Hansrudi Wäscher (* 5. April 1928 in St. Gallen, Schweiz; † 7. Januar 2016 in Freiburg im Breisgau) war ein deutscher Comiczeichner und Comicautor.
Wäscher war Sohn eines Deutschen und einer Schweizerin, die mit der Heirat ebenfalls die deutsche Staatsangehörigkeit annahm. Seine ersten Lebensjahre verbrachte Wäscher in der deutschsprachigen Schweiz. Danach zog er mit seinen Eltern nach Lugano, wo er zum ersten Mal mit Comics in Berührung kam.
Nach dem Umzug nach Hannover 1940 begann Wäscher nach Abschluss der Mittleren Reife eine Lehre als „Gebrauchswerber“ beim Bekleidungshaus Sältzer. Er war im Gebäude, als das Kaufhaus während der Luftangriffe auf Hannover ein Opfer der Fliegerbomben wurde. Wäschers Mentor jener Jahre wurde der Berufsschullehrer Henry Ostfeld. Wäscher studierte dann aber sieben Semester Gebrauchsgrafik an der hannoverschen Werkkunstschule. In dieser Zeit zeichnete er für die Stadt Hannover ein Heftchen zur Verkehrserziehung mit dem Titel „Der Herr Boll“.
Arbeit als Comiczeichner 1953 bis 1968
Von 1953 bis 1968 schuf Hansrudi Wäscher insgesamt 1124 Piccolo-Hefte, 405 Großbände und 44 Kolibri-Hefte – jeweils Innenteil und Titelbild (Ausnahme: Falk Piccolo 2. Serie, bei der die Titelbilder einer Seite im Innenteil entsprechen) sowie 53 Zeitungsseiten für „Harry, die bunte Jugendzeitung“. Für Nachdrucke seiner Serien und Comics anderer Autoren zeichnete er in dieser Zeit außerdem 537 neue Großband-Titelbilder und 365 neue Piccolo-Titelbilder.
Sigurd, Akim, Nick, Tibor, Falk
Während der 1950er Jahre arbeitete Wäscher für den Walter Lehning Verlag und schuf dort seine bekanntesten Comics: Sigurd, Falk, Tibor, Nick und andere, die überwiegend im Piccolo-Format (schmale Hefte im Querformat) erschienen und Auflagen bis zu einer Million Stück erlebten. Er führte auch die Serie Akim des italienischen Zeichners Augusto Pedrazza mit 196 Piccolo-Heften fort. Die Sigurd-Piccolo-Serie erschien bis 1960 mit insgesamt 324 Heften und erlebte ab 1958 eine Neuauflage (mit Auslassungen) mit 124 Heften im Großformat, die dann bis zur Nummer 257 mit neuen Abenteuern von Wäscher weitergezeichnet wurde. Später erschien auch ein Sigurd-Abenteuer als Hörspiel. In den 1960er Jahren waren die Hefte auch beliebte Einlagen in sogenannten Wundertüten. Der erste Band der Sigurd-Großband-Serie wird im Comic-Preiskatalog mit 700.- bis 6500.- EUR angegeben, je nach Zustand (Stand 2026). Auch andere Wäscher-Hefte erzielen teilweise hohe Preise. 2011 erschienen die Sigurd-Piccolo-Hefte als E-Book.
1955 erschienen von Wäscher im Titanus-Verlag zwei Hefte in der Science-Fiction-Serie Titanus und bei Lehning die Serie Gert, die allerdings nach 24 Ausgaben wieder eingestellt wurde. Von 1956 bis 1959 setzte Wäscher die Akim-Serie seines italienischen Kollegen Pedrazza mit Akim – Neue Abenteuer fort, die es auf insgesamt 196 Hefte brachte. Nach Akim, der Anleihen an Tarzan aufwies, zeichnete Wäscher in den 1960er Jahren die Dschungelabenteuer des Helden Tibor in 187 Piccolo-Heften, die später ebenfalls im Großformat nachgedruckt wurden. Zur gleichen Zeit arbeitete er an neuen Ritterabenteuern um den Helden Falk, von denen 164 Hefte bis 1963 erschienen. Auch Falk erlebte als Großbände eine Wiederauflage, um dann mit neuen Abenteuern ab der Nummer 86 bis zur Nummer 119 1967 zu einem Ende mit Abschluss geführt zu werden.
