Hans Joachim von Zieten, genannt Zieten aus dem Busch (* 14. Mai 1699 in Wustrau, Ruppiner Land; † 27. Januar 1786 in Berlin), war ein preußischer General der Kavallerie unter Friedrich dem Großen. Er kämpfte in den Schlesischen Kriegen und siegte in der Schlacht bei Hohenfriedberg. Zieten gehört zu den bedeutendsten Feldherren seiner Zeit.
Zieten, seltener auch Ziethen – die französisierte Namensform lehnte er ab –, kam als drittes von insgesamt sieben Kindern des Landedelmannes Joachim Matthias von Zieten und seiner Ehefrau Ilsabe Catharina, geb. von Jürgas auf Gantzer/Herrschaft Ruppin, zur Welt. Die Familie lebte in bescheidenen Verhältnissen, weshalb Zieten sein Geburtshaus später als eine „Kaluppe“ bezeichnete.
Seit er neun Jahre alt war, interessierte sich der Junge für das im Nachbarort Neuruppin stehende Militär. Auf sein Drängen erreichten seine Eltern 1715 beim Kommandierenden Generalmajor Johann Siegmund Freiherr von Schwendy, Gutsherr auf Buskow/Herrschaft Ruppin, den Eintritt ihres Sohnes als Freikorporal in das Ruppiner Regiment der Gelben Kürassiere. Als Zietens Vater 1720 starb, fiel Wustrau Zieten und seinen drei Schwestern zu. Das Gut war zu 8000 Talern geschätzt, wovon der Unterhalt der Mutter gesichert und die Erbteile der Schwestern ausgezahlt wurden. Der junge Zieten übernahm außerdem die seit Jahren geführten gerichtlichen Auseinandersetzungen des Vaters für die Erweiterung und Nutzung von Grundstücken, die er alle in den 1750er Jahren erfolgreich beendete.
Im Dienste Friedrich Wilhelms I.
Am 7. Juli 1722 wurde Zieten Fähnrich. Als im Januar 1723 von Schwendy seine Kommandantenstelle an den späteren Feldmarschall Curt Christoph Graf von Schwerin abgab, beschrieb er Zieten in einem Bericht an König Friedrich Wilhelm I. in Preußen wie folgt: „… ist gar klein und von schwacher Stimme für das Commandiren.“ Das genügte dem König, um Zieten trotz all seiner Fähigkeiten bei den Beförderungen ständig zu übergehen. Am 28. Juli 1724 entwich Zieten heimlich von Crossen/Neumorle, wo sein Regiment garnisoniert war, mit einem Gesuch um Beförderung an den König nach Berlin. Dieser notierte daraufhin am Rande des Gesuches: „… soll seine Dimission haben“. Sein ungenehmigter Ausritt nach Berlin hatte die Entlassung aus dem Militär zur Folge, und er zog sich auf sein Gut in Wustrau zurück.
1725 erfuhr Zieten während eines Aufenthaltes wegen einer gerichtlichen Anhörung in Berlin von der Verdoppelung des Dragonerregiments „von Wuthenow“ in Insterburg und erlangte bei diesem im August 1726 eine Anstellung als Oberleutnant. Am 14. September 1729 ließ der König ihn wegen ständiger Händeleien mit seinem Rittmeister arretieren, ab dem 1. April 1730 auf der Festung Spandau.
Friedrich Wilhelm hatte 1730 eine Ehreneskorte mit leichter Reiterei begründet; wiederum bemühte sich Zieten um den Wiedereintritt in das königliche Militär, was auf Empfehlung von Wilhelm Dietrich von Buddenbrock und Adam Christoph von Flanß am 8. Oktober 1730 mit dem Eintritt in das Berliner Husarenkorps als Stabsrittmeister gelang. Am 1. März 1731 wurde in Beelitz eine zweite Kompanie der Husaren aufgestellt und Zieten am 1. Mai 1731 zu ihrem Chef sowie zum Rittmeister mit 50 Talern Monatsgehalt befördert. 1735 sandte der König Zieten mit seiner Husarenkompanie zum Reichsheer an den Rhein; seit 1734 befand sich Preußen inmitten der europäischen Auseinandersetzungen um die polnische Erbfolge. Der österreichische Husarenoberstleutnant der Kaiserlichen Armee, von Baronay, späterer General der Kavallerie, wurde sein Ausbilder. Zu bedeutenderen Kriegshandlungen kam es für Preußen nicht, und so bat Zieten schließlich um eine Prüfung seines Kommandos. Baronay stellte ihm die Aufgabe, nach eigener Überlegung und Anordnung den Feind zu umgehen und anzugreifen. Dieses Manöver wurde so geschickt ausgeführt, dass Baronay dem König sehr lobend über Zietens Qualitäten der militärischen Planung und der Tapferkeit berichtete; dessen nächste Beförderung zum Major erfolgte am 29. Januar 1736. Während des Ersten Schlesischen Krieges machte Zieten in Rotschloß zahlreiche Angehörige eines österreichischen Kavallerieregimentes zu Gefangenen, unter denen sich auch sein früherer Ausbilder von Baronay befand. Die später so genannte „Rotschloß-Affäre“ führte 1741 zur höchsten preußischen Auszeichnung, dem Orden Pour le Mérite, und noch heute erinnert eine Tafel am Zieten-Denkmal auf dem Berliner Wilhelmplatz daran.
