Hans-Peter Wilhelm „Hape“ Kerkeling (* 9. Dezember 1964 in Recklinghausen) ist ein deutscher Komiker, Autor, Fernsehmoderator, Schauspieler, Regisseur, Sänger, Hörspielsprecher, Hörbuch- und Synchronsprecher.
Er wurde ab Mitte der 1980er Jahre zum populären Fernseh- und Bühnenkomiker. 1985 erhielt er im Alter von 20 Jahren seine erste regelmäßige Fernsehsendung Känguru. Es folgten weitere Comedyformate wie Total Normal oder Darüber lacht die Welt sowie die Moderation größerer Fernsehshows wie der deutschen Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest oder der Verleihung der Goldenen Kamera.
Kerkeling inszenierte mehrere Kino- und Fernsehfilme als Autor, Regisseur und Darsteller. Auch seine Kunstfiguren wie Hannilein, Horst Schlämmer, Uschi Blum, Siegfried Schwäbli oder Evje van Dampen wurden einem breiten Publikum bekannt. Als Synchronsprecher lieh er unter anderem dem Panda Po in mehreren Filmen der Reihe Kung Fu Panda und dem Schneemann Olaf aus den Eiskönigin-Filmen seine Stimme.
Als Buchautor veröffentlichte Kerkeling 2006 mit Ich bin dann mal weg das erfolgreichste deutsche Sachbuch der Nachkriegszeit.
Hape Kerkeling wurde 1964 in Recklinghausen als Sohn des Zimmerers Karl-Heinz Kerkeling (1927–2018) und dessen Frau, der Floristin Margret Böhnke († 1973), geboren. Die ersten Jahre wuchs er im ländlichen Recklinghäuser Stadtteil Bockholt auf, bevor die Familie Anfang der 1970er Jahre in die Stadt zog. Einen Großteil seiner frühen Kindheit verbrachte Kerkeling im Tante-Emma-Laden seiner Großmutter mütterlicherseits, Änne, in Herten-Scherlebeck, einem Nachbarort von Recklinghausen.
Nach dem Suizid seiner Mutter 1973, die nach einer Operation ihren Geruchs- und Geschmackssinn verloren hatte, zogen seine Großeltern väterlicherseits zu seinem Vater, seinem Bruder und ihm. Die Familie seines Großvaters stammt aus den Niederlanden; daher kommt auch der Familienname, der auf Deutsch mit „Kirchner“ im Sinne von ‚Küster‘ übersetzt werden kann. Bereits in der dritten Klasse lernte er seinen langjährigen künstlerischen Weggefährten und musikalischen Begleiter Achim Hagemann kennen. Zusammen mit diesem wechselte er 1975 auf das Marie-Curie-Gymnasium Recklinghausen.
Kerkelings erster Partner starb Ende der 1980er Jahre an AIDS. Danach lebte er von 1990 bis 2011 mit seinem Co-Autor Angelo Colagrossi zusammen. Dieser schrieb für ihn Texte und Sketche, unter anderem für Total Normal, und führte Co-Regie bei den Filmen Kein Pardon, Willi und die Windzors und Regie bei Die Oma ist tot, Ein Mann, ein Fjord!, Samba in Mettmann und Horst Schlämmer – Isch kandidiere! Im Dezember 2016 heirateten Hape Kerkeling und sein Lebensgefährte Dirk Henning. 2017 zog er von Berlin nach Köln um, wo er seither lebt. Den Wegzug aus Berlin begründete er mit „homophober Atmosphäre“ in Berlin. Kerkeling verbrachte mehrere Monate im Jahr in der italienischen Region Umbrien. 2026 kehrte er auch Italien den Rücken mit der Begründung, er fühle sich dort als schwuler Mann „tagtäglich“ diskriminiert, was er der Regierung Meloni anlastet.
Kerkeling spricht neben Deutsch auch Niederländisch, Französisch, Spanisch, Italienisch und Englisch. Seit Januar 2007 ist er Pate der Aktion Courage – Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage der Droste-Hülshoff-Realschule im Dortmunder Stadtteil Kirchlinde. Im Februar 2017 war er auf Vorschlag der CDU-Fraktion des nordrhein-westfälischen Landtags Mitglied der 16. Bundesversammlung zur Wahl des deutschen Bundespräsidenten. Seit 2017 fungiert Kerkeling als Schirmherr des Comedy-Preises „Recklinghäuser Hurz“, der zum 1000-jährigen Jubiläum der Stadt Recklinghausen zu Ehren der beiden gebürtigen Recklinghäuser Hape Kerkeling und Achim Hagemann ins Leben gerufen wurde und seit 2017 jährlich verliehen wird.
