Hans Heinrich Julius Hass (zuvor Haß, * 23. Jänner 1919 in Wien; † 16. Juni 2013 ebenda) war ein österreichischer Zoologe und Meeresforscher, der vor allem durch seine Dokumentarfilme über Haie und seinen Einsatz für den Umweltschutz bekannt wurde.
Hans Hass, noch in den 1950er Jahren „Haß“ geschrieben, wurde als Sohn des Rechtsanwalts Hans Hugo Raimund Vincenz Haß (* 18. Mai 1879 in Wien; † 1954) und dessen Ehefrau Meta (eigentlich: Margaretha Antonia Josefine Haß; geborene Brausewetter; * 16. Juni 1890 in Wagram bei Leobersdorf; † 4. Februar 1944 in Wien), in Wien geboren und am 13. April 1919 in der Wiener Votivkirche auf den Namen Hans Heinrich Julius getauft. Seine Eltern hatten am 2. Dezember 1917 in der Pfarre Kottingbrunn geheiratet.
Seine Mutter war die Tochter von Charles Brausewetter (auch: Carl (auch Karl) Natango Brausewetter; * 14. Oktober 1857 in Wagram), Betreiber der Ersten oesterreichischen Terrakotta (Tonwaren) Fabrik zu Wagram bei Leobersdorf an der Südbahn Victor Brausewetter, und dessen Ehefrau Pauline „Paula“ Maria (geborene Pelz; * 26. Oktober 1869 in Wien; ab 1879: Pelz von Felinau). Nach dem Tod seiner Ehefrau im Jahr 1944 heiratete der Vater am 22. September 1948 standesamtlich in zweiter Ehe.
Hass besuchte das Theresianum in Wien und schloss die Schule 1937 ab. Prägend für sein Interesse an der Meeresbiologie war seine Maturareise 1937 an die französische Riviera mit Unterwasserjagden und Unterwasserfotografie.
1939 organisierte Hans Hass eine Reise nach Curaçao und Bonaire (niederländische Kolonien) mit seinen Freunden Alfred von Wurzian und Jörg Böhler. Dort drehte er seinen ersten Film, bei dem er erstmals die freischwimmende Filmmethode verwendete. Da inzwischen der Zweite Weltkrieg begonnen hatte, kehrten die drei Freunde über die Vereinigten Staaten, Japan, China und die Sowjetunion – 1939/1940 noch nicht in den Krieg involviert – ins (Groß-)Deutsche Reich zurück.
Wegen einer Gefäßkrankheit der Füße (Raynaud-Syndrom) wurde Hans Hass bei Kriegsausbruch nicht zur Wehrmacht eingezogen; beim Marschieren reduziert sich die Durchblutung der Füße in gefährlicher Weise. Ab Herbst 1940 besaß er für die Produktion von Unterwasser-Dokumentarfilmen als sogenannter „unabhängiger Produzent“ über die UFA den Status „unabkömmlich“, was ihn bis Kriegsende vom Militärdienst bewahrte.
Nach der Karibik-Expedition und ersten Fachartikeln stieg Hass 1940 vom Studium der Rechtswissenschaften auf Zoologie um. Eine weitere Expedition führte ihn 1942, ein Jahr nach der Besetzung Griechenlands, in die Ägäis zur Pilion-Halbinsel, zu den Nördlichen Sporaden und nach Santorin. Mit dabei war erstmals auch Alfons Hochhauser, der als Ortskundiger, Dolmetscher und Fischerei-Experte unentbehrlich war. Hass erprobte dabei ein neues Regenerations-Tauchgerät und nutzte es in Verbindung mit Flossen erstmals für das Schwimmtauchen. Er setzte zum Anlocken von Haien auch das illegale Verfahren der Dynamitfischerei ein. Die dabei entstandenen Foto- und Filmaufnahmen von Haien sind heute von großer wissenschaftlicher Bedeutung.
