Hans Emmenegger (* 19. August 1866 in Küssnacht; † 21. September 1940 in Luzern; heimatberechtigt in Flühli) war ein Schweizer Kunstmaler, Zeichner und Radierer sowie Philatelist.
Hans Emmenegger wuchs als Sohn eines Glasfabrikanten in Reussbühl auf. Sein Vater war an der Glaserei Siegwart beteiligt. Der Erstgeborene Hans Emmenegger hatte zwei im Säuglingsalter verstorbene Geschwister und eine überlebende Schwester. 1871 zog die Familie nach Reussbühl, wo seine Mutter 1874 starb. Drei Jahre später heiratete der Vater Maria Räber. Hans Emmenegger besuchte die Sekundarschule in Sarnen für ein Jahr und wurde zum Französischlernen ans Seminar von Hauterive bei Fribourg geschickt.
Nach einigen Monaten an der Kunstgewerbeschule Luzern bei Seraphin Weingartner ab Herbst 1883, besuchte er von 1884 bis 1885 die Académie Julian in Paris. Danach setzte er seine Ausbildung in den Ateliers von Gustave Boulanger, Jules-Joseph Lefebvre und Jean-Léon Gérôme sowie im Winter 1885/1886 in München und bis 1891 wieder an der Académie Julian fort. Zu Jahresbeginn 1891 reiste er für einen neunwöchigen Studienaufenthalt nach Biskra in Algerien, wohin ihm Max Buri nachfolgte. Von den dort vermutlich entstandenen Werken ist nur eines erhalten, das Gemälde Kubba (Manuela and Iwan Wirth Collection). Von Algerien kehrte er für zwei Monate nach Paris zurück. Wieder in München im Winter 1895/1896 erhielt er von Albert Welti den ersten Radierunterricht. Bernhard Buttersack schloss er sich dort ebenfalls an.
1893 liess sich Emmenegger nach dem Tod seines Vaters in dessen 1891 erworbenen Emmener Haus Herdschwand nieder, wo er bis zu seinem Tod als Junggeselle lebte, 1896 stellte er an der 4. Exposition nationale suisse des beaux-arts in Genf aus. Emmenegger entwickelte daneben eine umfangreiche naturwissenschaftliche Sammeltätigkeit (Geologie, Paläontologie, Astronomie) und kaufte die Arbeiten anderer Künstler. Zudem gab er sehr viel Geld für historische Postkarten und Briefmarken aus. 1911 musste er deshalb der Kunstseidenfabrik (heute Viscosuisse) Land verkaufen, das zu Herdschwand gehörte. Sein Geldmangel kam auch von Finanzhilfen an andere Künstler und dem Umstand, dass das Anwesen Kosten verursachte, wobei seine Bilderverkäufe wenig einbrachten, obwohl er sich insbesondere auch in der Westschweiz einen Käuferkreis aufbaute, wo er 1901 in Vevey und 1904 in Lausanne ausstellte. Auch der Exposition nationale suisse des beaux-arts in Genf blieb er mehrere Jahre treu.
In Nachahmung Arnold Böcklins reiste er am 18. November 1897 auf Motivsuche erstmals ins Tessin und malte in Sorengo. 1899 liess er an sein Haus ein Atelier anbauen. An der Pariser Weltausstellung 1900 war er vertreten. Im November 1900 reiste er nach Luino am Lago Maggiore und von dort nach Cannero im Piemont. Im Herbst 1901 folgte ein weiterer Italienaufenthalt in San Vigilio am Gardasee. Das dort in Varianten entstandene Gemälde Einsamkeit zeigte er im März 1902 am Salon de la Société des beaux-arts in Paris. 1903 reiste er zum letzten Mal nach Italien (Genua, La Spezia, Pisa, Florenz). 1904 machten die Kritiker Arsène Alexandre vom Figaro und Roger Marx in der Revue universelle mit guten Kritiken auf ihn aufmerksam. 1904 malte er kostengünstig im hügeligen Zugerland, ein weiterer Aufenthalt im Süden sollte ihn erst im Frühjahr 1911 für zwei Monate nach Toulon, Menton, Fréjus und Le Lavandou führen.
Hans Emmenegger war mit zahlreichen Künstlern seiner Generation befreundet, so mit Cuno Amiet, Max Buri, Giovanni Giacometti, Hugo Siegwart und Emil Beurmann. Mit Giacometti tauschte er auf dem Postweg Gemälde aus. Besonders schwer traf ihn der Tod seines engsten Freundes Max Buri im Mai 1915. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs brachte nach kurzer Mobilisierung den Rückzug ins Atelier und in die vertiefte künstlerische Ergründung. 1917 musste er weiteres Land an Isa Grüter, die Frau seines Kindheitsfreundes Anton Grüter, verkaufen. Etwas half auch ein Auftrag der Schweizerischen Eidgenossenschaft im Wert von 2000 Franken, der ihm am 29. September 1923 erteilt wurde.
