Hans Ertl (* 21. Februar 1908 in München; † 23. Oktober 2000 in der Chiquitania, Departamento Santa Cruz, Bolivien) war Bergsteiger, Kameramann, Kriegsberichterstatter, Regisseur, Landwirt und Autor.
Hans Ertl verbrachte seine Kindheit und Jugend in München. Gemäß seiner eigenen Beschreibung im Buch Bergvagabunden weckte ein Skifilm in ihm das Interesse an den Bergen. Zum ersten Mal stand er selber auf Skiern, als er ein Paar „Brettl“ zu seinem Pfadfinderhäuptling in die Ammergauer Berge brachte. Er konnte der Versuchung nicht widerstehen, legte die Skier an und fuhr gegen einen Baum.
Als Jugendlicher zeigte Ertl bereits Interesse am Fotografieren: Er baute selber mehrere Kameras aus Zigarrenkisten, einer Linse des „Opernguckers“ seiner Mutter und einsteckbaren Blenden aus Stanniol. Er fotografierte „Gemüsestillleben mit Radi und Rüben“, den „im Lehnstuhl schlummernden Vater“ und den „Tiefblick vom Küchenbalkon“. Als Dunkelkammer nutzte eine kleine Kammer im Haus.
Als Bergsteiger wurde er zu Beginn der 1930er Jahre durch die Erstbegehungen der Nordwände der Königspitze (5. September 1930 mit Hans Brehm) und des Ortlers (22. Juni 1931 mit Franz Schmid) bekannt. Beide Wege heißen heute Ertlweg; insbesondere die Nordwand des Ortlers gilt bis heute zu den schwierigsten Eiswänden der Ostalpen.
Arnold Fanck engagierte ihn für den 1932 auf Grönland gedrehten Film S.O.S. Eisberg.
Ertl erlernte den Umgang mit der Filmkamera und agierte bei gefährlichen Szenen als Double der Schauspieler. Dabei lernte er auch Leni Riefenstahl kennen.
Am 30. Januar 1933 wurde Hitler zum Reichskanzler ernannt. Das NS-Regime übernahm die Macht.
Ertl nahm 1934 er an der von Günter Oskar Dyhrenfurth geleiteten Internationalen Himalaya-Expedition ins Karakorum teil. Ertl und Albert Höcht gelang am 12. August 1934 die Erstbesteigung des 7422 Meter hohen Sia Kangri. Während dieser Expedition wurden Aufnahmen für den Spielfilm Der Dämon des Himalaya des Regisseurs Andrew Marton gedreht; Ertl wirkte in diesem Film als Darsteller und Kameramann mit.
Er war im September 1935 Teil eines größeren Teams unter Leitung von Leni Riefenstahl, das den Reichsparteitag der NSDAP filmisch in Szene setzte.
Als Kameramann aus der Schule von Arnold Fanck entwickelte er insbesondere bei den von der Olympia-Film G.m.b.H. produzierten Olympiafilmen Leni Riefenstahls neue Kameratechniken und Kamera-Fahrttechniken bis hin zur „fliegenden Kamera“, mit der er den Flug eines Skispringers nachempfand. Hans Ertl war erster Kameramann bei Leni Riefenstahls Olympia-Film.
Ende 1936 ehelichte er Aurelia (Relly), eine aus Österreich stammende ehemalige Sekretärin. Ab 1937 unternahm er im Auftrag der Firma Siemens Filmarbeiten zur Erprobung des Opticolor-Farbfilmverfahrens und ließ sich mit seiner Frau in München-Harlaching nieder. 1937/38 war er Kameramann in dem Luis-Trenker-Film Liebesbriefe aus dem Engadin. Anschließend war er Mitglied eines größeren Filmteams, das Adolf Hitler im Mai 1938 bei dessen Staatsbesuch bei Mussolini begleitete. Die bei diesem Besuch gedrehten Farbfilm-Aufnahmen waren wegen eines technischen Problems unbrauchbar.
1938/39 war Ertl Teil der Bavaria-Fanck-Chile-Expedition, die in einer deutsch-chilenischen Koproduktion einen „Robinson II“-Film in Südamerika drehen sollte. Auf der Schiffsreise erlebte Ertl u. a. auf eindrückliche Weise das Schicksal von meist jüdischen Menschen, die aus dem Deutschen Reich flüchten mussten.
Er wurde zu Beginn des Zweiten Weltkrieges als Kameramann zu einer Propagandakompanie der Wehrmacht eingezogen und im Verlauf des Krieges (im Rang eines Oberleutnants) zum bevorzugten Kameramann von Generalfeldmarschall Erwin Rommel. Zahlreicher seiner Filmaufnahmen wurden in Wochenschauen gezeigt. 1942 erhielt er nach eigener Aussage als erster und einziger Kriegsberichterstatter im Deutschen Reich die Genehmigung, eine Panzerschlacht in der Kubansteppe und den Sturm von Gebirgsjägern auf Hochgebirgspässe im Kaukasus mit dem Agfa-Color-Farbfilm-Verfahren zu drehen.
Am 7. September 1942 war er beteiligt an der dritten Besteigung des Elbrus durch Angehörige der Wehrmacht, da die vorherigen keine hinreichend verwertbaren Bilder lieferten
Nach 1945 war er vorübergehend auf Anordnung westalliierter Stellen mit einem Berufsverbot belegt. In der Nachkriegszeit arbeitete er als Fotoreporter, unter anderem für die Illustrierte Quick.
Von März 1950 bis 1952 hielt sich Ertl in Bolivien auf. Er war der Expeditionsleiter der Deutschen Anden-Kundfahrt, die bergsteigerische und wissenschaftliche Ziele hatte. An der Expedition nahmen u. a. Milli Bau, Friedrich Michel, Walter Forster, Heinrich Hawickhorst und Gert Schröder (Meteorologe) teil. Mitte 1950 stieß Alfons Hundhammer, Bruder des bayerischen Kultusministers, zu dem Team. Hawickhorst war zuvor ausgeschieden. Während dieser Expedition gelangen Ertl die Besteigung des Illimani-Nordgipfels im Alleingang, die Erstbesteigung des Illimani-Südgipfels (zusammen mit dem Meteorologen Gert Schroeder) und weitere frühe Besteigungen mehrerer Sechstausender.
Mit dem Auftrag, einen Dokumentarfilm zu drehen, begleitete Ertl 1953 die Teilnehmer der von Karl Herrligkoffer geleiteten Willy-Merkl-Gedächtnis-Expedition, die sich die Erstbesteigung des Achttausenders Nanga Parbat zum Ziel gesetzt hatte.
Ertl und drei anderen Bergsteiger stiegen bis zum letzten Hochlager in 6900 Metern Höhe, von wo aus dann Hermann Buhl der Gipfelerfolg glückte. Der Film Nanga Parbat erhielt bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises 1954 die Auszeichnung Lobende Anerkennung.