Hans Tilkowski (* 12. Juli 1935 in Dortmund-Husen; † 5. Januar 2020) war ein deutscher Fußballspieler und -trainer. Als Torwart absolvierte er von 1955 bis 1963 in der damals erstklassigen Fußball-Oberliga West bei Westfalia Herne 219 Ligaspiele und gewann mit Herne in der Saison 1958/59 die westdeutsche Meisterschaft. Von 1963 bis 1967 hütete er in 81 Bundesligapartien das Tor von Borussia Dortmund. Er gewann mit Dortmund 1965 den DFB-Pokal und 1966 den Europapokal der Pokalsieger. Am 19. Dezember 1956 stand er im Tor des zweiten Länderspiels der deutschen U-23-Nationalmannschaft gegen Belgien. Am 26. Februar 1958 kam er ebenfalls gegen Belgien zu einem weiteren Juniorenländerspiel.
Am 3. April 1957 debütierte Tilkowski in der A-Nationalmannschaft. Für sie bestritt er von 1957 bis 1967 39 Länderspiele. 1962 gehörte er bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Chile zum Kader, wurde aber nicht eingesetzt. 1966 wurde er mit dem DFB-Team in England Vizeweltmeister. 1965 wurde er zum Fußballer des Jahres gewählt. Tilkowski lehnte jegliches Showgehabe ab und agierte sachlich, mit perfektem Stellungsspiel und stets im Dienste der Mannschaft.
Tilkowski war der Sohn eines Bergmanns und wuchs in bescheidenen Verhältnissen im Dortmunder Stadtteil Husen auf. Die Familie wohnte in der Zechenkolonie direkt an der Bahnlinie Kamen–Dortmund in einem Achtfamilienhaus in der Westicker Straße 44. Unter der Obhut von Vater Johann und Mutter Martha erlebten die Kinder – neben Hans noch die Schwestern Brunhilde und Renate – eine Kindheit, die der spätere Nationalspieler trotz der materiellen Einschränkungen in guter Erinnerung hatte und an die er gerne zurückdachte. Mit elf Jahren trat er 1946 dem kleinen SV Husen 19 bei und stürmte zunächst im Angriff auf Rechtsaußen. In den entbehrungsreichen Nachkriegsjahren lernte er wie fast alle Kinder aus der Zechenkolonie „den sorgfältigen und sparsamen Umgang mit allem, was halbwegs genießbar war“. Lebensmittel waren in Tilkowskis Kindheit und Jugend für viele Menschen knapp. Bei der Sportausübung hatte man mit Mängeln in der Ausrüstung für das Fußballspiel wie auch mit den meist nur zufälligen Transportmöglichkeiten zu Auswärtsspielen zu kämpfen. Als bei einem Spiel der reguläre Torhüter fehlte, schickte ihn der Spielführer ins Tor und Tilkowski hatte damit seine Position gefunden. Von 1947 bis 1950 boxte er neben dem Fußball auch noch beim Boxring Kaiserau. Der junge Tilkowski brauchte viel Bewegung, freute sich auf jedes Training, jedes Spiel und jeden Wettkampf. In seiner Zeit beim SV Husen lernte er den dort spielenden jungen Alfred Preißler kennen. Die eigentliche Karriere im Fußball begann 1949 nach seinem Wechsel in die Jugend von SuS Kaiserau. Schon als Straßenfußballer spielte er mit Erich Pawlak (1954–1961: VfL Bochum, 131 Oberligaspiele/33 Tore), was sich in den Schüler- und Jugendmannschaften, dann in der 1. Mannschaft beim SuS Kaiserau und auch in der Westfalen-Auswahl fortsetzte. Der Sportplatz an der Jahnstraße in Kaiserau befand sich in unmittelbarer Nähe zu seinem Elternhaus; was aber für seine Leistungsentwicklung noch bedeutungsvoller war, er lag direkt neben der Sportschule des Fußball- und Leichtathletikverbandes Westfalen.
Den ehrgeizigen und lernwilligen Nachwuchstorwart zog es nun so oft wie möglich zur Sportschule. Sie wurde zu seinem zweiten Zuhause; ob zum Beobachten des Trainings der Oberligakeeper von Westfalia Herne, Schalke 04 und Borussia Dortmund, die vor bedeutenden Spielen in der Sportschule Quartier bezogen, oder zum täglichen Sondertraining durch den damaligen Verbandssportlehrer Herbert Widmayer und seinen damaligen Assistenten und späteren Nachfolger Walter Ochs. Tilkowski hielt rückblickend fest:
Ab dem 1. April 1950 fing seine Lehre als Stahlbauschlosser bei einem Bergbauzulieferer im benachbarten Kurl an. In dieser Phase wurde er zum ersten Lehrgang vom Westdeutschen Fußball-Verband unter Dettmar Cramer nach Duisburg eingeladen, wo er die Lehrmethodik von Bundestrainer Sepp Herberger erfuhr, die für ihn prägend wurde. In den Sportschulen erlernte er die technischen Grundlagen des Torwartspiels. Neben dem Torwarttraining nahm er aber auch immer am Mannschaftstraining teil, was er später als Profi beibehielt.
