Hans Kammerlander (* 6. Dezember 1956 in Ahornach) ist ein italienischer professioneller Extrembergsteiger, -Skifahrer und Buchautor aus Südtirol.
Der Bergsteiger ist bekannt für seine Touren in unterschiedlichen Gebirgen der Welt. Neben zahlreichen Erst- und Solobegehungen in den Alpen hat er Berge Asiens und Südamerikas bestiegen, darunter zwölf Achttausender. Gemeinsam mit Reinhold Messner gelang ihm dabei die erste Doppelüberschreitung an Achttausendern: Gasherbrum II, direkt gefolgt vom Hidden Peak. Am Mount Everest versuchte er die erste komplette Ski-Abfahrt vom Gipfel, doch eine ungünstige Schneelage verhinderte eine vollständige Fahrt. Dazu hielt er von 1996 bis 2006 den Rekord für die schnellste Besteigung des höchsten Berges der Welt. Ab 2009 beteiligte er sich an dem Wettlauf um die erste Besteigung der Seven Second Summits, den letztlich Christian Stangl gewann. In Vorträgen, vorwiegend im deutschsprachigen Raum, berichtet er über seine bergsteigerischen Erlebnisse.
Hans Kammerlander wurde als „Nachzügler“ und sechstes Kind einer Bergbauernfamilie in Ahornach geboren und wohnt noch heute dort. Er wuchs als typisches Bergbauernkind auf, das morgens die Schule besuchen und den restlichen Tag auf dem Hof mithelfen musste. Als Hans zehn Jahre alt war, starb seine Mutter; daraufhin übernahm eine ältere Schwester die Mutterrolle.
Im Alter von acht Jahren bestieg er 1964 seinen ersten Berg. Nachdem er auf seinem Schulweg von einem Touristenpaar nach dem Weg zum Großen Moosstock (3059 m, in der Durreckgruppe) gefragt worden war, folgte er den beiden heimlich bis zum Gipfel. In den Jahren danach vermehrten sich die alpinen Unternehmungen Kammerlanders stetig. Sein Bruder Alois erfuhr 1971 von den zahlreichen, ziemlich waghalsigen Touren und meldete den mittlerweile 15-Jährigen zu einem Kletterkurs an, damit dieser „den Umgang mit dem Seil“ erlerne. Mit 16 Jahren begann Kammerlander auf den Baustellen des boomenden Südtirols zu arbeiten. Er trat 1973 dem Ahornacher Berglaufverein bei und betrieb diesen Sport wettkampfmäßig sechs Jahre lang. Auch seit Ende seiner aktiven Zeit macht er weiterhin Bergläufe, nun als Hauptbestandteil seines Trainings. Mit 18 Jahren begann Kammerlander eine Ausbildung zum Bergführer und Skilehrer im ersten Ausbildungskurs Südtirols und lernte dort seine späteren Seilpartner Hanspeter Eisendle und Friedl Mutschlechner kennen. Mit 21 Jahren durfte er 1977 die Prüfungen ablegen und war nach deren Bestehen staatlich geprüfter Berg- und Skiführer sowie Skilehrer. Jahrelang arbeitete Kammerlander nebenher für den örtlichen Bergrettungsdienst seiner Heimatgemeinde.
Kammerlander absolvierte eine Vielzahl an Klettertouren in den Alpen, darunter 50 Erstbegehungen (u. a. am Zweiten Sellaturm Fata Morgana oder Shit Hubert am Piz Ciavazes). Außerdem gelangen ihm 60 Alleinbegehungen bis zum VI. Schwierigkeitsgrad, beispielsweise an der Civetta, den Drei Zinnen, dem Heiligkreuzkofel und der Marmolata in den Dolomiten. In den Westalpen durchstieg Kammerlander die Nordwände von Matterhorn (1976), Grandes Jorasses und Eiger (1981), die zu den großen Nordwänden der Alpen zählen.
Kammerlander, der auch langjähriger Leiter der Alpinschule Südtirol (15 Jahre von 1988 bis 2003) war, wurde vor allem durch seine Besteigungen von 12 der 14 Achttausender im Himalaya und Karakorum bekannt, sieben davon gemeinsam mit Reinhold Messner. Im Jahre 1990 gelang ihm eine teilweise Skiabfahrt des Nanga Parbat, 1996 folgte die teilweise Skiabfahrt des Mount Everest mit Sherpa-Unterstützung im Lager 2 auf 7.700 m.
