Harald V. von Norwegen (* 21. Februar 1937 auf Gut Skaugum, Asker; † 28. August 2026 in Oslo) war vom 17. Januar 1991 bis zu seinem Tod mehr als 35 Jahre lang König von Norwegen. Er war der dritte Monarch des Landes seit Auflösung der Union mit Schweden im Jahr 1905.
König Harald V. entstammte dem Haus Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg, einer Nebenlinie des Hauses Oldenburg. Er war der Sohn König Olavs V. und Kronprinzessin Märthas von Norwegen, einer geborenen Prinzessin von Schweden. Er hatte zwei ältere Schwestern, Ragnhild und Astrid. Harald war der erste in Norwegen geborene norwegische König seit Olav IV. im Jahr 1370. Sein Wahlspruch, wie auch der seines Großvaters und Vaters, lautete: Alt for Norge („Alles für Norwegen“).
Nach der deutschen Invasion Norwegens im April 1940 flüchtete die Mutter mit dem dreijährigen Prinzen und seinen älteren Schwestern zunächst für vier Monate nach Schweden, bevor die Familie auf Einladung von Franklin D. Roosevelt in die Vereinigten Staaten emigrierte. Während der fünf Jahre der deutschen Besetzung Norwegens wuchs Harald in Bethesda (Maryland) auf und entwickelte eine sehr enge Bindung zu seiner Mutter, während sein im englischen Exil lebender Vater die Familie nur einmal im Jahr besuchte. Nach Kriegsende kehrte er am 7. Juni 1945 nach Norwegen zurück. Er besuchte eine staatliche Volksschule, die Smestad skole, später die Oslo Katedralskole, wo er sein Examen artium (Abitur) ablegte.
Ab Ende 1956 absolvierte Harald den obligatorischen Militärdienst an der norwegischen Kavallerieschule und wurde nach dem anschließenden Besuch der Krigsskolen Offizier. Als König Haakon VII. 1957 starb, wurde Prinz Haralds Vater, Olav V., König und er selbst Kronprinz. Bereits 1958 fungierte er als Kronprinzregent im Staatsrat während Abwesenheiten des Vaters.
Von 1960 bis 1962 studierte er Gesellschaftswissenschaften, Geschichte und Ökonomie am Balliol College in Oxford im Vereinigten Königreich.
1959 lernte Kronprinz Harald die Kaufmannstochter Sonja Haraldsen kennen und führte über mehrere Jahre eine nicht-öffentliche Beziehung, wobei sich das Paar mehrfach trennte und wieder zusammenfand. Als die norwegische Presse 1964 begann, über die Beziehung zu berichten, war die einhellige Meinung, die Heirat mit einer bürgerlichen Frau bedeute das Ende der norwegischen Monarchie. König Olav V. verbreitete daraufhin eine Pressemeldung, eine bürgerliche Hochzeit seines Sohnes stehe nicht zur Debatte, und bestand gegenüber Harald auf eine traditionsgemäße Vermählung innerhalb des europäischen Hochadels. Als standesgemäße Braut war zeitweilig Prinzessin Irene von Griechenland angedacht. Harald lehnte dies ab, was das Verhältnis zu seinem Vater über Jahre stark belastete, und erklärte, wenn er Sonja nicht heiraten dürfe, werde die norwegische Monarchie auch enden. Nach neun Jahren erteilte König Olav schließlich seine Zustimmung, im März 1968 wurde die offizielle Verlobung bekannt gegeben und am 29. August 1968 heirateten Harald und Sonja Haraldsen im Osloer Dom.
Das Königspaar gehörte der evangelisch-lutherischen Norwegischen Volkskirche an. Es bekam zwei Kinder:
Prinzessin Märtha Louise von Norwegen (* 1971), ⚭ 2002–2017 Ari Behn (1972–2019); ⚭ 2024 Durek Verrett (* 1974);
König Haakon VIII. (* 1973), ⚭ 2001 Mette-Marit Tjessem Høiby (* 1973).
König Harald wurde fünffacher Großvater.