Ein prägendes Vorbild gab es für ihn nicht. Trotzdem imponierte ihm die Ruhe, die der WM-Torhüter von 1954, Toni Turek, ausstrahlte, sehr. Menschlich beeindruckt war er von seinem Nationalmannschaftsvorgänger Fritz Herkenrath, der für ihn insbesondere die Sachlichkeit im Torwartspiel, aber auch im zivilen Leben verkörperte. Ebenso war für Tilkowski der sowjetische Torhüter Lew Jaschin ein Mann, von dem man sich Details abschauen konnte, wie das auch später für Gordon Banks galt.
Im Sommer 1953 verlor der damals 17-jährige Tilkowski mit der A-Jugend von SuS Kaiserau zwar das Endspiel um die Westfälische Jugendmeisterschaft, wurde aber umgehend in die erste Mannschaft berufen, die in der Landesliga spielte. Fünfmal stand er im Tor der westfälischen Amateure und wurde auf diesem Weg auch für die Amateurnationalmannschaft des DFB interessant. Da er aber nicht bis nach den Olympischen Spielen 1956 in Melbourne Amateur bleiben wollte, verzichtete er im Jahr 1955 auf diese Berufung und überlegte, zu welchem Oberligaverein er zur Saison 1955/56 gehen sollte. Schalke wäre für ihn die Erfüllung eines Jugendtraumes gewesen, aber mit Manfred Orzessek stand bei den „Knappen“ ein nur schwer zu verdrängender Könner im Tor, und Tilkowski wollte nicht als Ersatzmann in die Oberliga wechseln. Gegen die weiteren Interessenten Preußen Münster, 1. FC Köln, VfL Bochum und den Wuppertaler SV entschied er sich aus sportlichen Gründen zugunsten von Westfalia Herne, wo er die besten Einsatzmöglichkeiten sah. Gleichzeitig kam mit Trainer Fritz Langner ein anerkannter Fachmann für das Torhütertraining sowie ein Mann, der auf den Nachwuchs baute, nach Herne.
Der junge Mann aus Dortmund-Husen lag mit seinen Erwartungen richtig. Langner schenkte ihm bereits am Starttag der Runde 1955/56, dem 27. August 1955, beim Auswärtsspiel gegen Schwarz-Weiß Essen das Vertrauen. Die Westfalia gewann bei der Mannschaft vom Uhlenkrug mit 2:1 Toren und der Neuzugang aus Kaiserau absolvierte an der Seite von Alfred Pyka, Werner Hesse, Kurt Sopart, Josef Bothe, Willi Overdieck, Günter Grandt, Helmut Benthaus und Gerhard Cyliax in seinem Debütjahr in der Oberliga West 26 von 30 Pflichtspielen. In den zwei nächsten Runden versäumte er nur ein Ligaspiel und war ein Hauptgarant dafür, dass sich die Mannschaft vom Stadion am Schloss Strünkede jeweils den Klassenerhalt sichern konnte. Bereits in seinem zweiten Jahr in Herne, 1956/57, spielte er sich in das Notizbuch von Bundestrainer Sepp Herberger. Am 3. November 1956 stand er das erste Mal im Tor einer DFB-Mannschaft. In Frankfurt hütete der junge Westfalia-Torhüter bei einem Testspiel gegen Eintracht Frankfurt das Gehäuse einer DFB-Auswahl. Vierzehn Tage später, am 21. November, debütierte der 21-Jährige beim Länderspiel in Zürich gegen die Schweiz in der B-Nationalmannschaft, ehe er mit dem Einsatz am 19. Dezember in Lüttich gegen Belgien in der Juniorennationalmannschaft U 23 das Jahr abschließen konnte. Im März 1957 schlossen sich zwei weitere B-Länderspiele an, ehe Tilkowski am 3. April 1957 in Amsterdam sein Debüt in der A-Nationalmannschaft beim Länderspiel gegen die Niederlande feiern konnte.
Herne wurde vor der Saison 1958/59 nicht zum Kreis der Meisterschafts-Favoriten gezählt. Dies schlossen die Ränge 13. (1955, 1956), 11. (1957) und 12. in der Runde 1957/58 objektiv aus. Daran änderte auch die Zugehörigkeit des jungen Nationaltorhüters sowie der zwei Mitspieler Alfred Pyka und Helmut Benthaus zum Team der Westfalia nichts. Titelverteidiger Schalke 04, Vizemeister 1. FC Köln, Fortuna Düsseldorf und Borussia Dortmund schienen für Herne sportlich nicht erreichbar. Mit dem imponierenden Wert von nur 23 Gegentreffern in 30 Ligaspielen – Tilkowski hatte kein Ligaspiel ausgelassen – verwies Herne die Verfolger 1. FC Köln, Fortuna Düsseldorf, VfL Bochum und Borussia Dortmund im Ligabetrieb aber auf die Plätze und holte mit sechs Punkten Vorsprung vor den punktgleichen Verfolgern aus Köln und Düsseldorf die Meisterschaft. Piorr hält unter anderem zu Tilkowski fest: „Der charismatische Torhüter war das Gesicht einer jungen Mannschaft, die Ende der fünfziger Jahre für Furore in der Oberliga West sorgte. Auch allgemein galt Hans Tilkowski, meist ganz in schwarz gekleidet und auf Fotos eine stoische Ruhe und Gelassenheit zwischen den Torpfosten ausstrahlend, als einer der Initiatoren des ,Wunders von Herne’“. Mitspieler Alfred Pyka erinnerte sich: