Hans Heinrich Georg Schemm (* 6. Oktober 1891 in Bayreuth; † 5. März 1935 ebenda) war ein deutscher Lehrer und Politiker. Er war NSDAP-Gauleiter der Bayerischen Ostmark, Reichswalter des Nationalsozialistischen Lehrerbunds (NSLB) und Bayerischer Kultusminister.
Herkunft, Ausbildung und Erster Weltkrieg
Hans Schemm wurde als zweiter von drei Söhnen des Konrad Schemm und der Babette Meyer in der Bayreuther Brautgasse geboren, wo seine Eltern eine Schusterei betrieben. Aufgrund der Beanspruchung der Eltern als Lieferanten des örtlichen Militärs wuchs er überwiegend bei seiner Großmutter auf. Sie weckte bei ihm das Interesse für Geschichte und Mythen. Er besuchte zunächst die Volksschule und von 1905 bis 1910 (drei Jahre Präparandenschule und zwei Jahre Seminarkurse) das Lehrerseminar an der Königlich-Bayerischen Lehrerbildungsanstalt Bayreuth. 1915 heiratete er die vier Jahre ältere – aus vermögendem Hause stammende – Baumeisterstochter Babetta Lorenzia Zeitler. 1917 wurde der Sohn Rudolf geboren.
Ab 1910 unterrichtete Schemm als Lehrer zunächst in Wülfersreuth, ab 1911 dann in Neufang und ab 1920 an der Altstadtschule, der späteren Hans-Schemm-Schule, in Bayreuth. Während seiner Zeit als Lehrer experimentierte er mit Chemikalien und arbeitete mit seinem Mikroskop. Er wurde 1911 vom Wehrdienst zurückgestellt und der Ersatzreserve zugeteilt. Am sechsten Mobilmachungstag (6. August 1914) wurde er „auf dringende Vorstellungen zuständiger Militärärzte“ als Krankenwärter beim Reservelazarett in Bayreuth eingesetzt. Im Winter 1915/16 infizierte er sich mit Tuberkulose, was wieder zeitweise zur Freistellung vom Wehrdienst führte. Die Glasplatte einer Aufnahme, die ihn in Sanitätsuniform zeigte, ließ er später vernichten, um den Makel, nicht „gedient“ zu haben, zu vertuschen.
Vom 18. April bis 6. Mai 1919 gehörte er dem Freikorps Bayreuth an. An der gewaltsamen Niederschlagung der Münchner Räterepublik am 2. Mai 1919 nahm er nicht mehr aktiv teil, weil er erst danach in München eintraf.
Schemm wurde im September 1920 Laborant eines bakteriologisch-chemischen Labors der Chemischen Werke Werchow in Thale (ehemals Sanatorium Hubertusbad), das jedoch bereits 1921 aus finanziellen Gründen schloss. Schemm, der sich zuvor wissenschaftlich mit chemisch-biologischen Fragen befasst hatte, kehrte wieder in den Schuldienst zurück. Nebenberuflich lehrte er zwischen 1921 und 1928 an der Volkshochschule. In den 1930er Jahren glaubte er an eine rasseneigene „Spezifität des Eiweißes“ und bezeichnete „artfremdes Eiweiß“ als Gift.
1923 trat Schemm der NSDAP bei und lernte beim Deutschen Tag am 30. September 1923 Adolf Hitler kennen. 1924 wurde er Beisitzer im Völkischen Bund Bayreuth. Am 27. Februar 1925 gründete Schemm die NSDAP-Ortsgruppe Bayreuth und im gleichen Jahr den Gau Oberfranken der NSDAP. Schemm baute die Organisation zielstrebig auf, wobei sich eine persönliche Rivalität zum Bayreuther SPD-Reichstagsabgeordneten Friedrich Puchta entwickelte. Im Januar 1926 wurde ihm bei der Eintragung in die Münchner Zentralkartei die Mitgliedsnummer 29.313 zugewiesen.
1928 wurde Schemm Mitglied des Bayerischen Landtags und daneben Leiter des Bezirks Franken der nationalsozialistischen Gesellschaft für deutsche Kultur. 1932 schied er aus dem Landtag aus.
Systematisch bereitete Schemm die örtliche NSDAP auf die Wahlkämpfe vor, zunächst für die Stadtratswahlen 1929. Die NSDAP erreichte neun Mandate, Schemm wurde Fraktionsvorsitzender. Der Einzug der NSDAP-Fraktion führte zu häufigen Tumulten und einer Prügelei, die durch das aggressive Verhalten der NSDAP-Mitglieder und insbesondere Schemms veranlasst waren.
Als Spitzenkandidat für Franken trat Schemm im 1930 bei einer Großveranstaltung der NSDAP-Ortsgruppe von Neustadt an der Aisch auf, zu der alle Lehrer des Bezirks eingeladen waren und Juden keinen Zutritt hatten.
1930 wurde Schemm Mitglied des Reichstags und blieb es bis zu seinem Tod.
