und Wie man sieht.

Gemeinsam mit Kaja Silverman: Von Godard sprechen. Vorwerk 8, Berlin 1998, ISBN 3-930916-18-5. Aus dem Englischen übersetzt von Roger M. Buergel. Mit einem Vorwort von Hanns Zischler. Neuausgabe als Schriften, Bd. 2. Hrsg. von Doreen Mende. Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 2018, ISBN 978-3-96098-224-1

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