Harlem [ˈhɑːɹləm] ist ein Stadtteil im New Yorker Stadtbezirk Manhattan. Im Jahr 2020 hatte Harlem laut United States Census 196.384 Einwohner. Zu Harlem gehören die Viertel Central Harlem, Hamilton Heights mit Sugar Hill, West Harlem und Manhattanville. Zusammen mit East Harlem, das einen eigenen Stadtteil bildet und zum sogenannten „Greater Harlem“ gehört, beträgt die Einwohnerzahl 320.853. Harlem ist Teil der Manhattan Community Districts 9/10 und gehört zu den Bezirken 26, 28, 30 und 32 des New Yorker Polizeidepartements. Die Bevölkerung besteht zumeist aus Afroamerikanern sowie Hispanics und Latinos, die zusammen rund 75 % der Einwohner stellen.
Harlem gilt als eines der Hauptzentren afroamerikanischer Kultur in den USA. Der Name „Harlem“ wird häufig für ganz Upper Manhattan benutzt; eigentlich ist Harlem aber kleiner: es wird begrenzt von der 155th Street im Norden, dem Hudson River im Westen sowie dem Harlem River und der Fifth Avenue im Osten. Die südliche Grenze, die Harlem von der wohlhabenden Upper West Side und vom Stadtteil Morningside Heights trennt, ist nicht geradlinig. Zwischen East Harlem und dem Hudson verläuft die Stadtteilgrenze an der Fifth Avenue beginnend entlang der 110th Street (Central Park North), der Morningside Avenue und der 125th West Street (Martin Luther King Jr. Boulevard). In East Harlem führt die Grenze von der 110th Street südwärts entlang der Fifth Avenue und dem Central Park bis zur 96th Street, die dann bis zum East River verläuft und die Grenze zur Upper East Side bildet.
Innerhalb Harlems gibt es fünf Viertel, Nachbarschaften (Neighborhoods) genannt: Hamilton Heights, Sugar Hill, Central Harlem, Manhattanville und West Harlem. Der Mount Morris Park Historic District ist kein eigenes Viertel, sondern ein Bereich zwischen 118th Street und 124th Street, begrenzt durch die Fifth Avenue und den Adam Clayton Powell Jr. Boulevard (7th Avenue), in dem die Gebäude ganzer Straßenzüge unter Denkmalschutz stehen und der aufwändig renoviert wurde.
Upper Manhattan hingegen besteht aus weiteren Stadtteilen. In Washington Heights, der Gegend in der Nähe der 181st Street, lebten früher viele deutsche Juden, die in den 1930er Jahren Deutschland oder Österreich verlassen hatten (darunter Henry Kissinger). Jenseits von Washington Heights liegt Inwood, wo früher viele Menschen irischer Herkunft wohnten. Heute wohnen in Washington Heights und Inwood hauptsächlich Emigranten aus Puerto Rico und der Dominikanischen Republik; eine kleine jüdische Gemeinschaft lebt noch in der Nähe der Yeshiva University. Des Weiteren gehört das von meist Weißen bewohnte Morningside Heights zu Upper Manhattan.
Anfang des 21. Jahrhunderts setzte in Harlem ein Gentrifizierungsprozess ein.
Holländische Siedler bildeten im 16. Jahrhundert die erste europäische Siedlung im heutigen Harlem; 1658 formalisierte man den Namen des neuen Weilers als „Nieuw-Haarlem“ nach der holländischen Stadt Haarlem. Mit afrikanischen Sklaven baute die Dutch West India Company eine Landstraße in die üppigen Wiesen von Harlem, die sich allmählich zur berühmten Boston Post Road entwickelte. 1664 erschienen vier englische Fregatten vor der Insel Manhattan und forderten die Stadt zur Übergabe auf; dies geschah kampflos am 27. August 1664. Die Engländer übernahmen die ganze Kolonie Niew Nederland und die holländische Stadt Nieuw Amsterdam wurde in „New York“ umbenannt (das Siegel der heutigen Stadt zeigt das Datum 1625). „Haarlem“ wurde zu „Harlem“. Nach dem Beginn des US-Unabhängigkeitskrieges kämpften am 16. September 1776 die Engländer gegen die amerikanischen Kolonisten in der Battle of Harlem Heights (auch: Battle of Harlem oder Battle of Harlem Plain). Die Schlacht fand im westlichen Teil Harlems statt, in der Nähe von Hollow Way (heute: West 125th Street). Es gab auch Kämpfe auf den Morningside Heights, gleich südlich, und den Harlem Heights im Norden.
