Harrison Ford (* 13. Juli 1942 in Chicago, Illinois) ist ein US-amerikanischer Schauspieler und Produzent. Er war unter anderem in fünf Filmen der Reihe Star Wars als Han Solo zu sehen und ist einer der kommerziell erfolgreichsten Darsteller der Filmgeschichte. Ebenfalls populär wurde er in der Rolle des Archäologen und Abenteurers Indiana Jones, den er seit 1981 in fünf Filmen darstellte. In Filmen wie Blade Runner (1982) und In Sachen Henry (1991) konnte er sich auch als Charakterdarsteller profilieren. Für seine Rolle in Der einzige Zeuge erhielt er 1986 eine Oscar-Nominierung.
1942–1976: Jugend und Karrierebeginn
Harrison Ford wurde 1942 in Chicago geboren und wuchs dort auch auf. Sein Vater Christopher Ford, der irische Vorfahren hatte, war ebenfalls Schauspieler. Seine Mutter Dorothy Nidelman war die Tochter jüdischer Emigranten aus Minsk. Ford hat einen jüngeren Bruder.
Ford war Mitglied bei den Boy Scouts of America und erreichte deren zweithöchsten Rang, den Life Scout. Er besuchte das Ripon College in Wisconsin, wo er auch seine erste Frau Mary Louise Marquardt kennenlernte. Mitte der 1960er-Jahre ging er nach Kalifornien, um Schauspieler zu werden. Dort arbeitete und lernte er zunächst im Laguna Playhouse.
1966 wurde er im Rahmen des New Talent Program unter Vertrag genommen; sein Kinodebüt gab er im selben Jahr in einer kurzen Szene als Page in Immer, wenn er Dollars roch … neben James Coburn. Ford konnte sich zunächst nicht als Schauspieler durchsetzen und erhielt lediglich unbedeutende Rollen in Film- und Fernsehproduktionen. Er war beispielsweise in Fernsehserien wie Rauchende Colts zu sehen.
Obwohl Ford in Wirklichkeit gar keinen zweiten Vornamen hat, firmierte er zwischen 1966 und 1970 unter dem Namen Harrison J. Ford, um nicht mit dem Stummfilmschauspieler Harrison Ford (1884–1957) verwechselt zu werden (zwischen den beiden Schauspielern gibt es keine bekannte Verwandtschaft.)
Seit 1964 verheiratet, hatte Ford jahrelang nicht die Möglichkeit, seine Familie durch seine Arbeit als Schauspieler zu ernähren. Um sich finanziell abzusichern, begann er deshalb damit, nebenher als Tischler in einer Schreinerei zu arbeiten. Unter anderem arbeitete er in dieser Zeit für Sérgio Mendes sowie für die US-Rockgruppe The Doors, mit der er als Roadie und Kameraassistent auf Tournee ging. Es existieren kurze Filmausschnitte aus dieser Zeit, die den noch unbekannten Ford zum Beispiel im Hintergrund von Jim Morrison zeigen. Im Juni 1967 arbeitete Ford als Sicherheitskraft beim Monterey Pop Festival, dem ersten großen Festival der Rock- und Popgeschichte.
Da er als Tischler gefragt war, konnte Ford es sich leisten, kleinere Rollen abzulehnen. 1973 machte er erstmals in einem erfolgreichen Kinofilm auf sich aufmerksam. In George Lucas’ Klassiker American Graffiti ist er in der wichtigen Nebenrolle des Rennfahrers Bob Falfa zu sehen. Der nostalgisch gefärbte Film spielt in einer einzigen Nacht des Jahres 1962, zeigt die Erlebnisse einer jugendlichen Freundesclique und wurde mit einem Einspielergebnis von über 100 Millionen Dollar zu einem der großen Filmerfolge des Jahres.
Der Regisseur Francis Ford Coppola übertrug ihm Mitte der 1970er Jahre kleinere Rollen in seinen Filmen Der Dialog (1974) und Apocalypse Now, die Fords Karriere allerdings nicht voranbrachten. Er arbeitete weiterhin als Tischler, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen.
1977–1989: Durchbruch und Aufstieg zum Star
Mitte der 1970er Jahre bereitete George Lucas seine großangelegte Science-Fiction-Filmserie Star Wars vor und ließ für die Hauptrollen hunderte Schauspieler vorsprechen. Schließlich übertrug der Regisseur die wichtige Rolle des draufgängerischen Weltraumpiloten Han Solo an Ford. Diese Figur war in ihrer Konzeption und Aufmachung an einen typischen Westernhelden angelehnt. Obwohl Mark Hamill als Luke Skywalker die Hauptrolle spielt, wurde Ford durch seine Darstellung des Han Solo äußerst populär.