Unter anderem als Präsident der GSMBA-Sektion Luzern war Emmenegger auch kunstpolitisch engagiert. Als Liebhaber der Philatelie er war Hauptmitarbeiter von Franz Xaver Andres am Grossen Handbuch der Abstemplungen auf Schweizer Marken 1843–1882, das zwischen 1931 und 1940 erschien. Er war Mitgründer der Sektion Innerschweiz des Schweizer Heimatschutzes und 1902 Mitgründer der Luzerner Vortragsgesellschaft Freie Vereinigung Gleichgesinnter. Er gehörte dem SAC, seit 1904 der Luzerner Freimaurerloge Fiat Lux, der Sektion Luzern des Schweizerischen Friedensvereins, dem luzernischen Verein für Feuerbestattung, dem Luzerner Philatelisten-Verein, der Schweizer Spezialsammler-Vereinigung sowie der Antiquarischen Gesellschaft Luzern an. Dies kostete Geld. Cuno Amiet überwies ihm im August 1929 eine Finanzhilfe von 2000 Franken.
Seine Vorbehalte gegen die jungen Künstler begann er seit etwa 1908 zunehmend öffentlich zu machen und kritisierte vor allem den Expressionismus. Mit der Redewendung «die Ratten verlassen das sinkende Schiff», ging er in seinem Tagebuch im Januar 1917 soweit, diese Künstler «Ratten» zu nennen. Schon von der Ausstellung «Der neue Bund», die Hans Arp, Walter Helbig und Oskar Lüthy 1912 im Zürcher Künstlerhaus kuratierten, darunter Werke von Matisse und Kandinsky, hatte er nur Schlechtes zu sagen, vielmehr orientierte er sich an heute vergessenen Künstlern wie Rodo. 1920 liess er beim Kongress des Schweizer Kunstvereins in Glarus seiner Abneigung gegen den Expressionismus freien Lauf, was ihn isolierte.
Emmenegger durchlief mehrere Schaffenskrisen. Mehrmals zerstörte er dabei eigene Gemälde, so 1913, im Dezember 1914 (10 Gemälde) und 1915 (60 Gemälde nach eigenen Angaben verbrannt), andere Arbeiten zerschnitt er und behielt nur, was ihm zu diesem Zeitpunkt noch als erhaltenswert erschien. Eine weitere Schaffenskrise folgte 1925. 1927 zeigte er die Ergebnisse seiner künstlerischen Forschung zur Bewegung am Pariser Herbstsalon, das Gemälde Danseur russe tournoyant sur lui-même (Russischer Wirbeltänzer, 1927, zuletzt im Besitz der inzwischen konkursiven Bank Credit Suisse).
Eine Tätigkeit als erster Konservator ab 1920 für das projektierte Kunstmuseum Luzern, das 1933 fertiggestellt wurde, war nur interimistisch. Er litt weiter an Geldknappheit und musste seine Kunstsammlung vorzeitig verkaufen, so 1931 in der Galerie Neupert. 1925 hatte er sogar vergeblich versucht, seine Briefmarkensammlung zu verkaufen. Am 5. Juli 1934 musste er sein Haus Herdschwand verkaufen, durfte aber bis zum Tod noch darin wohnen. Indes wurde sein Schaffen in grossen Werkschauen präsentiert: im Juli 1935 im Athénée in Genf 35 Gemälde, 70 Gemälde im Herbst 1936 im Kunstmuseum Luzern. Ende 1939 wurde er hospitalisiert, er starb 1940 in der Klinik Bergli an Herzversagen. Cuno Amiet hielt die Grabrede bei seiner Beerdigung.
Emmenegger malte anfänglich vor allem Landschaften und Stillleben, ab Ende der 1890er Jahre beeinflusst von Arnold Böcklin. Zu seinen späteren Einflüssen gehören der Jugendstil und Ferdinand Hodler. 1914/1915 vollzog Emmenegger eine künstlerische Wende, zerstörte zahlreiche seiner Werke und richtete sein Interesse stark auf die Darstellung von Bewegungsabläufen. Auch wenn diese Bilder an die Chronofotografie erinnern, lehnte Emmenegger die Benutzung fotografischer Aufnahmen als Vorlagen doch ausdrücklich ab und bestand darauf, «ausschliesslich nach meinen Beobachtungen» zu malen.
2014: Kunstmuseum Luzern, 5. Juli bis 12. Oktober 2014
2021: Fondation de l’Hermitage, Lausanne, 25. Juni bis 31. Oktober 2021
Tapan Bhattacharya: Emmenegger, Hans. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
Ulrich Gerster: Emmenegger, Hans. In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker (AKL). Band 33, Saur, München u. a. 2002, ISBN 3-598-22773-6, S. 483 f.
Franz Zelger (Hrsg.): Herrlich öde, einsame Gegend. Hans Emmenegger – ein Maler zwischen Böcklin und Hodler. Eine Ausstellung des Kunstgeschichtlichen Seminars der Universität Zürich in Zusammenarbeit mit dem Kunstmuseum Luzern. Kunstmuseum Luzern, Luzern 1988, ISBN 3-267-00069-6 (Katalog zur Ausstellung im Kunstmuseum Luzern und im Kunstmuseum Solothurn).