Hans Jucker (* 11. Januar 1946 in Zürich; † 19. Februar 2011 in Affoltern am Albis) war ein Schweizer TV-Sportreporter, TV-Moderator und verurteilter Sexualstraftäter. Bekannt wurde er durch seine Kommentare im Schweizer Fernsehen.
Hans Jucker wuchs im Ortsteil Albisbrunn der Gemeinde Hausen am Albis auf. Seine Eltern arbeiteten dort im Landerziehungsheim Albisbrunn für «schwererziehbare» Jugendliche. Im Jahr 1964 wurde Jucker in Aeugst am Albis zum jüngsten Gemeindeschreiber der Schweiz gewählt. Da er aber noch nicht volljährig war, mussten die Dokumente von seinem Vater unterzeichnet werden. Zudem war Jucker Präsident des Vereins Ja zur N4, der sich für den Bau der Autobahn A4 durch das Säuliamt einsetzte.
Seinen ersten Fernsehauftritt hatte Jucker im März 1965, als er den Björnstad-Gedenklauf am Gantrisch kommentierte. Bis zu seiner Pensionierung Ende Januar 2011 kommentierte er für das Schweizer Fernsehen als Allrounder fast alle Sportarten, hauptsächlich Veranstaltungen im Radsport, Reiten, Boxen, in den 1980er und 1990er Jahren auch im alpinen Skisport. Er berichtete von 13 Olympischen Spielen und 25 Ausgaben der Tour de France. Insgesamt kommentierte er über 10'000 Stunden live. Er galt als Reporterlegende beziehungsweise als Kult-Kommentator.
Politisches und Vereins-Engagement
Jucker war von 1982 bis 1998 für die FDP im Gemeinderat in seiner Wohngemeinde Affoltern am Albis, ihm unterstand die Polizeiabteilung. Zudem führte er in der Ortschaft das «Arche-Pub». 14 Jahre lang betätigte er sich in seiner Freizeit als Fussballschiedsrichter. Mehrere Jahrzehnte prägte und gestaltete er die Vereinsarbeit des FC Affoltern am Albis. 1976 wurde er aufgrund seiner Verdienste zum Ehrenmitglied und 2007 zum Ehrenpräsidenten des Clubs ernannt.
Erst im November 2026, mehr als 15 Jahre nach Juckers Tod, wurde öffentlich bekannt, dass er 1971 wegen sexueller Handlungen mit fünf Jugendlichen aus dem Heim Albisbrunn zu acht Monaten Gefängnis bedingt verurteilt wurde. Einer der betroffenen Jungen war unter 16 Jahre alt. Insgesamt ist die Rede von rund 20 Vorfällen zwischen 1969 und 1971. Vor Gericht zeigte sich Jucker nicht reuig und sagte aus, die Heimkinder seien «ohnehin schon moralisch angeschlagen.»
Juckers Verurteilung war in seinem Umfeld bekannt, und das Gericht entzog ihm das Amt als Gemeindeschreiber. Dennoch stand sie seiner späteren Karriere als Moderator und Gemeinderat nicht entgegen. Der dörfliche Zusammenhalt und Juckers gewinnende Persönlichkeit halfen ihm dabei, negative Konsequenzen zu vermeiden.
Christa Gross, die Partnerin eines von Juckers Opfern, Willi Fegble, arbeitete dessen Geschichte im biografischen Roman Ich bin ein Unfall auf. Die Übergriffe auf Fegble waren nicht Gegenstand des Urteils von 1971. SRG-Generaldirektorin Susanne Wille kündigte nach den Medienberichten über Juckers Verurteilung eine externe Untersuchung der Rolle des Schweizer Fernsehens an.
Drei Wochen nach seiner Pensionierung erlag Jucker im Alter von 65 Jahren einem Herzinfarkt.