Kammerlander traf zweimal den Dalai Lama, ein erstes Mal im Jahr 2005 in Brixen und ein zweites Mal bei dessen Aufenthalt Anfang Dezember 2007 in Mailand. Er unterstützt Bildungsprojekte in Nepal und Energiehilfsprojekte in Kambodscha.
Hans Kammerlander ist geschieden und hat eine Tochter.
Am 26. November 2013 war Kammerlander bei Uttenheim in Südtirol in alkoholisiertem Zustand an einem Verkehrsunfall beteiligt, bei dem er selbst schwer und ein weiterer Verkehrsteilnehmer tödlich verletzt wurde. Zu dem genauen Unfallhergang wurden teilweise unterschiedliche Schilderungen veröffentlicht. Kammerlanders Manager Sigi Pircher intervenierte beispielsweise gegen die Darstellung der Tagesschau Rai.
Am 5. Februar 2015 schloss Kammerlander mit der Staatsanwaltschaft einen gerichtlichen Vergleich. Das Urteil lautete zwei Jahre Haft auf Bewährung und ein Jahr Führerscheinentzug wegen fahrlässiger Tötung und Alkohol am Steuer.
In der Zeit vor seinen Expeditionen im Himalaya war Kammerlander als Kletterer in den Alpen unterwegs. Zu seinen Touren gehörten auch zahlreiche Solobegehungen berühmter und schwieriger Wände:
Enchaînement der Nordwände von Ortler und Großer Zinne
1991 gelang Kammerlander das Enchaînement der Nordwände von Ortler (3905 m) und Großer Zinne (2999 m). Nach der tragischen Manaslu-Expedition von 1991 (siehe unten) war Kammerlander psychisch traumatisiert und hatte aufgehört bergzusteigen. Doch er löste seinem Neffen gegenüber ein Versprechen ein, das die beiden auf den Zwölferkofel in den Sextner Dolomiten führte. Durch die Tour fand Kammerlander zu seiner Bergbegeisterung zurück und konnte so im August einen zwei Jahre alten Plan verwirklichen. Innerhalb von 24 Stunden durchstieg er mit seinem Partner Hanspeter Eisendle die Nordwand des Ortlers, fuhr anschließend mit dem Rennrad 247 Kilometer von Sulden ins Höhlensteintal und durchkletterte zum Abschluss die Nordwand der Großen Zinne. Dabei überwanden sie knapp 1400 Höhenmeter am Ortler und 550 an der Großen Zinne. Unterstützt wurden sie auf der Radstrecke von zwei Freunden, die ihnen Windschatten spendeten.
Mit Reinhold Messner rund um Südtirol
Mit einer medienwirksamen Wander- und Klettertour über 1200 Kilometer entlang der Südtiroler Landesgrenze lenkten Kammerlander und Reinhold Messner im Herbst 1991 die öffentliche Aufmerksamkeit auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft Südtirols. Start- und Zielpunkt der Tour war die Salurner Klause, Südende und Sprachgrenze Südtirols. Sie legten ohne Ruhetag in 40 Tagen im Auf- und Abstieg 100.000 Höhenmeter zurück und erklommen 300 Gipfel. Als sich die beiden Bergsteiger in der Nähe des Tisenjochs in den Ötztaler Alpen befanden, war gerade der „Ötzi“ gefunden worden. Daraufhin statteten sie der Fundstelle einen Besuch ab.
Die vier Matterhorn-Grate in 24 Stunden
1992 setzte Kammerlander eine weitere „24-Stunden-Idee“ in die Tat um. Mit dem Schweizer Bergführer Diego Wellig bestieg er das Matterhorn (4478 m) an einem Tag über dessen vier Grate.
Der Start erfolgte um Mitternacht am Zmuttgrat, über welchen sie zum ersten Mal auf den Gipfel gelangten. Sie vervollständigten die erste Überschreitung über den Hörnligrat. Danach begingen sie den Furggengrat im Aufstieg und den Liongrat im Ab- sowie anschließend im Aufstieg. Komplettiert wurde die dritte Überschreitung durch den Hörnligrat-Abstieg. Dieser Grat diente auch als Route für die letzte Besteigung des Tages. Nach erneutem Erreichen des Gipfels kehrte das Duo um 23:30 Uhr auf die Hörnlihütte zurück.