An diesem Tag

Hans Freyer

Deutscher Soziologe und Philosoph

Anúncio

Hans Freyer (* 31. Juli 1887 als Johannes Freyer in Leipzig; † 18. Januar 1969 in Ebersteinburg, Baden-Württemberg) war ein deutscher Soziologe, Historiker und Philosoph. Von der Lebensphilosophie beeinflusst, orientierte er sich am Neuhegelianismus. Er war ein Vertreter der Konservativen Revolution und der Begründer der so genannten („neueren“) Leipziger Schule. Von 1934 bis 1938 war er Mitglied des Ausschusses für Rechtsphilosophie, der von Hans Frank persönlich geleitet wurde. Freyer galt als überzeugter Nationalsozialist. Von 1953 bis 1963 lehrte er als Emeritus in Münster.

Hans Freyer studierte seit 1907 an der Universität Greifswald Theologie (ein Jahr), Nationalökonomie, Geschichte und Philosophie. Ein Jahr später wechselte er an die Universität Leipzig, wo er 1911 promoviert wurde und sich 1920 habilitierte. Seit 1922 hatte er eine Professur an der Universität Kiel inne. Ab 1925 war er an der Universität Leipzig als erster Wissenschaftler auf einem Lehrstuhl für Soziologie tätig.

Freyers frühe Werke zur Lebensphilosophie beeinflussten die deutsche Jugendbewegung. Er selbst engagierte sich im freistudentischen Serakreis um den Verleger Eugen Diederichs.

Freyer engagierte sich von 1925 bis 1934 als Vorsitzender des „Bundes Freunde der Schule am Meer“ und der daraus hervorgehenden „Außengemeinde“ des reformpädagogischen Landerziehungsheims Schule am Meer auf der Nordseeinsel Juist, wo er u. a. mit Martin Luserke und Paul Reiner kooperierte. Leitmotiv des vorrangig musisch orientierten Internats war die Selbstfindung und -verwirklichung durch Selbstbetätigung – „agitur ergo sum“.

Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wurde Freyer 1933 das Amt des Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Soziologie angetragen. Er stürzte den bisherigen Präsidenten Ferdinand Tönnies und legte die Gesellschaft still. Leopold von Wiese sprach rückblickend von einer „Gleichschaltung“.

Kurz darauf wurde sein Leipziger Soziologie-Lehrstuhl abgeschafft und in ein Ordinariat für Politische Wissenschaften umgewandelt, gleichzeitig erhielt Freyer die Leitung über das Institut für Kultur- und Universalgeschichte. Freyer beteiligte sich zentral an der politischen Erziehung der Studentenschaft im Sinne der NS-Schulung.

Er trat der NSDAP nicht bei, unterzeichnete aber am 11. November 1933 das Bekenntnis der deutschen Professoren zu Adolf Hitler und dem nationalsozialistischen Staat. Einige seiner Schüler, mit denen er die Leipziger Schule bildete – unter anderem Arnold Gehlen, Karl Heinz Pfeffer und Helmut Schelsky – waren Parteimitglieder. 1934 gehörte Freyer zu den Gründungsmitgliedern im Ausschuss für Rechtsphilosophie, einer Abteilung der von Hans Frank initiierten NS-Akademie für Deutsches Recht.

In einer Schrift von 1935 begrüßte er den Nationalsozialismus mit den Worten:

Von 1935 bis 1944 war Freyer gleichzeitig Leiter des Deutschen Kulturinstituts in Budapest und von Februar 1941 bis zu dessen Auflösung Präsident des „Deutschen Wissenschaftlichen Instituts“. 1938 wurde er zum Gastprofessor für deutsche Kulturgeschichte an der Universität Budapest ernannt.