In seiner 2024 erschienenen Autobiografie Gebt mir etwas Zeit dokumentiert Kerkeling die Ergebnisse seiner Ahnenforschung, bei der er unter anderem entdeckt haben will, dass er ein Urenkel des englischen Königs Eduard VII. sei, der ein Verhältnis mit Kerkelings Urgroßmutter Agnes Sattler aus Marienbad gehabt haben soll. Sein Großvater Hermann Anton Kerkeling wurde 1933 wegen Widerstandsaktivitäten in Recklinghausen verhaftet und zu neun Jahren Zuchthaus verurteilt und war anschließend von 1942 bis 1945 politischer Häftling im KZ Buchenwald. 2026 hielt Hape Kerkeling am 11. April die Gedenkrede zur Befreiung Buchenwalds in der heutigen Gedenkstätte auf dem Ettersberg.
1975–1988: Ausbildung, künstlerische Anfänge und Durchbruch
Auf dem Gymnasium in Recklinghausen machte Kerkeling frühzeitig durch eigene Sketche, etwa die Figur des „Hannilein“, auf sich aufmerksam. Er bekam dafür von seiner Musiklehrerin Helmi Döppe regelmäßig einen kurzen Block gegen Ende der Unterrichtseinheiten zur Verfügung gestellt. 1977 bewarb sich der damals Zwölfjährige bei Loriot für die Rolle des Kindes Dicki im Sketch Weihnachten bei Hoppenstedts. Die Rolle erhielt jedoch Katja Bogdanski.
Ende der 1970er Jahre gründeten Kerkeling und Hagemann die Band Gesundfutter, in der Kerkeling sang und textete. Auch Hagemanns jüngere Schwester Betti, spätere Geigerin bei Luna Luna, die ebenfalls später Musik zu Kerkelings Projekten beisteuerte, trat später der Band bei. 1984, als Kerkeling und Hagemann ihr Abitur ablegten, brachte die Band eine Schallplatte mit dem Titel Hawaii auf den Markt. In seiner Schulzeit war Kerkeling Ministrant.
Seinen ersten Fernsehauftritt hatte Kerkeling mit 17 Jahren im Talentschuppen. Er trat bei verschiedenen Talentwettbewerben auf und gewann 1983 den damals erstmals vergebenen Passauer Kabarettpreis Scharfrichterbeil. Danach arbeitete er unter anderem für den WDR und den BR. Im Dezember 1984 wurde mit der von Radio Bremen produzierten 30-minütigen Einzelsendung Kerkelings Kinderstunde sein erstes eigenes Fernsehformat ausgestrahlt. Die Sendung dreht sich um den Alltag des Vorschulkindes Hannilein und seiner Familie, wobei Kerkeling sämtliche Figuren spielte.
Den Durchbruch schaffte Kerkeling mit seiner erstmals im Januar 1985 ausgestrahlten Musik- und Sketch-Show Känguru. Es folgten Gastauftritte und Sketche (unter anderem mit Margarethe Schreinemakers) in der Radio-Bremen-Sendung Extratour. In seiner Biografie erwähnt Kerkeling, dass Otto Waalkes einen großen Beitrag zu seinem Karrierestart leistete, indem er ihn mit den „richtigen Leuten“ bekanntmachte.
1989–1998: „Total Normal“ und Kinodebüt „Kein Pardon“
Von 1989 bis 1991 moderierte Kerkeling die Deutsche Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest in der ARD. Die deutsch-österreichische Fehde bei dieser Veranstaltung verleitete ihn immer zu der satirischen Begrüßung „… und auch an unsere Nachbarn drüben in … Österreich“, die an die Begrüßung der DDR-Zuschauer im Westfernsehen erinnern sollte.
1989 gestaltete Kerkeling zusammen mit dem Pianisten Achim Hagemann und Angelo Colagrossi als Co-Autor mit seiner medienkritischen Sendung Total Normal ein Comedy-Format, für das er mit der Goldenen Kamera, dem Adolf-Grimme-Preis und dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet wurde. Vor allem zwei Aktionen sind auch Jahre nach dem Ende der Sendung in Erinnerung geblieben: Verkleidet als Königin Beatrix gelang es Kerkeling im April 1991, vor laufender Kamera in einem Wagen vor Eintreffen der echten Königin im Schloss Bellevue vorzufahren. Außerdem trug Kerkeling in der Maske eines polnischen Opernsängers zur Klavierbegleitung von Hagemann das „expressive Stück“ Hurz! vor, eine Parodie auf Neue Musik, die in dem lauten und unvermittelten Ausruf „Hurz!“ mündete. Das nicht eingeweihte Publikum war sich der Ernsthaftigkeit der Darbietung nicht sicher, bemühte sich aber im Anschluss um eine höfliche Diskussion des Stückes. Eine Teilnehmerin sagte, das Stück wirke auf sie „komisch“ und könne wohl kaum klassische Musik sein; Kerkeling antwortete ihr daraufhin bewusst hochnäsig, dass ihr wohl „der intellektuelle Zugang“ fehle. Hurz! erschien 1992 als Single. Das Mottolied einer anderen Folge, Das ganze Leben ist ein Quiz, schaffte als Single-Veröffentlichung den Einstieg in die deutschen Hitlisten. Das Lied war eine Coverversion des italienischen Liedes Sì, la vita è tutt’un quiz (1988).