1967 begann Wäscher eine neue Großbandserie für den Lehning-Verlag mit dem Titel Roy Stark, von der 18 Bände erschienen. Kurz vor der Schließung des Verlages ließ Lehning Falk noch einmal mit neuen Abenteuern aufleben; die Serie wurde jedoch mitten in einer laufenden Geschichte mit Heft 17 abgebrochen.
Wäscher, von seinen Fans liebevoll „Der Meister“ genannt, arbeitete ab Mitte der 1980er Jahre fast nur noch für den Norbert Hethke Verlag, der sich auf den Nachdruck von Comic-Serien spezialisiert hatte. Dort erschienen alle seine Comics als Nachdrucke in verschiedenen Formaten. 1984 erschien Heft 197 der Serie Akim, mit dem Wäscher die Serie beendete, fünfundzwanzig Jahre nach dem zuletzt erschienen Heft 196. Ebenfalls für den Hethke zeichnete Hansrudi Wäscher Falk zu Ende: im Jahr 1988 wurden die Piccolo-Hefte Nr. 1–17 als Hethke Comic Gold Collection Nr. 1 und 2 im Albenformat neu aufgelegt. Im dritten Album erschien das neu gezeichnete Ende der Geschichte.
Für die Buchausgaben seiner Comics zeichnete Wäscher neue Titelbilder, ebenso wie für die „Sprechblase“, das Magazin des Hethke-Verlages. Im Laufe der Zeit erschienen auch wieder neue Abenteuer seiner alten Helden, zunächst in der „Sprechblase“. In diesem Magazin wurden außerdem Geschichten des neuen Helden Fenrir veröffentlicht. Die Serien wurden weitergeführt bis zum Tod Norbert Hethkes im Jahre 2007 und der nachfolgenden Schließung des Verlages. Die Hauptserien Sigurd, Nick, Falk und Tibor werden seitdem von verschiedenen Verlagen bis heute weitergeführt.
1993 wurde Wäscher mit dem Comic „Gewalttat“ als produktivster deutscher Comic-Zeichner in das Guinness-Buch der Rekorde aufgenommen. 2008 erhielt er auf dem Comic-Salon in Erlangen den Max-und-Moritz-Sonderpreis für seine Pionierleistung in der deutschen Comic-Geschichte. 2009 wurde ihm auf dem Comicfestival München für sein Lebenswerk PENG! – Der Münchner Comicpreis verliehen.
Am 7. Januar 2016 starb Hansrudi Wäscher im Alter von 87 Jahren in Freiburg im Breisgau.
Deutscher Fantasy-Preis 1999 „für seine Comicschöpfungen, mit denen er in der tristen Nachkriegszeit Licht in die Herzen der Kinder brachte“.
Hansrudi Wäscher erhielt 2008 den Max-und-Moritz-Preis, die bedeutendste deutsche Auszeichnung für Comic-Künstler auf dem Internationalen Comic-Salon Erlangen.
Zum Comicfestival München 2009 erschien eine Comic-Anthologie mit dem Titel Hommage an Hansrudi Wäscher – Pionier der Comics unter der Beteiligung von 42 deutschen Zeichnern. Dabei wurde Hansrudi Wäscher mit dem „PENG!“-Comicpreis für sein Lebenswerk ausgezeichnet.
Am 3. Juli 2025 wurde in Celle im Stadtteil Scheuen die Hansrudi-Wäscher-Straße eingeweiht.
auf dem Comic-Salon 2008 in Erlangen