Nach Kriegsende konnte Freyer weiterhin an der Universität Leipzig lehren und zwar, wie zu Anfang seiner Karriere, als Soziologe. Jedoch wurde seine Haltung während der Zeit des Nationalsozialismus mehr und mehr kritisiert; er verlor seine Professur und zog 1948 nach Westdeutschland um. Zunächst erhielt er eine Stelle beim Brockhaus-Verlag in Wiesbaden. An einer deutschen Universität konnte er sich als ordentlicher Professor nicht mehr etablieren, lehrte als Emeritus jedoch von 1953 bis 1963 an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Schon 1951 war er auf Betreiben des amtierenden Vorsitzenden Leopold von Wiese wieder in die Deutsche Gesellschaft für Soziologie aufgenommen worden. Freyer gehörte dem wissenschaftlichen Beirat des Instituts für Raumforschung an. 1954 half er für kurze Zeit beim Aufbau eines soziologischen Instituts an der Universität Ankara.

Freyer bezog als emeritierter 131er eine Pension. Zahlreiche seiner Veröffentlichungen stammen aus dieser Zeit. Mit seinem Werk Theorie des gegenwärtigen Zeitalters, in dem er eine an das Industriezeitalter anpassungsfähige Form des Konservatismus entwickelte, konnte er eine große Wirkung in den 1950er Jahren erzielen.

Freyer war evangelisch, verheiratet mit Käthe Lübeck und hatte vier Kinder. Eine Tochter von ihm war die Klassische Archäologin Brigitte Freyer-Schauenburg.

1967 wurde er mit der Goethe-Plakette des Landes Hessen ausgezeichnet.

Freyers philosophisches Werk wurde von Hegel, Wilhelm Dilthey, Friedrich Nietzsche und Oswald Spengler beeinflusst.

Weimarer Republik: Lebensphilosophie und Konservative Revolution

1918 kam sein Frühwerk Antäus – Grundlegung einer Ethik des bewussten Lebens heraus, 1923 folgte Prometheus – Ideen zur Philosophie der Kultur. Damit wandte er sich nach und nach den so genannten Jungkonservativen zu. Er entwickelte ein hierarchisch strukturiertes elitäres Gesellschaftsmodell. Individuelle Freiheit sollte dabei zugunsten von kollektiven Konzepten, wie Führerstaat und Volksgemeinschaft zurückgestellt werden. Kulturkritisch befasste er sich in seinen Werken u. a. mit der fortschreitenden Technisierung und entwickelte die „Theorie der sekundären Systeme“.

In Der Staat beschrieb Freyer 1926 die aufeinander bezogenen Dimensionen der Geschichte, die sich seiner Ansicht nach jeweils kreisförmig wiederholen: Glaube, Stil und Staat. Seine Theorie stützte sich dabei in einigen Punkten auf Ferdinand Tönnies’ Gemeinschaft und Gesellschaft, den er in seinen Werken jedoch nicht zitierte. Das letzte und höchste Stadium, den idealen hierarchisch gegliederten Staat, beschrieb er im Gegensatz zu Tönnies mit einem „Führer“ an der Spitze als ideale Gemeinschaft. Die wichtigste Qualität dieses Staates bestand darin, alle Kräfte der Gemeinschaft zu einer Einheit zusammenschließen zu können. Diese Ideologie entsprach der Bewegung der Konservativen Revolution und des Nationalsozialismus.

1930 verfasste Freyer Soziologie als Wirklichkeitswissenschaft, ein Begriff, den er bei Max Weber entlehnt hat. Er beschäftigte sich mit den Wurzeln der Soziologie, die in der Geschichtsphilosophie lägen. Soziologie sollte demnach die Gründe für gesellschaftlichen Wandel mit historischen Kategorien analysieren und auf dieser Grundlage die Gesellschaft verbessern, d. h. eine ethische philosophische Wissenschaft darstellen.

Anúncio

Bald in der World in Stories App

Audio, Offline-Download, keine Werbung und mehr.

Premium entdecken
Hans Freyer | World in Stories