Im 19. Jahrhundert gab es in Harlem zahlreiche Farmen. James Roosevelt, der Vater des späteren US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt, besaß ein Grundstück östlich der fünften Avenue zwischen der 110th und der 125th Street. Heute ist diese Gegend das Zentrum des spanischen bzw. lateinamerikanischen Harlem. Die großen Anwesen befanden sich meist auf den Höhen, den Hudson River überblickend. Zu der Zeit, bevor man die Untergrundbahn baute, verbanden Dampfschiffe Harlem mit dem Rest der Stadt. Die Schiffe fuhren den East River (zwischen Manhattan und Brooklyn/Queens, d. h. den westlichen Teil von Long Island) entlang. Diese Reise dauerte 1,5 Stunden, und man musste den Service einstellen, wenn der Fluss im Winter zufror (heute friert der East River fast nie zu). Eine alternative Beförderungsmöglichkeit war die Kutsche auf der Boston Post Road, die durch Harlem von McGown’s Pass (im heutigen Central Park) fuhr, um die Salzmarschen nahe der heutigen 110th Street herum. Die Eisenbahngesellschaft New York and Harlem Railroad begann bereits 1831 die Stadt New York mit Harlem zu verbinden; damals betrachtete man Harlem nicht als Stadtteil, sondern als einen abgelegenen Ort. Die Eisenbahn fuhr zwischen Harlem und einem Depot an der 23rd Street. In den folgenden zwanzig Jahren verlängerte man die Strecken um ca. 200 Kilometer, bis sie Chatham erreichten. Harlem entwickelte sich zu einem Vorort von New York.
1880 erreichten Hochbahnen („Elevated Railroads“ oder „Els“) Harlem. Diese Infrastruktur ermöglichte die schnelle Verstädterung von Harlem. Plötzlich erschienen Stadthäuser („Townhouses“ oder Reihenhäuser mit gemeinsamen Wänden) und andere Wohnhäuser. Für eine Weile spielten die Reichen Polo auf den Polo Grounds, wo im 20. Jahrhundert die New-York-Giants-Baseballmannschaft spielte. Der Komponist Oscar Hammerstein I eröffnete 1889 das Harlem-Opernhaus an der östlichen 125th Street. Manche der teuersten Häuser von angesehenen Architekten haben überlebt, z. B. das berühmte Sugar Hill, westlich der 8th Avenue zwischen der 137th Street und der 160th Street. Anfang des 20. Jahrhunderts änderte sich Harlems Gesicht. Der Stadtteil wurde von Immigranten und verschiedenen ethnischen Gruppen gekennzeichnet. Gegen 1905 waren die meisten Einwohner deutsche Juden und Juden aus Osteuropa. Die jüdische Anwesenheit war aber vergänglich. Gegen 1910 war ein kurzer Tiefstand der Konjunktur. Manche Immobilienmakler fingen an, Wohnungen an Afroamerikaner zu vermieten, von denen in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts im Rahmen der Great Migration viele vor Armut und Rassendiskriminierung in den Südstaaten der USA flüchteten und in die Industriestädte des Nordens zogen. In den nächsten zwei Jahrzehnten verließen die Weißen Harlem. 1917 gab es noch ungefähr 150.000 Juden, 1930 war deren Anzahl auf 5.000 geschrumpft. Das heutige Spanish Harlem, neben dem East River, wurde italienisch. Heute ist auch die italienische Bevölkerung verschwunden.
Zentrum afroamerikanischer Kultur
Die ersten schwarzen Einwohner waren mit der St.-Philips-Episkopalkirche verbunden. Früher hatten die Afroamerikaner New Yorks in anderen Stadtvierteln gewohnt, z. B. in Tenderloin, San Juan Hill, Hell’s Kitchen und weiteren. In den 1920er Jahren hatte sich die Bevölkerungszahl der Afroamerikaner in Harlem vervierfacht, und die schwarze Kultur begann zu florieren (Harlem Renaissance). Ironischerweise durften die meisten Afroamerikaner nicht daran teilnehmen, weil die berühmtesten Klubs, wie Barron Wilkins’ Exclusive Club, Connie’s Inn, Small’s Paradise und der Cotton Club, wo Duke Ellington spielte, Zutritt nur den Weißen gestatteten. Das Apollo Theater eröffnete am 26. Januar 1934 auf der 125th Street. Das Gebäude war vorher ein Burleskenhaus gewesen. Der Savoy Ballroom an der Lenox Avenue war ein renommierter Standort für das Swing-Tanzen. Auch in Harlem zu finden war das Theresa-Hotel, damals das größte und beste Hotel in den USA, das auch für Afroamerikaner zugänglich war.
Die Kriegsjahre waren für Harlem angespannt. Viele Schwarze kämpften nicht gerne, weil die amerikanische Gesellschaft sie als minderwertige Menschen behandelte. Schon 1934 hatte es Auseinandersetzungen mit der Polizei gegeben, und weitere Unruhen brachen 1943 aus. Nach dem Zweiten Weltkrieg zogen Afroamerikaner in andere Nachbarorte New Yorks, weil die Rassendiskriminierung allmählich nachließ; 1950 war der Höhepunkt des schwarzen Bevölkerungsanteils in Harlem erreicht. Harlem blieb aber der Hauptort für afroamerikanische Politik, für Intellektuelle und für die Kultur. Die Konflikte wurden in den 1960er Jahren noch ernsthafter, besonders nach dem Attentat auf Martin Luther King 1968.