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Hans Fallada

Deutscher Schriftsteller (1893–1947)

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Hans Fallada (* 21. Juli 1893 in Greifswald als Rudolf Wilhelm Friedrich Ditzen; † 5. Februar 1947 in Berlin) war ein deutscher Schriftsteller.

Mit Erscheinen seines ersten Romans Der junge Goedeschal (1920) verwendete Rudolf Ditzen als Buchautor erstmals das Pseudonym Hans Fallada. 1931 wandte sich der Schriftsteller mit Bauern, Bonzen und Bomben gesellschaftskritischen Themen zu. Fortan prägten ein objektiv-nüchterner Stil, anschauliche Milieustudien und eine überzeugende Charakterzeichnung seine Romane. Sein erstmals 1932 veröffentlichter Roman Kleiner Mann – was nun? wurde ein Welterfolg, ebenso seine späteren Romane: Wolf unter Wölfen, Jeder stirbt für sich allein und der postum erschienene Roman Der Trinker. In der Literaturgeschichte werden Hans Falladas Romane der Neuen Sachlichkeit zugerechnet. 1936 und 1939 wurde er für den Nobelpreis für Literatur nominiert.

Hans Fallada wurde als drittes Kind des Richters Wilhelm Ditzen und dessen Frau Elisabeth geboren. Zur Familie gehörten außerdem zwei ältere Schwestern und ein jüngerer Bruder. 1899 wurde der Vater Kammergerichtsrat; die Familie zog daraufhin zunächst nach Berlin und 1909 nach der Ernennung Wilhelm Ditzens zum Reichsgerichtsrat nach Leipzig.

Von 1901 bis 1906 besuchte Fallada das Prinz-Heinrichs-Gymnasium in Berlin-Schöneberg und anschließend das Bismarck-Gymnasium in Berlin-Wilmersdorf. Er litt unter dem Verhältnis zum Vater, der für seinen Sohn eine Juristenlaufbahn vorgesehen hatte und ihm nicht die nötige Anerkennung zollte. Wie schon in Berlin galt er auch in Leipzig, wo er bis 1911 Schüler des Königin-Carola-Gymnasiums war, als Außenseiter. Er zog sich immer mehr in sich selbst zurück und fand auch während seiner kurzzeitigen Mitgliedschaft in der Wandervogelbewegung kaum Kontakt zu Gleichaltrigen.

Weil sich bei Fallada „suizidale Tendenzen“ bemerkbar gemacht hatten, schickten ihn seine Eltern im Frühjahr 1911 zunächst für acht Wochen nach Bad Berka in das Sanatorium Schloss Harth, das er in seinen Briefen „Satanorium“ nannte. Danach gaben sie ihn bei einem Rudolstädter Superintendenten in Pension. Nach dem Besuch der Salzmannschule Schnepfenthal im thüringischen Waltershausen wurde er im Sommer 1911 Schüler am Gymnasium Fridericianum Rudolstadt.

Mit seinem Freund und Mitschüler Hanns Dietrich von Necker beschloss er am 17. Oktober 1911, gemeinschaftlich Suizid zu begehen. Das wechselseitige Töten sollte in Form eines Scheinduells erfolgen. Bei dem Schusswechsel starb von Necker; Fallada überlebte schwerverletzt. Er wurde wegen Totschlags angeklagt und war von Februar 1912 bis Juli 1913 Patient in der Pflegestätte für Psychiatrie und Neurologie Tannenfeld. Wegen Schuldunfähigkeit wurde die Anklage fallengelassen. Fallada verließ das Gymnasium ohne Abschluss. Danach absolvierte er eine Lehre als Landwirtschaftseleve im thüringischen Posterstein.

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs meldete Fallada sich als Kriegsfreiwilliger, wurde jedoch als „dauernd untauglich“ abgewiesen. Da er in Posterstein eine landwirtschaftliche Lehre absolviert hatte, konnte er 1916 als Assistent der Landwirtschaftskammer Stettin sowie als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Kartoffelanbaugesellschaft Berlin und 1919 im Rittergut Baumgarten bei Dramburg in Hinterpommern arbeiten.

Wegen Alkoholkrankheit und Morphinismus verbrachte er die Zeit zwischen 1917 und 1919 hauptsächlich in Entzugskliniken und Sanatorien, so erneut in der psychiatrischen Klinik in Tannenfeld und in der Heilanstalt Carlsfeld bei Halle. Anfang 1921 war er Patient in der Pommerschen Provinzialheilanstalt in Stralsund; die Akten dazu wurden erst 2011 gefunden. In diese Zeit fielen auch seine ersten schriftstellerischen Versuche. Der 1920 im Rowohlt Verlag veröffentlichte Roman erreichte kein größeres Publikum und war für den Verleger Ernst Rowohlt ein wirtschaftlicher Misserfolg, ebenso wie ein Übersetzungsprojekt mit Werken Romain Rollands.

