An diesem Tag

Hans Jürgen von der Wense

Deutscher Schriftsteller, Übersetzer, Komponist und Universalgelehrter

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Hans Jürgen von der Wense (* 10. November 1894 in Ortelsburg/Ostpreußen, heute Szczytno; † 9. November 1966 in Göttingen) war ein deutscher Schriftsteller, Übersetzer, Fotograf, Künstler und Komponist.

Hans Jürgen von der Wense entstammte väterlicherseits dem niedersächsischen Adelsgeschlecht derer von der Wense. Sein Vater August von der Wense (* 1854; † 1902 in Schwerin) war als Offizier in Ortelsburg stationiert. Die Mutter Luise (1870–1951), geb. Freiin von Nettelbladt, stammte aus dem im Raum Rostock ansässigen Patrizier- und Freiherrengeschlecht von Nettelbladt und war eine Tochter von Ferdinand von Nettelbladt.

Hans Jürgen von der Wense wuchs nach dem durch einen Reitunfall verursachten Tod seines Vaters am 2. August 1902 und der anschließenden Einweisung seiner Mutter 1903 in die Psychiatrie-Kliniken Gehlsheim in Rostock und dann in Hamburg-Eppendorf bei den Strömer Tanten in Rostock auf. Von 1904 bis 1907 besuchte Wense die Schule in Rostock und in Bad Doberan. Erst ab 1907 fand er in einer Schülerpension in Doberan einen Heimatort. Hier besuchte Wense das Friderico-Francisceum Gymnasium, wo er im März 1914 das Abitur erlangte. 1914 siedelte er nach Berlin um, wo er zunächst Maschinenbau und Nationalökonomie, später Philosophie und Rechtswissenschaften zu studieren begann, das Studium aber schon nach kurzer Zeit abbrach. Er arbeitete dann in einer Berliner Buchhandlung. Während des Ersten Weltkrieges wurde er im Herbst 1915 zum Militärdienst eingezogen. Er entdeckte für sich Hector Berlioz, lernte Lateinisch und Dänisch und begann zu dichten. Ab 1916 wurde er wegen seines schwächlichen Gesundheitszustandes als Schreiber in einem Schweriner Artilleriedepot eingesetzt. 1917 veröffentlichte er fünf Gedichte und einen kleinen Prosatext in Franz Pfemferts Aktion. 1919 erschien ein ästhetisches Manifest mit dem Titel Die Abschaffung der Musik im Kunstblatt von Paul Westheim. 1918 wurde Wense als wissenschaftlicher Hilfsbibliothekar an die Generalstabsbibliothek nach Berlin versetzt.

Er unternahm Versuche in Atonaler Musik und komponierte avantgardistische Musik wie Komposition für Singstimme, Blechsieb und Orchester. Seine Erlebnisse in der Münchner Räterepublik während der Novemberrevolution sowie dem Spartakusaufstand in Berlin 1919 beschrieb Wense in einem Tagebuch. In dieser Zeit lernte er Georg Kaiser, Clara Zetkin, Erich Heckel, Leo Spies und Walter Spies kennen. 1920 ging Wense wieder nach Berlin, wo er sich mit Artur Schnabel und Hermann Scherchen befreundete und an dessen Musikzeitschrift Melos mitarbeitete. Er pflegte Brieffreundschaften zu den Komponisten Ernst Krenek und Eduard Erdmann sowie zu den Schriftstellern Georg Kaiser und Heinrich Hauser und gehörte zu dem Kreis junger Intellektueller um den Stummfilm-Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau. Eduard Erdmann führte 1920 fünf Klavierstücke Wenses in Berlin auf.

1919 lernte Wense die Bildhauerin Hedwig Jaenichen-Woermann kennen, die ihn über zwanzig Jahre mit einer monatlichen Apanage von 222 Mark und 22 Pfennigen unterstützte.

1920 zog Wense nach Warnemünde um, lernte Italienisch, sammelte ossetische Volkslieder, reiste mit Walter Spies in den Taunus, besuchte Arthur Schnabel und Paul Klee und arbeitete an den Kompositionen Hávamál aus der Edda. Er begann sein Projekt Wetterbücher. In Melos veröffentlichte er einen Essay über den Dirigenten Arthur Nikisch.

1921 erlebte Wense in Warnemünde ein Nordlicht und begann sein „zweites Leben“. Er begann altirische, altisländische, ägyptische Studien, erfand Horoskope und wendete sich dem musikalischen Neoprimitivismus zu. Er pendelte zwischen Warnemünde und Berlin.

