An diesem Tag

Hans Gudewerth der Jüngere

Deutscher Bildhauer

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Hans Gudewerdt d. J. war Sohn des seit 1596 nachweisbaren Hans I. (auch: Hans Gudewerth der Ältere; † 1642 in Eckernförde) und dessen Frau Wiebke.

Die Künstler entstammten einer angesehenen Familie, deren Mitglieder gleich in den ersten Einträgen in der auf das Jahr 1542 zurückgehenden Bürgerliste des Stadtbuches von Eckernförde verzeichnet sind (Balzer Gudewerdt und Clawes Gudewerdt). Aus dem Jahre 1619 ist bekannt, dass Heinrich Gudewerdt zweimal für Holzladungen Zoll zu zahlen hatte, woraus sich ergibt, dass ein Teil der Familie „irgendwie mit Holz“ tätig war (etwa ein Holzhandelsunternehmen besaß). Zu irgendeinem Zeitpunkt könnten dort Familienmitglieder mit Holzschnitzarbeiten begonnen oder zuerst Holzschnitzer dort angestellt haben. Eine Carstine Gudewerdt, möglicherweise die Witwe von Clawes Gudewerdt, betätigte sich mindestens im Zeitraum zwischen 1614 und 1627 als Leinwandhändlerin und lieferte in der Zeit große Mengen an Leinwand an den Hof von Friedrich III. von Schleswig-Holstein-Gottorf; von einem Johan Gudewerdt weiß man, dass er zur See fuhr, 1653/54 in türkische Gefangenschaft geriet und ausgelöst wurde. Mehrere Familienmitglieder waren Ratsherren, Deputierte, Kirchengeschworene und/oder Mitglieder der Eckernförder Bürgerschützengilde von 1570. Ratsherr Detleff Gudewerdt wirkte auf einen Hexenprozess 1573 mäßigend ein: Die Angeklagte Gretke Wragen aus Windeby durfte ihre unter Folter gemachte Aussage zurückziehen. Ab 1575 (wohl bis 1608) war er zuständig für den Totschlagsbereich als Teil der Rechtspflege.

Vage blieb von Anbeginn ein Bezug zu einem belgischen Maler Godewert des 15. Jahrhunderts.

Hans Gudewerdt der Ältere wurde in der Kunstgeschichte zunächst mit dem Notnamen Meister mit dem flöteblasenden Hasen bezeichnet, weil viele der unverkennbar von ihm geschaffenen Braut- oder Hochzeitstruhen unter der Abbildung des Hochzeitspaares den flötespielenden Hasen als Symbol der Fruchtbarkeit zeigen. Seine Truhen finden sich im Besitz norddeutscher und dänischer Museen. Die Merkmale seiner Truhen fanden sich auch an seinem Hauptwerk, der Kanzel (1598) von St. Jürgen in Gettorf, so dass eine zweifelsfreie Zuordnung erfolgen konnte. Hans I. war Ältermann der Schnittker und zog sich um 1635 zugunsten seines Sohnes Hans II. (des Jüngeren) aus dem Berufsleben zurück.

Ob Marcus Gudewerdt, ein weiterer Bildschnitzer aus der Familie Gudewerdt, der 1626 seine Lehrzeit beendete, ebenfalls ein Sohn des älteren Hans Gudewerdt war, ist ungeklärt. Dagegen spricht, dass er seine Ausbildung nicht bei Hans Gudewerdt absolvierte, sondern bei einem anderen Meister, während es insgesamt üblich war, dass Söhne von ihren Vätern ausgebildet wurden.

Hans II. hatte mit seiner Ehegattin Christine insgesamt sechs Kinder, von denen zwei kurz nach ihrer Geburt verstarben. Zwei Söhne wurden ebenfalls Bildschnitzer und absolvierten wohl ihre Lehr- und Gesellenzeit in seinem Betrieb in Eckernförde:

Hans III. (Hans Gudewerdt der Jüngste) (1640–1706/07) übernahm die Werkstatt von Hans II. und führte diese fort. 1672 soll er einen Triumphwagen an den Hof von Schloss Gottorf geliefert haben.

David (auch: Dauit, * 1642) ist noch 1671 im Gesellenbuch erwähnt und wanderte nach dem Tod seines Vaters aus.

Cyriacus (auch: Silaiakus) studierte Theologie und war von 1693 bis zu seinem Tode 1736 Pastor in Sehestedt,

Wiebke vermählte sich mit dem Eckernförder Grobschmidt Lafrens Schevingk.

Hans Gudewerdt der Jüngere schloss im Alter von 18 Jahren die Eckernförder Lateinschule mit einem dem heutigen Abitur vergleichbaren Bildungsabschluss ab. Danach begann er die damals sechs Jahre dauernde Lehre als Tischler und Bildschnitzer nach Angabe in der Werkstatt seines Vaters, wo er sich schon zuvor an der Seite des Gesellen Key Möller nützlich machen musste. Es wird teilweise aber auch vermutet, dass Hans der Jüngere zuvor oder danach eine Lehrzeit bei dem Manieristen Ludwig Münstermann verbracht haben könnte, der vorwiegend im Oldenburger Land tätig war; in einigen Publikationen wird eine Ausbildung sowohl bei Münstermann als auch bei seinem Vater angegeben. Der Lehre folgte die Zeit der Wanderschaft von drei Jahren, die Hans der Jüngere um weitere drei Jahre verlängerte, da sämtliche acht Meisterstellen in Eckernförde besetzt waren. Seine Wanderjahre führten ihn quer durch Europa. 1634 erhielt Hans d. J. die Meisterwürde und galt bereits in dieser Zeit als in Eckernförde etabliert und angesehen. 1667 wurde er Ältermann der Eckernförder Schnittger. Seine Werkstatt arbeitete für den schleswig-holsteinischen Uradel und für den die Kunst liebenden Herzog Friedrich III. von Schleswig-Holstein-Gottorf. Seine Lieferungen an die Residenzen in Gottorf und Husum sind durch die herzoglichen Rechnungsbücher nachgewiesen.

Das erhaltene Hauptwerk besteht indessen aus fünf Retabeln, die seine hohe Kunst und Perfektion im von ihm mit entwickelten regionaltypischen barocken Knorpelstil unter Beweis stellen:

der Altar der Nicolaikirche von Eckernförde von 1640,

der Altar in der Nikolaikirche von Kappeln aus dem Jahr 1641,

der Altar in der gotischen Marienkirche von Schönkirchen von 1653,

der Altar aus Dänischenhagen in der Kirche des Klosters Preetz und

der Altar der Sandby Kirke auf Lolland, Sandby Sogn von 1635.

Sein Altaraufbau bricht deutlich mit den Formen der Renaissance und gliedert sich in drei übereinanderliegende Geschosse. Aus der Signatur der Altäre wird geschlossen, dass die beiden erstgenannten Altäre vollständig eigene Arbeiten Gudewerdts sind, während der künstlerische Wert der beiden letzteren geringer eingeschätzt wird; sie haben wohl mehr Mitarbeit durch Gesellen der Werkstatt erfahren. Diese frühere Einschätzung bedarf aber bezüglich des Altarretabels von Schönkirchen einer Korrektur: signiert wie die beiden anderen Altäre, stellt er in der Verbindung künstlerischer Gestaltung mit theologischer Tiefe ein Werk von singulärem Charakter in der sakralen Kunst Norddeutschlands dar.

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