Seit der Rückkehr vom Rhein war Zieten im Leibkorps Husaren dem Kommando des Oberstleutnants Ludwig Alexander von Wurmb unterstellt. In der Garnison herrschte zwischen beiden ein stetiger Streit, der 1739 zu einem Duell führte; beide trugen erhebliche Verletzungen davon. Dass dies ohne Folgen blieb, war nur der Tatsache zu verdanken, dass König Friedrich Wilhelm I. schwer erkrankt war.
Der junge Husarenoffizier entwickelte trotz des Spotts, den er wegen seiner kleinen Gestalt und der vielen gesundheitlichen Probleme wie langanhaltender Kopfschmerzen und Gicht oft über sich ergehen lassen musste, ein starkes Selbstbewusstsein, das ihn auch in späteren Kontroversen z. B. mit dem Monarchen nicht verließ. Nach den verschiedenen Scharmützeln unter Friedrich Wilhelm I. wurde er zum Rittmeister befördert. Er zeigte eine solide Dienstauffassung bei starker protestantischer Religiosität. Zieten lehnte die gebräuchliche Prügelstrafe kategorisch ab und glänzte gerade als Zuchtmeister der stets unkonventionellen Husarentruppe durch maßvolle Strenge und Fairness. Das traf auch auf den Gutsherrn Zieten zu, der die Jahre im Anschluss an den Siebenjährigen Krieg mit der Pflege seines Anwesens bei Neuruppin zubrachte. Schließlich zeichnete den weniger tollkühnen als besonnenen Taktiker in Krieg und Frieden ein eher gleichrangiges, feinfühliges und in gegenseitigem Respekt bestehendes Verhältnis zum König aus.
1741 brach der Erste Schlesische Krieg aus, in den Zieten als Major und Eskadronchef zog. Am 10. Mai 1741 zeichnete er sich in einem Gefecht mit den Österreichern zwischen Strehlen und Nimptsch aus. Dafür wurde er zum Oberstleutnant im Leibhusarenregiment (später H 2) befördert. Schon am 22. Juli dieses Jahres wurde er Oberst und bekam ein eigenes Husarenregiment, das in der preußischen Heerestradition bis 1918 bestehen sollte. In den Winterquartieren 1741/42 beschäftigte sich Zieten mit der Arbeit an der Reorganisation der preußischen Reiterei.
Im Juli 1744 erfolgte in Preußen erneut Mobilmachung, und am 10. August erklärte das Königreich Preußen der Habsburgmonarchie den Krieg. Zieten rückte mit der Avantgarde des preußischen Heeres in Böhmen bis nach Budweis vor. Bei Moldauthein konnte der mit dem Generalmajor-Patent vom 1. Februar 1744 ausgestattete Zieten mit seinem rotuniformierten, bis ins 20. Jahrhundert hinein bekannten Husarenregiment Nr. 2 am 9. Oktober erstmals in eigener Regie eine größere gegnerische Streitmacht besiegen. Zieten deckte den Rückzug hinter die Elbe und geriet am 12. Oktober in ein heftiges Gefecht bei Moldauthein. Am 20. Mai 1745 zeichnete er sich durch eine gewagte nächtliche Durchquerung eines österreichischen Korps von 20.000 Mann mit seinem Regiment bei Jägerndorf in Schlesien aus, der als „Zietenritt“ in die Kriegsgeschichte einging, weil er die Vereinigung der königlichen Hauptarmee mit dem Korps des Markgrafen Karl von Brandenburg-Schwedt ermöglichte. Bei Hohenfriedberg konnten sich die Zietenhusaren am 4. Juni erstmals in einer großen Schlacht bewähren. Am 23. November rieben seine Regimenter in einem Überraschungsangriff bei Katholisch-Hennersdorf in Sachsen ein zahlenmäßig unterlegenes kursächsisches Kontingent auf. Seitdem nannten die Zeitgenossen ihn respektvoll den „Zieten aus dem Busch“.
Der Dresdner Frieden vom 25. Dezember 1745 beendete den Krieg. Es begann wieder der Alltag des militärischen Dienstes, der Zieten nicht immer Freude bereitete; zeitweise fiel er beim König deshalb in Ungnade, der ihn seiner Ansicht nach nicht ausreichend förderte und der seinerseits die allzu lasche Disziplin der Husarentruppe bemängelte. Über lange Jahre hinweg sonderte sich Zieten vom Hofe ab und grollte auf seinem Landgut dem Monarchen. Den erbetenen Abschied erhielt er jedoch nicht. Im Gegenteil: 1747 bewilligte der preußische Monarch, Friedrich II. in Preußen, seinem Getreuen Materialien und Gelder für dessen beabsichtigten Ausbau des Gutshauses in Wustrau. Ein attraktives Wohnhaus, das der Generalmajor sein Prachtschloss nannte, mit Park und Landwirtschaft wurde bis 1750 errichtet; das alte Geburtshaus Zietens wurde als „Kavalierhaus“ mit einbezogen und umgebaut.