Sein Sohn Haakon und dessen Ehefrau Mette-Marit, das Kronprinzenpaar, das nach Haralds Tod am 28. August 2026 die Nachfolge König Haralds und seiner Frau, Königin Sonja, antrat, sind seit dem 21. Januar 2004 die Eltern von Kronprinzessin Ingrid Alexandra, am 3. Dezember 2005 kam der erste Sohn des Kronprinzenpaares, Sverre Magnus, zur Welt. Haralds Tochter, Prinzessin Märtha Louise, gebar am 29. April 2003 ihre erste Tochter Maud Angelica Behn; am 8. April 2005 folgte Leah Isadora und am 29. September 2008 Emma Tallulah. Wie die Kinder der Schwestern des Königs tragen die Mädchen keine Titel als Prinzessinnen und führen auch nicht die Anrede Königliche Hoheit; Letzteres traf auch für das jüngste Kind Haakons, Prinz Sverre Magnus, zu.
Nach dem Tod seines Vaters am 17. Januar 1991 wurde Harald V. am selben Tag König von Norwegen, die offizielle Krönung erfolgte am 23. Juni 1991 im Nidarosdom. Sein Vater war, unter anderem durch seine Rolle als Kronprinz im Zweiten Weltkrieg, äußerst beliebt gewesen. Es bestanden zunächst Zweifel, ob auch Harald eine derartige Zustimmung (etwa 90 % der Bevölkerung befürworteten unter seinem Vater die Monarchie) im Volk erreichen könne, doch entwickelte auch er sich zu einem sehr beliebten, als volksnah empfundenen Staatsoberhaupt, das schließlich sogar folkets konge (König des Volkes) genannt wurde.
Ein einschneidendes Ereignis zu Beginn seiner Regentschaft war der Neujahrsorkan 1992, der schwere Verwüstungen an der norwegischen Westküste verursachte. Aufnahmen des neuen Königs, die ihn in Gummistiefeln und Daunenjacke in Schlamm und Trümmern zeigten, während er Geschädigten Mut zusprach, prägten nachhaltig sein Bild in der Öffentlichkeit und trugen zu seiner Beliebtheit bei.
König Haralds Auftreten nach den rechtsextremistischen Anschlägen in Norwegen 2011 und seine Ansprache bei der Gedenkzeremonie für die Opfer, bei der er sichtbar gegen Tränen ankämpfte, wurden als ein Symbol angesehen, warum eine überparteiliche Monarchie noch immer eine einende Kraft haben könne.
Als ikonisch gilt in Norwegen auch die Rede des Königs anlässlich der Spätsommerfestes 2016, in der er die multikulturelle Gesellschaft betonte, die Norwegen ausmache, und ausdrücklich Einwanderer, unterschiedliche Religionen und sexuelle Orientierungen sowie funktionsbeeinträchtigte Menschen mit einbezog.
Als eine seiner wichtigsten Aufgaben benannte König Harald seine Reisen durch Norwegen, die dazu dienten, direkt mit den Menschen in Kontakt zu treten. Er hatte sich zum Ziel gesetzt, in seiner Amtszeit alle 357 Kommunen Norwegens mindestens einmal offiziell persönlich zu besuchen. Trotz seiner gesundheitlichen Beschwerden reiste er noch im August 2026 mit Königin Sonja durch zahlreiche Kommunen, der Besuch der letzten vier Kommunen war für Oktober 2026 vorgesehen.
Besonderen Wert legte König Harald auch auf die Anerkennung und Bewahrung des kulturellen Erbes der Samen in Norwegen. In seiner Eröffnungsansprache an den Sameting 1997 erkannte er an, dass Norwegen ein Land zweier Völker sei und bat als erster norwegischer König um Verzeihung für das Unrecht, das den Samen durch den norwegischen Staat, insbesondere durch die Norwegisierungs-Politik (fornorsking), zugefügt worden war.
Anfang Dezember 2003 teilte das Königshaus mit, dass König Harald V. an Blasenkrebs erkrankt sei. Er wurde wenige Tage später im Radiumhospital operiert. Kronprinz Haakon übernahm vorübergehend bis April 2004 die Pflichten des Staatsoberhaupts. Im März 2005 gab das Königshaus bekannt, dass der König wegen einer subvalvulären Aortenstenose operiert werden musste. Erneut übernahm der Kronprinz bis Anfang Juni 2005 alle Aufgaben des Königs. Wegen seiner Erkrankungen reduzierte der König auf Anraten seiner Ärzte sein Arbeitspensum erheblich. Im Oktober 2020 bekam er wegen Atemproblemen eine neue Herzklappe. Im Februar 2024 wurde ihm während eines Besuches in Malaysia ein Herzschrittmacher eingesetzt.