Von 1941 bis 1945 wohnte Hass im Haus Sommerfeld zusammen mit seiner Managerin Dorothea Schneider-Lindemann. Im Februar 1944 promovierte er an der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität im Fach Zoologie mit einer Dissertation über die zu den Moostierchen gehörenden Neptunschleier (Reteporidae beziehungsweise Phidoloporidae). In seiner Dissertation ehrte er seinen akademischen Lehrer Heinrich Jacob Feuerborn, indem er eine neue Moostierchenart beschrieb, die er Sertella feuerbornii nannte (heute Reteporella feuerbornii (Hass, 1948)). Bis Kriegsende widmete er sich vorwiegend der Fertigstellung seines letzten Expeditionsfilms. 1944 lernten Hans Hass und Kurt Schaefer einander kennen. Schaefer baute einige Unterwasserkameras, welche Hass in den 1950er Jahren nutzte.
Eines seiner Hauptanliegen war, den Menschen die Angst vor Haien zu nehmen, denn sie verwehrte den ungezwungenen Zugang zur Unterwasserwelt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg ging sein Forschungsschiff durch Beschlagnahme verloren; er wandte sich der Anthropologie und Evolutionsbiologie zu. 1947 wurde sein Film „Menschen unter Haien“, der bereits 1942 als Ufa-Kulturfilm begonnen worden war, in Zürich uraufgeführt. Es folgten Verträge mit Herzog-Film (München) und Sascha-Film (Wien) sowie – nach zwei Expeditionen zum Roten Meer – zwei Xarifa-Expeditionen gemeinsam mit dem Biologen Irenäus Eibl-Eibesfeldt. Die während der zweiten Xarifa-Expedition 1957/1958 zu den Malediven gesammelten Informationen waren 2007 der Gegenstand einer vergleichenden Studie über die Veränderungen unter Wasser.
Ein Film darüber – „Unternehmen Xarifa“ – erschien 1954. Das neue Forschungsschiff Xarifa musste sich teilweise durch Tauchsafaris im Roten Meer und mit Hilfe der BBC finanzieren. Als Kapitän des Schiffes fungierte Johann Diebitsch, der 1957 als Kommandant der Pamir ums Leben kam. Die Xarifa selbst wurde 1960 von Hass wieder verkauft.
Nach Expeditionen in Ostafrika und Südasien entstanden 1959 erste Fernsehserien, 1961 erstmals auch über Landlebewesen. Es folgten Verhaltensforschung und 1963 bis 1966 die Energontheorie – die Basis seiner folgenden Arbeiten: Kombiniert mit Managementstrategie publizierte Hass 1969 über Gemeinsamkeiten zur Evolution. In den Siebzigern behandelte er Umwelt- und Wirtschaftsthemen und erhielt 1977 den Berufstitel „Professor“ – der aber nicht mit einer akademischen Beförderung oder einem Lehrstuhl an der Universität verbunden war.
1983 begannen langjährige Studien und zahlreiche Seminare über Raubtierinstinkte im Beruf. Dabei vereinte Hass Meeresbiologie, Verhaltensforschung und Managementtheorien. 1989 wandte er sich wieder Umweltthemen zu.
Wolfgang Klausewitz und Irenäus Eibl-Eibesfeldt benannten 1959 die von ihm bei den Malediven entdeckten Röhrenaale nach ihm und seinem Schiff Xarifa mit Xarifania hassi (die Art wurde mittlerweile in Heteroconger hassi umbenannt).
Hass tauchte im Januar 2005 vor den Malediven, um die Folgen der Tsunamikatastrophe unter Wasser zu untersuchen. Im Januar 2007 nahm er an einer Kreuzfahrt vor Port Sudan teil und unternahm dort ebenfalls einige Tauchgänge.
Im April 2006 gab Hass seinen Wohnsitz in Liechtenstein auf und lebte seitdem wieder in Wien. Dort verstarb er am 16. Juni 2013 und wurde am 22. Juni 2013 auf dem Hietzinger Friedhof, Gruppe 47, Nr. 31 beerdigt. Einen Teil seines Nachlasses hatte Hans Hass dem Naturhistorischen Museum Wien vermacht.
Seit 2003 wird der Hans Hass Award verliehen.
Aus Anlass der 100. Wiederkehr des Geburtstages von Hans Hass im Januar 2019 veranstaltete das Hans-Hass-Institut für Submarine Forschung und Tauchtechnik zusammen mit dem Aquazoo – Löbbecke Museum ein gemeinsames Gedenksymposium zu Ehren des Verstorbenen.