Hans Gottlieb Widmer, auch Hans Widmer-Schoellhorn (* 8. August 1889 in Töss bei Winterthur; † 21. Mai 1939 in Töss), heimatberechtigt in Zürich und Winterthur, war ein Schweizer Mediziner und Politiker (Demokratische Partei).
Die Familie seines Vaters stammte ursprünglich aus Dietikon und war 1873 in Zürich eingebürgert worden, jene seiner Mutter aus Zürich-Hirlslanden.
Hans Widmer war der Sohn des Arztes und Bezirksarztes Franz Widmer (* 1856; † 1923) und dessen Ehefrau Maria Susanna (geb. Sieber) (* 1864; † 1943); er hatte mehrere Geschwister.
Im Juli 1917 heiratete er Hanna (* 1896; † 1983), die Enkelin von Johannes Sträuli und die Tochter des Unternehmers Fritz Schoellhorn und dessen Ehefrau Lilly (geb. Sträuli) (* 1868; † 1933), welche die Schwägerin des Stadtpräsidenten von Winterthur, Hans Sträuli war.
Aus seiner Ehe mit Hanna gingen drei Söhne hervor, zu denen auch der spätere Stadtpräsident von Winterthur, Urs Widmer, gehörte, der auch das Winterthur-Glossar ins Leben rief.
Hans Widmer wurde auf dem Friedhof Rosenberg in Winterthur beigesetzt.
Der Privatnachlass befindet sich heute im Stadtarchiv Winterthur (im Nachlass seines Sohnes Urs Widmer).
Hans Widmer besuchte die Kantonsschule (siehe Kantonsschule Rychenberg) in Winterthur und erwarb 1909 seine Matura.
Er immatrikulierte sich 1909 zu einem Medizinstudium an der Universität Zürich und hörte Vorlesungen unter anderem bei Emil Feer.
1912 setzte er das Studium 1912 an der Universität Heidelberg und der Universität Berlin fort. Er promovierte 1916 bei Emil Feer mit seiner Dissertation Die pneumonische Pseudoappendicitis bei Kindern zum Dr. med.
Nach Beendigung des Studiums wurde er 1915 Assistenzarzt am Kantonsspital Winterthur sowie später in Lausanne. Er betreute als Hilfsarzt Internierte in Klosters, bevor er 1918 in der väterlichen Arztpraxis in Töss tätig wurde und diese von 1919 bis 1930 in Töss übernahm und betrieb.
Politisches und gesellschaftliches Wirken
Als Mitglied der Demokratischen Partei war Hans Widmer von 1925 bis 1930 Mitglied im Grossen Gemeinderat von Winterthur.
1930 erfolgte, als Nachfolger des zurückgetretenen Hans Sträuli, seine Wahl zum Stadtpräsidenten von Winterthur; er blieb bis zu seinem Tod in diesem Amt. In dieser Funktion liess er sich die Verwaltung des Gesundheitsamtes übertragen und führte 1931 die öffentliche Krankenkasse ein. Diese Krankenkasse führte auf seine Weisung hin, den Selbstbehalt ein, sodass sie auch nur in Anspruch genommen wurde, wenn ein wirklicher Krankheitsfall vorlag; hierdurch wurde ein missbräuchlicher Bezug in Bagatellfällen vermieden. Das Bundesamt für Sozialversicherungen übernahm später diese Regelung und schrieb sie allgemein vor.
Während seiner Amtszeit als Stadtpräsident wurden nebst einer Krisenversicherung Familienzuschüsse, Winterhilfe und Wohnungsbeiträge eingeführt. Die Unternehmer erhielten Fabrikationszuschüsse und Exportgarantien. Notstandsarbeiten und Vorantreiben des Erstellens öffentlicher Bauten waren weitere Massnahmen, aus denen zum Beispiel das öffentliche Schwimmbad das Badi am Kanal in Töss hervorging.
Er war während der Weltwirtschaftskrise Initiant des ersten schweizerischen Berufslagers für arbeitslose Metallarbeiter in der Hard (siehe Spinnerei Hard) bei Wülflingen.
Unter seiner Leitung entstand 1931 in der Stadtbibliothek (siehe Winterthurer Bibliotheken) ein Schlagwortkatalog und ihr Bestand stieg von 120.000 auf 185.000 Bände.
Ihm verdankte der Kunstverein Winterthur (siehe Kunst Museum Winterthur – Beim Stadthaus), in dessen Vorstand er sass, dass Max Wassmer 1939 seine Kunstsammlung in einer öffentlichen Ausstellung im Schloss Bremgarten in Bern zur Verfügung stellte.