An diesem Tag

Harold Farncomb

Australischer Marineoffizier, Kommodore im Zweiten Weltkrieg, später Konteradmiral und Anwalt

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Harold Bruce Farncomb (* 28. Februar 1899 in Sydney, New South Wales; † 12. Februar 1971 in Darlinghurst, New South Wales) CB DSO MVO war ein hochrangiger australischer Marineoffizier und Rechtsanwalt.

Herkunft und Ausbildung (1899–1920)

Harold Bruce Farncomb war das zweite Kind des Forstgutachters Frank Farncomb und seiner Frau Helen Louisa, geborene Sampson. Der Vater stammte aus England, die Mutter aus dem australischen Bundesstaat Victoria. Nach der Ausbildung an öffentlichen Schulen in Sydney trat Farncomb 1913 in die Königlich Australische Marineakademie in Geelong bei Melbourne ein. Er gehörte zu den ersten Kadetten der kurz zuvor gegründeten Einrichtung der Australischen Marine. Die Schule wurde 1915 in das neugebildete Bundesterritorium Jervis Bay verlagert. Er war ein sehr guter Schüler und spielte außerdem erfolgreich Cricket. In seinem Jahrgang wurde auch der spätere Vice-Admiral John Collins ausgebildet.

Farncomb wurde im Januar 1917 zum Midshipman befördert und zur britischen Grand Fleet nach Europa kommandiert, wo er im April seinen Dienst auf dem Schlachtschiff Royal Sovereign antrat. Das Kriegsschiff war im Laufe des Ersten Weltkrieges an keinem Gefecht direkt beteiligt. Farncomb blieb bis 1921 in England. Er nahm an Offiziersanwärterlehrgängen teil, die er mit Bestnoten abschloss. Der 21-Jährige wurde 1920 zum Sub-Lieutenant befördert.

Zwischenkriegszeit (1921–1939)

Nach der Rückkehr in die Heimat wurde Farncomb zwischen 1921 und 1922 auf dem australischen Zerstörer Stalwart als Artillerieoffizier eingesetzt. Anschließend diente er im Stab von Commodore Percy Addison auf dessen Flaggschiff, dem Leichten Kreuzer Melbourne.

Im folgenden Jahr kehrte der junge australische Offizier nach England zurück, um seine Ausbildung auf dem Royal Naval College in Greenwich fortzusetzen. Nach Abschluss der Ausbildung wurde Farncomb ab 1925 im Stabsdienst auf verschiedenen Schiffen verwendet.

Am 31. März 1927 heiratete Harold Bruce Farncomb in Sydney Jean Ross Nott. Die Ehe blieb kinderlos.

Im selben Jahr erreichte Farncomb den Rang eines Lieutenant Commander. Er ging erneut nach England, um auf dem Imperial Defence College zu studieren. Mit 31 Jahren war er einer der jüngsten Absolventen der britischen Kaderschmiede. Er wurde anschließend im Marineministerium in Melbourne verwendet und am 30. Juni 1932 zum Commander befördert. Seine weitere Karriere führte ihn im April 1933 als Ersten Offizier auf den Schweren Kreuzer Australia. Der Kommandant Captain Macleod zeigte sich von den Fähigkeiten seines Ersten Offiziers beeindruckt und schlug ihn zur Beförderung vor.

Nach dem Dienst auf dem Kreuzer, der Farncomb u. a. auch erneut nach England verschlug, wurde er 1935 in die nachrichtendienstliche Abteilung der Admiralität versetzt. Er bereiste 1937 Deutschland, wo er seine deutschen Sprachkenntnisse vertiefte. Harold Bruce Farncomb wurde am 30. Juni 1937 als erster Absolvent der Königlich Australischen Marineakademie zum Captain befördert. Sein erstes eigenes Kommando war die Sloop HMAS Yarra, die er zwischen Oktober 1937 und November 1938 befehligte.

Captain Farncomb ging 1939 wieder nach England, um die neugebaute Perth im Juni in Dienst zu stellen und das Kommando über den Leichten Kreuzer zu übernehmen. Zum Zeitpunkt des Ausbruches des Zweiten Weltkrieges im September 1939 befand sich der Neubau auf dem Marsch nach Australien. Die Heimreise wurde unterbrochen. Das australische Schiff patrouillierte die nächsten sechs Monate in der Karibik.

Im Juni 1940 wurde Farncomb mit dem Kommando des Schweren Kreuzers HMAS Canberra betraut. In den folgenden 18 Monaten eskortierte das Kriegsschiff unter Farncombs Befehl alliierte Geleitzüge im Indischen Ozean und beteiligte sich an den erfolglosen Jagden nach dem deutschen Hilfskreuzer Pinguin und dem Panzerschiff Admiral Scheer.