Der erste Film der Reihe, Krieg der Sterne, brach 1977 sämtliche Kassenrekorde, spielte bis 2014 fast 800 Millionen Dollar ein und war einer der ersten Blockbuster. Für Ford markierte der Film den Durchbruch im Filmgeschäft, nachdem er ein Jahrzehnt lang lediglich Nebenrollen gespielt hatte. Während der Dreharbeiten 1976 hatte er mit Carrie Fisher, die im Film Prinzessin Leia verkörperte, eine drei Monate andauernde Affäre. Er war zu dieser Zeit verheiratet. Er verkörperte die Rolle des Han Solo auch in den drei Fortsetzungsfilmen Das Imperium schlägt zurück (1980), Die Rückkehr der Jedi-Ritter (1983) und Star Wars: Das Erwachen der Macht (2015), die ebenfalls zu großen Kinoerfolgen wurden.
Nachdem Harrison Ford in den späten 1970er Jahren in einer Reihe von Filmen mitgewirkt hatte, die an den Kinokassen wenig Resonanz fanden (Der wilde Haufen von Navarone, 1978, Das tödliche Dreieck, 1979), gelang es ihm 1981, sein darstellerisches Renommee weiter auszubauen. Steven Spielberg als Regisseur und George Lucas als Produzent waren die treibenden Kräfte hinter Jäger des verlorenen Schatzes, einer aufwändig produzierten Hommage an die Serial-Abenteuerfilme der 1930er Jahre.
Obwohl sich George Lucas zunächst geweigert hatte, einen Schauspieler aus der Star-Wars-Reihe in dem Film einzusetzen, wurde schließlich doch Harrison Ford für die Rolle des wagemutigen Archäologen Indiana Jones verpflichtet, der rund um den Erdball spektakuläre Abenteuer erlebt und sich dabei als Virtuose im Umgang mit seiner Peitsche erweist. Mit großangelegten Actionszenen und selbstironischen Untertönen inszeniert, wurde Jäger des verlorenen Schatzes zum mit Abstand größten Filmerfolg des Jahres und spielte weltweit fast 400 Millionen Dollar ein.
Dem 39-jährigen Ford gelang in der Rolle endgültig der Durchbruch an die Spitze Hollywoods. Der Schauspieler drehte von da ab etwa einen Film pro Jahr und wurde zu einem der zuverlässigsten Kassenstars der 1980er und 1990er Jahre. 1982 übernahm er die Hauptrolle in Ridley Scotts düsterer Zukunftsvision Blade Runner, einem ästhetisch wegweisenden Cyberpunk-Film, der an den Kinokassen nur zu einem moderaten Erfolg wurde, aber heute allgemein als Klassiker und Kultfilm gilt. Ford trat hier als Detektiv im Los Angeles des Jahres 2019 in Erscheinung.
1984 nahm er in Steven Spielbergs Der Tempel des Todes die Rolle des Indiana Jones wieder auf. Der Film war deutlich düsterer angelegt als der Vorgängerfilm und zeigte beispielsweise, wie einem Mann bei lebendigem Leib das Herz aus dem Leib gerissen wird. Die Kritik griff den Film deshalb teilweise scharf an und warf Spielberg eine Überbetonung der entsprechenden Szenen vor. Wie schon der erste Indiana-Jones-Film wurde aber auch dieser zu einem weltweiten Kinoerfolg.
Ab Mitte der 1980er Jahre erweiterte Ford, der bis dahin vor allem in Abenteuerrollen erfolgreich gewesen war, sein darstellerisches Spektrum. 1985 spielte er in Peter Weirs Kriminaldrama Der einzige Zeuge, das bei Kritik und Publikum gut ankam, einen hartgesottenen Großstadtpolizisten, der gezwungen ist, sich eine Zeit lang bei den strenggläubigen Amish zu verstecken. Zunächst widerwillig entwickelt er Respekt vor deren traditioneller Lebensweise und verliebt sich in eine junge Amish-Frau. Für seine Darstellung des Detektivs John Book erhielt Ford seine einzige Oscar-Nominierung.
Weniger erfolgreich war 1986 der Film Mosquito Coast, in dem Ford, ebenfalls unter Weirs Regie, einen zivilisationsmüden Erfinder spielt, der im mittelamerikanischen Dschungel zum Tyrannen wird. Mosquito Coast wurde zu einem der größten kommerziellen Fehlschläge für den Schauspieler.