1922 nahm Fallada ein Arbeitsangebot in der Nähe von Bad Doberan an, war noch im selben Jahr Rendant auf Gut Neu Schönfeld, arbeitete aber auch in Marzdorf, im damaligen Ostpreußen sowie in Gudderitz, das heute ein Ortsteil von Altenkirchen auf Rügen ist. Zur Finanzierung seines Morphin- und Alkoholkonsums beging er Unterschlagungen, die 1923 zu einer dreimonatigen Haftstrafe führten; 1926 folgte eine zweieinhalbjährige Haftstrafe wegen Betrugs.

1928 wurde er aus der Haft entlassen und lernte Anna Issel, genannt „Suse“, in der Wohnung ihrer Eltern in Hamburg-Eilbek kennen, wo er zur Untermiete wohnte. Sie heirateten am 5. April 1929 in Hamburg. Suse diente als Vorbild für „Lämmchen“, die Frau des Protagonisten Pinneberg in seinem 1932 erschienenen Roman Kleiner Mann – was nun?. Nach der Heirat lebte das Paar zunächst getrennt. Sie wohnte bei ihrer Mutter in Hamburg, er in Neumünster. Angestellt beim örtlichen Fremdenverkehrsverband, arbeitete Fallada dort ab Oktober 1928 als Anzeigenwerber und Reporter für die Tageszeitung General-Anzeiger. Vorübergehend war er Mitglied der Guttempler und der SPD.

Ihr erster Sohn wurde am 14. März 1930 geboren († 25. Dezember 2013). Es folgte die Geburt von Zwillingsmädchen (* 18. Juli 1933; die eine starb kurz nach der Geburt und die andere mit knapp 18 Jahren an einer Sepsis) sowie eines weiteren Sohnes, der am 3. April 1940 zur Welt kam.

Arbeit, Leben und Erfolg als Schriftsteller

Bereits mit Erscheinen seines ersten Romans Der junge Goedeschal (1920) verwendete der junge Rudolf Ditzen – vermutlich in Anlehnung an zwei Märchen der Gebrüder Grimm – das Pseudonym Hans Fallada. Eine These besagt, dass sich der Vorname auf den Protagonisten im Märchen Hans im Glück bezieht und der Nachname auf das sprechende Pferd Falada in Die Gänsemagd: Der abgeschlagene Kopf des Pferdes verkündet in diesem Märchen so lange die Wahrheit, bis die betrogene Prinzessin zu ihrem Recht kommt. Nach einer anderen These hat Rudolf Ditzen, dessen Vater Jurist war, für seinen Nachnamen „Fallada“ die im Rechtswesen gebräuchliche Abkürzung „Fall ad a.“ (= Fall ad acta) verwendet.

Anfang der 1930er Jahre begann für Fallada der schriftstellerische Erfolg. Nachdem sein Roman Bauern, Bonzen und Bomben über Kleinstadtpolitik und Landvolkbewegung Beachtung gefunden hatte, zog er mit seiner Frau auf Anraten des Verlegers Ernst Rowohlt nach Berlin. Rowohlt hatte Fallada eine Halbtagsbeschäftigung in seinem Verlag verschafft, damit er sich ohne größere materielle Sorgen seiner schriftstellerischen Arbeit widmen konnte. Sie lebten zunächst zur Untermiete in der Moabiter Calvinstraße, später in Neuenhagen. Nach den ersten Bucherfolgen zogen die Falladas 1932 nach Berkenbrück und mieteten dort eine Villa an, die Fallada den Eigentümern später abkaufte.

In Neuenhagen entstand der 1932 veröffentlichte Roman Kleiner Mann – was nun? Dieser wurde zum Bestseller, fand international Anerkennung und war für Fallada der Durchbruch als Schriftsteller. 2016 erschien im Aufbau Verlag eine ungekürzte Neuauflage des Romans – erstmals so veröffentlicht, wie Fallada ihn geschrieben hatte.

Im März 1933 wurde Fallada von den ehemaligen Eigentümern seines Hauses, einem Ehepaar, das jetzt weiterhin dort zur Miete lebte, bei der örtlichen SA von Berkenbrück denunziert. Die Mieter hatten ein Gespräch Falladas mit Ernst von Salomon belauscht, das angeblich staatsfeindlichen Inhalt gehabt hatte. Fallada wurde kurzzeitig in Haft genommen, gab daraufhin das Haus in Berkenbrück auf und kaufte noch 1933 im nahe der mecklenburgischen Kleinstadt Feldberg gelegenen Dorf Carwitz ein Haus, das heutige Hans-Fallada-Haus, in dem sich das Hans-Fallada-Museum befindet. Dort schrieb er weitere Bücher, darunter auch den sozialkritischen Roman Wer einmal aus dem Blechnapf frißt, in dem er seine Erfahrungen im Zentralgefängnis Neumünster verarbeitete. Das Buch konnte unter der nationalsozialistischen Herrschaft erscheinen, weil es sich gegen die Behandlung der Gefangenen in der Weimarer Republik – der von den Nationalsozialisten sogenannten „Systemzeit“ – richtete.

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