Wense arbeitete 1922 an seinen Aphorismen, die er Fragmente nannte. 1922 trat er mit eigenen sechs Liedern beim Fest Neuer Tonkunst in Donaueschingen auf. Sein Beitrag wurde ambivalent aufgenommen. Wense pendelte in dieser Zeit zwischen Berlin, Wustrow und Warnemünde.

Er lernte ab 1924 Chinesisch, um Laozi zu übersetzen, und viele weitere Sprachen wie Arabisch, Dänisch, Sanskrit, Altirisch, Suaheli, Syrisch und Walisisch.

1925 unterhielt er eine Liebesbeziehung zu Heinrich Dannehl, reiste nach Österreich und an den Rhein. 1926 reiste er in die Schweiz, begann seine Arbeiten am Konfuzius und pendelte zwischen Berlin, Warnemünde und dem Wohnort Heinrich Dannehls in Leipzig. Mit Dannehl reiste er nach Bayreuth, Prag und Wien. 1926 schloss er seine Übersetzungen zu Lau Dan und Dschou Dsi ab.

1927 arbeitete er an astrologischen Themen und begann die Übersetzung der Lieder von der Insel Yap und der Lieder der Ewe. 1928 übersetzte er die Malta-Lieder. 1929 schloss er die Lieder von Yap ab, arbeitete an den Uitoto- und Kágaba-Mythen und an den Fragmenten. Er collagierte Bilderbücher, reiste nach Paris, Prag, Triest und Königsberg.

1930 besuchte Wense Wien, Brünn und Prag. Er zog nach Hamburg, anschließend nach Schwerin, Wustrow und schließlich nach Blankenese. 1931 zog er nach Lübeck. Er arbeitete am Südseebuch und den Fragmenten; er begann eine Welt-Laut-Schrift. Am 6. Mai 1932 verließ Wense seinen von Lübeck kommenden Zug in Karlshafen, übernachtete dort und blieb zunächst, von der Warburger Börde mit dem Desenberg beeindruckt, dort wohnen.

Kassel – Herumwandern statt Emigration

Kurz darauf zog Wense nach Kassel. 1933 wanderte er im Eichsfeld, arbeitete am Hessen-Buch und begegnete erstmals seinem Brieffreund Erwin Schliephake. Wense wanderte an der Diemel, nach Brilon, Marsberg, Paderborn und Gierskopp. Ab Anfang der 1930er Jahre ging er als Wanderer und Seismograph der „Fieberlinien“ in das hessische Mittelgebirge.

Ab 1932 widmete sich Wense der Landschaftsphotographie. 1935 erlitt er seine erste Depression. 1936 zog er für fünf Monate nach Braunschweig zu Eddy Esche, anschließend hielt er sich wieder in Karlshafen auf. Es folgte die erste Wanderung in den Harz. 1937 wanderte er im Kreis Wittgenstein, Soest, Paderborn, dem Diemeltal und Limburg und besuchte das ehemalige Reichskammergericht in Wetzlar. Wense lebte kurzzeitig in Lübeck, dann in Schwerin, und machte einen Abstecher nach Kopenhagen. 1939 besuchte er Dresden, begann seine Arbeit über den Schweizer Uhrmacher Jost Bürgi und erlebte nach dem ersten Fliegeralarm in Kassel somatische Schreibprobleme. 1940 wanderte Wense im Vogelsberg und dem Westerwald. 1941 reiste er an den Rhein.

Mangels festem Wohnsitz, den er 28-mal wechselte, entging er dem Nazi-Erfassungsnetz. Auswandern umging er durch Herumwandern.

Wense zog 1940 schließlich nach Göttingen. Während des Zweiten Weltkriegs wurde Wense nicht zum Militärdienst eingezogen, er musste aber seit 1943 Kriegsersatzdienst als Abteilungsleiter in einer Radiosondenfabrik des Siemenskonzerns der Physikalischen Werkstätten in Göttingen leisten. Er reiste nach Trier und Luxemburg. 1944 lernte er seinen Brieffreund und späteren Herausgeber Dieter Heim während seiner Tätigkeit bei den Physikalischen Werkstätten (Göttingen) kennen.

1945 wurden fünf Lieder Wenses in Göttingen uraufgeführt. 1947 begann Wilhelm Niemeyer seinen Briefkontakt mit Wense, der ihn 1949 in Hamburg besuchte. 1950 wanderte Wense im Reinhardswald. 1952 wanderte er um Paderborn, Erwitte, Geseke, in Lippstadt, Soest, Höxter und Bad Pyrmont. 1953 wanderte Wense um Lügde, am Vogelsberg, in Lippe, um Detmold, Bad Pyrmont, Lemgo, Pömbsen, Höxter, Bevern, Bad Driburg und Altenbeken.

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