An diesem Tag

Hans Paasche

Deutscher Schriftsteller, Menschenrechtler und Pazifist

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Johannes Albert Ferdinand Paasche, genannt Hans Paasche (* 3. April 1881 in Rostock; † 21. Mai 1920 auf Gut Waldfrieden, spätere Grenzmark Posen-Westpreußen) war ein deutscher Marineoffizier und Publizist. Er engagierte sich in der Lebensreformbewegung, sowie im Bund Neues Vaterland gegen die deutsche Kriegs- und Kolonialpolitik. 1918 gehörte er für einige Wochen dem Vollzugsrat der Arbeiter- und Soldatenräte in Berlin an. Im Mai 1920 wurde Hans Paasche, erst 39 Jahre alt, auf seinem Gut Waldfrieden von Freikorpstruppen ermordet.

Herkunft und militärische Ausbildung

Hans Paasche wurde in eine großbürgerliche Familie geboren. Sein Vater Hermann Paasche (1851–1925), war Wirtschaftswissenschaftler und Mitglied der Nationalliberalen Partei und wurde 1912 Reichstags-Vizepräsident. Die Mutter Elise Paasche (1857–1943) verfasste einige konservative Schriften. Hans Paasche besuchte das Joachimsthalsche Gymnasium in Berlin. Am 10. April 1899 begann er auf eigenen Wunsch als Seekadett eine militärische Ausbildung zum Marineoffizier.

1904 war Hans Paasche für den Kleinen Kreuzer SMS Bussard als Dienstposten des Navigationsoffiziers im Dienstgrad Leutnant zur See (befördert am 27. September 1902) vorgesehen. Dazu verließ er Bremerhaven am 5. Mai 1904 auf dem deutschen Dampfer Main. Im Juni 1904 traf dieses in Colombo auf die Bussard und Paasche konnte seinen Dienst dort antreten. Die SMS Bussard war zu dieser Zeit als Stationär für die Ostafrikanische Marinestation vorgesehen und traf am 30. Juni in Daressalam in Deutsch-Ostafrika ein. Am 21. März 1905 wurde er zum Oberleutnant zur See befördert.

Als im August 1905 der Maji-Maji-Aufstand ausbrach, wurde die Bussard eingesetzt, um Truppen-Detachements der Marine bzw. der kaiserlichen Schutztruppe an der Küste abzusetzen, um die Küstenstationen zu schützen und die Aufständischen zu bekämpfen. Hans Paasche wurde dann selbst als Befehlshaber eines dieser Detachements in Mohoro abgesetzt und leitete hier auch Kämpfe gegen die Aufständischen. Er kämpfte am 18. August 1905 in der Nähe von Utete eine siegreiche Schlacht und tötete über 60 Rebellen, aber der Matrose Gramkau war gefallen. Am 21. August 1905 griffen der 24-jährige Paasche, seine Männer und weitere Askari in der Nähe von Kipo eine Gruppe von über 1.000 Rebellen am Nordufer des Flusses an. 75 Rebellen wurden in der Schlacht getötet, der Rest versuchte, auf die andere Seite zu schwimmen, ein großer Teil von ihnen ertranken. Hierfür erhielt er den Roten Adlerorden, IV. Klasse mit Schwertern und 1912 die Kolonial-Denkmünze mit Gefechtsspange.

Er erlebte Gerichtsprozesse gegen Anführer der Aufständischen und deren Hinrichtungen und wurde dabei innerlich zum Gegner der Todesstrafe. Es kam später auch zu Konflikten mit Mitoffizieren und Vorgesetzten, die die Kämpfe ausdehnen wollten, während er Gefechtsverluste auf beiden Seiten zu vermeiden versuchte.

Paasche hatte vor dem Einsatz eigens Kisuaheli erlernt, um sich besser mit den Einheimischen verständigen zu können.

Eine Malariaerkrankung beendete 1906 seinen Dienst in Afrika. Danach war er in Wilhelmshaven stationiert und diente in der II. Matrosendivision. Seinem dienstlichen Verpflichtungen oblag er fortan bewusst nachlässig und erhielt Anfang 1909 den erhofften Abschied.

Hochzeitsreise in Afrika und publizistische Tätigkeiten

1909 heiratete Hans Paasche Ellen Witting, die Tochter des Präsidenten der Nationalbank Richard Witting und Nichte des Publizisten Maximilian Harden. Die Hochzeitsreise führte beide ins östliche Afrika und an die Quellen des Weißen Nils. Ellen Paasche war wahrscheinlich die erste Europäerin, die dorthin gelangte. 1909/1910 lebte das Paar am Victoriasee. Beide schrieben über diese Reise das umfangreiche Manuskript Die Hochzeitsreise zu den Quellen des Nils, das vollständig verloren ging.

Um 1912 rief Hans Paasche gemeinsam mit Hermann Popert den reformerischen und abstinenten Deutschen Vortruppbund und dessen Zeitschrift Der Vortrupp. Halbmonatsschrift für das Deutschtum unserer Zeit ins Leben. Dort veröffentlichte er in mehreren Fortsetzungen 1912/13 den kulturkritischen fiktiven Reisebericht Die Forschungsreise des Afrikaners Lukanga Mukara ins innerste Deutschland.

In Vorträgen versuchte Hans Paasche Verständnis für Afrika und seine Menschen zu wecken. Schon seit 1910/11 hatte er (als Reserveoffizier) öffentlich für den Pazifismus geworben, was ihm 1913 ein militärisches Ehrengerichtsverfahren eintrug.

Im Jahr 1913 war er einer der Wortführer beim Ersten Freideutschen Jugendtag, einem Treffen der Jugendbewegung auf dem Hohen Meißner in Nordhessen. Er gehörte auch zu dem Kreis der Freunde um den Naturpropheten Gusto Gräser und war Mitglied in dem von Magnus Schwantje gegründeten Bund für radikale Ethik.

Im August 1914 meldete sich Hans Paasche freiwillig zur Marine zurück und wurde zunächst als Nachrichtenoffizier auf dem Leuchtturm Roter Sand eingesetzt. Im Juni 1915 wurde er zu einer Torpedobootflottille nach Wilhelmshaven versetzt. In dieser Phase entwickelte er sich zum kompromisslosen Antimilitaristen.

Die bei der Marine besonders ausgeprägte, von der Führung gewünschte und kultivierte Distanz zwischen Offizieren und Mannschaften wurde von Paasche demonstrativ unterlaufen. Er bemühte sich um eine bessere Verpflegung seiner Untergebenen, versuchte, ihnen neben dem Dienst eine Art kulturelles Leben zu ermöglichen und vertrat bei Vorgesetzten ihre Interessen. Als Paasche es ablehnte, das ihm übertragene Richteramt im Prozess gegen einen wegen „aufreizender Redensarten“ angeklagten Matrosen zu übernehmen und dies mit „Befangenheit zugunsten des Angeklagten“ begründete, wurde er im Januar 1916 aus dem Militärdienst entlassen.

Publizistische Tätigkeiten und Verhaftung

Er trat dem Bund Neues Vaterland bei und zog sich seitdem auf sein Gut Waldfrieden in der Provinz Posen zurück. Er schrieb weiter, im Rahmen der Zensur, gegen den Krieg. Mit den französischen Kriegsgefangenen, die Paasche zugeteilt worden waren, feierte er am 14. Juli 1917 den Jahrestag des Sturmes auf die Bastille und hisste auf dem Gutshaus die Trikolore.

Im Herbst 1917 wurde Hans Paasche wegen seiner Flugschrift Die Waffen nieder! und weiterer Aktivitäten verhaftet.

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