Lehrerbund und Evangelischer Pfarrerbund
1929 gründete Schemm den Nationalsozialistischen Lehrerbund (NSLB), dem er als Reichswalter vorstand. Auf seine Initiative hin entstand im Rahmen des NSLB eine Arbeitsgemeinschaft von Geistlichen beider Konfessionen. Dies führte zur Bildung einer Arbeitsgemeinschaft nationalsozialistischer evangelischer Geistlicher, die sich ab Mitte 1931 Nationalsozialistischer Evangelischer Pfarrerbund (NSEP) nannte. Der „Lehrer“ Hans Schemm betätigte sich als Propagandist eines von diesem vertretenen sogenannten Positiven Christentums.
In einem postumen Spruchkammerverfahren wurde Schemm vom späteren bayerischen Landesbischof Hans Meiser gelobt, er habe eine „durchaus verständnisvolle und wohlwollende Haltung“ gegenüber der evangelischen Landeskirche gezeigt.
1928 und 1929 hatte Schemm die Leitung mehrerer nationalsozialistischer Zeitungen (Streiter, Weckruf und Nationale Zeitung) aufgrund seiner parlamentarischen Immunität übernommen, die er jedoch kurze Zeit später bereits wieder abgab, da es zu viele aufreibende Prozesse gab und sich die Redaktionen nicht immer an seine Anweisungen hielten. Im April 1929 gründete Schemm eine eigene Zeitung, ab August des gleichen Jahres erschien dann die Nationalsozialistische Lehrerzeitung, später benannt Der deutsche Erzieher. Reichszeitung, das Verbandsorgan des NS-Lehrerbundes. Am 1. Oktober 1930 erschien die von Schemm herausgegebene Wochenzeitung Kampf für deutsche Freiheit und Kultur, welche die Auflage von zunächst 3.000 Stück auf 20.000 Stück (1932) steigerte. In verbaler Radikalität stand Schemm Julius Streicher, dem Herausgeber des antisemitischen Hetzblatts Der Stürmer, nicht viel nach. Er sprach von „Geldschweinen und Bonzen“ sowie davon, dass „an jedem Laternenpfahl ein Jude baumeln sollte“. Am 21. Januar 1931 schrieb die Regierung von Oberfranken an die Stadt Bayreuth, „Der Kampf“ verschmähe kein Mittel des politischen Kampfes, seine Sprache sei geradezu unanständig.
1931 gründete Schemm den Nationalsozialistischen Kulturverlag Bayreuth, der ab dem 1. Oktober 1932 die Tageszeitung Das Fränkische Volk (Auflage 10.000 Stück) herausgab.
Schemm konnte 1933 die Gründung eines NS-Gaus Bayerische Ostmark durchsetzen, „Mark“ im mittelalterlichen Sinn als Kriegsgebiet und Barriere gegen die „Slawen“ verstanden. Gauhauptstadt wurde Bayreuth, das auch Sitz des NSLB war. Schemm, der inzwischen in Konkurrenz zu Julius Streicher den Titel „Frankenführer“ beanspruchte, und die Gauleitung förderten nun ein „Ostmark-Bewusstsein“ (z. B. durch Ostmarklied, Ostmarkstraße, Ostmarkverlag). 1942 wurde der Gau, der nach der deutschen Zerschlagung der Tschechoslowakei nicht mehr im Grenzgebiet lag, in „Gau Bayreuth“ umbenannt. Schemm gründete einen „Gauverlag Bayerische Ostmark“ mit Sitz in Bayreuth, durch den etliche regionale Blätter gleichgeschaltet und zentral gesteuert wurden. Bis 1942 trugen die Bezeichnung „Bayerische Ostmark“ neben dem Fränkischen Volk die Deggendorfer Zeitung, die Rottaler Zeitung, das Hofer Tagblatt, die Frankenwald-Zeitung, die Kulmbacher Rundschau, die Dingolfing-Landauer Zeitung, die Donau-Zeitung, der Regensburger Kurier, die Coburger Nationalzeitung und andere Tageszeitungen. Nur wenige davon konnten noch eine kurze Zeit eine gewisse Eigenständigkeit bewahren, bis sie wegen der Papierrationierung im Weltkrieg ihr Erscheinen ganz einstellten.
Der Gauverlag Bayerische Ostmark, ab 1942 „Gauverlag Bayreuth“, produzierte bis kurz vor Kriegsende eine große Anzahl Bücher, insbesondere auch Feldpostausgaben von Kleinschriften. Es erschienen nicht nur offensichtliche Propaganda-Schriften, sondern auch Bildbände über Städte der „Bayerischen Ostmark“, sowie welche zu Bulgarien und den eroberten Städten Prag und Krakau. 1939 zeigte der Verlag eine besondere Nähe zu Alfred Rosenbergs Kulturpolitik; z. B. erschien im März ein Auswahlband, der aus 9 Essays von 1938 in einer Literatur-Zeitschrift Bücherkunde, einem Organ des Rosenbergschen „Amts Schrifttumspflege“ bestand, sowie 3 weiteren. Beide Publikationen hatten den gleichen Herausgeber bzw. Hauptschriftleiter, Günther Stöve.