Hans Schwippert (* 25. Juni 1899 in Remscheid; † 18. Oktober 1973 in Düsseldorf; eigentlich: Johannes; in seiner Aachener Kunstgewerbeschul-Zeit auch „Hanns“) war ein deutscher Architekt, Städtebauer, Objektgestalter und Hochschullehrer des Wiederaufbaus in der westdeutschen Nachkriegsmoderne und seit 1930 Mitglied im deutschen Werkbund.
Hans Schwippert wuchs im Bergischen Land und Ruhrgebiet auf. Nach seinem Abitur am Realgymnasium Essen-Altenessen und Kriegsdienst an der Westfront studierte er ab 1919 Architektur, zunächst an den Technischen Hochschulen Hannover und Darmstadt, dann ab 1920 an der Technischen Hochschule Stuttgart. Dort schloss er sein Architekturstudium 1923 bei Paul Schmitthenner mit dem Diplom ab.
1924 ging Hans Schwippert nach Berlin. Er arbeitete im Bauatelier von Erich Mendelsohn und lernte 1925 Ludwig Mies van der Rohe kennen. 1926 beteiligte er sich am Wettbewerb Frauenfriedenskirche Frankfurt. 1927 baute er für seine Eltern ein Wohnhaus in Duisburg. Im selben Jahr holte Rudolf Schwarz ihn als Lehrer des Vorkurses und der Entwurfsklasse an die Werkkunstschule Aachen. Bis zur Schließung der Werkkunstschule Aachen durch die Nationalsozialisten im Jahre 1934 arbeitete Schwippert mit Schwarz und Johannes Krahn zusammen. Er entwarf Möbel, Einrichtungen, Ausstellungen. Er trat 1930 in den Deutschen Werkbund ein und baute zwischen 1934 und 1938 für seinen Bruder, den Bildhauer Kurt Schwippert, ein Atelierhaus in der Eifel sowie Wohnhäuser in Bad Godesberg, Aachen, Düsseldorf und Berlin. 1937 leitete er die Gestaltung der Deutschen Kapelle im Pavillon Pontifical auf der Weltfachausstellung Paris.
Ab 1935 bis 1946 übernahm Hans Schwippert Lehraufträge an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (RWTH Aachen). 1935 war er Assistent am Lehrstuhl für Freihandzeichnen, von 1936 bis 1946 Lehrbeauftragter für Werklehre, von 1938 bis 1943 Mitarbeiter an der (ersten) Deutschen Warenkunde (Kunstdienst Berlin). 1943 promovierte er über „Wertware und Werkkunde“ und habilitierte über „Von Werklehre und Werkerziehung“ an der RWTH Aachen.
Hans Schwippert war mit Edmund Sinn, Gerd Heusch, Kurt Pfeiffer und anderen einer von neun Bürgern, die von der amerikanischen Militärregierung im November 1944 zu „Bürgermeistern“ ernannt und als zivile Übergangsregierung in Aachen eingesetzt wurden. Unter Oberbürgermeister Franz Oppenhoff war Hans Schwippert bis zu dessen Ermordung im März 1945 für technische Bereiche in der kriegszerstörten Stadt zuständig. 1944 forderte er die notwendige Einheit von „Theorie und Praxis“ in dem gleichnamigen Text, der 1947 im Heft 1 von Baukunst und Werkform erschien und den Ulrich Conrads 2003 wieder veröffentlichte. Bereits 1945 sah er „in der angeblichen notwendigen Trennung der Arbeitsplätze von den Wohnplätzen ein Übel“. 1945 zog Hans Schwippert nach Düsseldorf. Er lenkte dort die Abteilung Wiederaufbau der Nordrhein-Provinz, ab 1946 das Wiederaufbauministerium des Landes Nordrhein-Westfalen.
1946 folgte Hans Schwippert dem Ruf als o. Professor auf den Lehrstuhl für Werklehre und Wohnbau der RWTH Aachen (1946–1961) und übernahm gleichzeitig den Neuaufbau der Lehre wie der Klasse für Baukunst an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf, der er als ihr Rektor von 1956 bis zu seiner Emeritierung 1966 internationales Ansehen verschaffte.
Hans Schwippert, der bis zu seinem Tode 1973 in Düsseldorf lebte, prägte insbesondere mit dem Bundeshaus Bonn (1949), der Viktorshöhe in Bad Godesberg (1949), dem Bundeskanzleramt im Palais Schaumburg (1950), dem neugestalteten Innenraum der wiederaufgebauten St.-Hedwigs-Kathedrale Berlin (1952–1963) und dem Wohnhochhaus im Hansaviertel Berlin die frühe Nachkriegsmoderne der Bonner Republik. Als Objektgestalter entwarf er Systemmöbel, Sakralgegenstände sowie Bestecke für C. Hugo Pott und stellte zusammen mit seinem Bruder, dem Bildhauer Kurt Schwippert, in der Galerie Lempertz Contempora Köln (Dezember 1969 bis Januar 1970) aus.
Schwippert war in erster Ehe, zwischen 1928 und 1934, mit der Tänzerin Lies Eisinger verheiratet, in zweiter Ehe seit 1950 mit der Schauspielerin Gerda Maria Terno, die sich nach Schwipperts Tod des Nachlasses annahm. Nach ihrem Tod 1995 übernahm das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg seinen Nachlass ins Deutsche Kunstarchiv.
Öffentliches Wirken und Auszeichnungen
1952 Leitungsausschuss des Darmstädter Gesprächs ‚Mensch und Technik (Erzeugnis, Form, Gebrauch)‘
1954 Verdienstkreuz des Deutschen Roten Kreuzes
1947–1963 Wiedergründung und Vorsitz des Deutschen Werkbundes
Ab 1949 Begründer und Mitherausgeber der Monatszeitschrift des Deutschen Werkbundes Werk und Zeit
Ab 1953 Mitbegründer und Präsidialmitglied des Rates für Formgebung
Ab 1954 Verwaltungsratsmitglied des Kulturkreises im Bundesverband der Deutschen Industrie
1955 Mitglied der Akademie der Künste Berlin
1957 Großer Staatspreis für Baukunst des Landes Nordrhein-Westfalen
1958 Officier de l’ordre Leopold Belgien