Am 4. März 1941 wurde südöstlich der Seychellen das deutsche bewaffnete Trossschiff Coburg und der ehemals norwegische Tanker Ketty Brovig vom Bordflugzeug der Canberra aufgeklärt. Farncomb ließ das Feuer schon aus über 19 km Entfernung eröffnen und näherte sich unter andauerndem Feuer dem Gegner bis auf 17 km. Farncomb behielt den Abstand bei, da er befürchten musste, dass der Gegner über Torpedos verfügt. Nachdem die deutschen Schiffe in Brand geraten waren, ließ er das Feuer einstellen. Die deutschen Besatzungen versenkten ihre schwer getroffenen und brennenden Schiffe selbst. Nach Verhören der Kriegsgefangenen warnte Farncomb die Admiralität vor der Gefahr, die von der immer noch unbehelligt operierenden Admiral Scheer ausginge. Das Marinekommando nahm die Warnungen nicht ernst, sondern kritisierte Farncombs Übervorsichtigkeit im Kampf, er habe das Feuer zu früh eröffnet und mithin Munition verschwendet.

Die offizielle Kritik, welche die Kampfkraft der deutschen Hilfskreuzer total unterschätzte, war möglicherweise einer der Gründe für den Verlust der in Australien sehr populären HMAS Sydney am 19. November 1941. Der Kommandant des Leichten Kreuzers, Captain Joseph Burnett, näherte sich unvorsichtigerweise einem verdächtigen Schiff, dem als niederländischer Frachter getarnten deutschen Hilfskreuzer Kormoran, zur Identifizierung bis auf 1000 m. Als der deutsche Hilfskreuzer das Feuer eröffnete, erhielt die Sydney einen Torpedo- und ca. 50 15 cm-Granattreffer, welche schließlich zum Untergang des Kreuzers führten. Die gesamte Besatzung von 645 Mann fand den Tod. In einem Punkt behielt die Admiralität, ohne es zu wissen, Recht: Das deutsche Panzerschiff war längst auf dem Rückmarsch und lief im April 1941 unbeschadet in Kiel ein.

Im Dezember 1941 wurde Farncomb in den Stab von Rear-Admiral John Gregory Crace auf dessen Flaggschiff Australia versetzt und zugleich Kommandant des Schweren Kreuzers.

In dieser Funktion musste er gegen seinen Willen an einem Militärtribunal teilnehmen. Am 12. März 1942 wurde der Heizer John Riley von seinen Kameraden Albert Gordon und Edward Elias erstochen, weil er angedroht hatte, deren homosexuelle Beziehung bei der Schiffsführung anzuzeigen. Das Mordopfer konnte in seiner Todesstunde noch aussagen und die Täter unzweifelhaft benennen. Die zwei Mörder wurden in erster Instanz zum Tode verurteilt. Farncomb studierte autodidaktisch juristische Texte und setzte sich, was für einen hohen Offizier sehr ungewöhnlich und sicherlich auch nicht karrierefördernd war, für das Leben der beiden Seeleute ein. Er konnte letztlich eine Umwandlung der Todesstrafen in Haftstrafen erreichen.

Während der Schlacht im Korallenmeer im Mai 1942 führte Farncombs Schiff eine Einsatzgruppe von Zerstörern und Kreuzern, die eine japanische Landung in Port Moresby im australischen Teil Neuguineas unterbinden sollte. Die Australia geriet in einen heftigen Luftangriff und galt zwischenzeitlich als verloren. Farncomb bewies seine seemännischen Fähigkeiten und Führungsqualitäten, als er das angeschlagene Schiff in die Heimat retten konnte, wofür er im Tagesbericht „lobend erwähnt“ wurde (mentioned in despatches). Rear-Admiral Crace schlug Farncomb zur Beförderung zum Flaggoffizier vor.

Ab Juni 1942 nahm Farncomb gemeinsam mit dem neuen Stabschef Rear-Admiral Victor Crutchley an den alliierten Planungen zur Landung auf Guadalcanal teil. Crutchley befehligte von der Australia aus die australischen Geleitschiffe der Invasionsflotte. Die Kämpfe erwiesen sich für die Alliierten als sehr verlustreich. So verloren sie in der Schlacht vor Savo Island um den 8. August vor der kleinen Vulkaninsel vier schwere Kreuzer und über 1000 Mann. Die Japaner verloren bei dem Gefecht kein einziges Schiff. Infolge dieser taktischen Niederlage konnten 19000 angelandete US-amerikanischen Soldaten über längere Zeit nicht ausreichend mit Nachschub versehen werden. Kurz vor dem Seegefecht hatte Crutchley sein Flaggschiff aus dem Kampfgebiet abgezogen. Kritiker behaupten, dass dieses Desaster hätte verhindert werden können, wenn Rear-Admiral Crutchley die Australia mit ihrer kampferprobten Besatzung und ihrem erfahrenen Kommandanten eingesetzt hätte.

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