Hans Poulsen Egede [hans ˈpɒʊ̯lsn̩ ˈeːəðə] (* 31. Januar 1686 in Harstad, Norwegen; † 5. November 1758 in Stubbekøbing auf Falster, Dänemark) war ein norwegischer lutherischer Pastor und Missionar, der mit seiner Familie am 3. Juli 1721 an der Westküste Grönlands ankam und bis 1736 versuchte, die Inuit Grönlands für den evangelischen Glauben zu gewinnen.
Egede war der Sohn des Sorenskrivers Poul Hansen Egede (1648–1706) und seiner Frau Kirstine Jensdatter Hind (1656–1724) und wurde in Harstad geboren. Sein Großvater Hans Jensen Colding Ravn (1596–1659) war Pastor im dänischen Vester Egede Sogn südlich von Haslev, woraufhin die Familie den Ortsnamen Egede als Familiennamen annahm. Hans Egede wuchs in einem bescheidenen Zuhause auf, in dem aber Wert auf gute Bildung gelegt wurde. Er wurde anfangs von seinem Onkel, dem Pastor Peder Hind, unterrichtet und später vom Kaplan Niels Schielderup. Er lernte Latein, Altgriechisch und Hebräisch. Weil er in Nordnorwegen aufwuchs, kannte er die nichtchristlichen Samen, die sein Bewusstsein für die christliche Mission öffneten. 1704 wurde er an der Universität Kopenhagen aufgenommen, um Theologie bei Hans Bartholin zu studieren. Dank seines Fleißes konnte er die Universität schon 1705 wieder verlassen, wenn auch nur mit mittelmäßigen Noten. Kurz darauf starb sein Vater. Am 15. April 1707 wurde er im Alter von nur 21 Jahren in Trondheim ordiniert und zehn Tage später zum Kaplan in Torsken ernannt. Am 25. Juni wurde er zum Kaplan von Vågan ernannt, das damals dem Pastor von Lødingen untergeordnet war. Im selben Jahr heiratete er in Kvæfjord die 13 Jahre ältere Gertrud Rask (1673–1735). Er war mit dem Pastor von Lødingen zerstritten und erhielt sogar eine Geldstrafe vom Propsteigericht für sein respektloses Auftreten.
Laut eigener Angabe hatte er in einem Buch von Grönland gehört, das einst von Wikingern besiedelt worden war, zu dem der Kontakt aber seit langem abgebrochen war. Sein Schwager Niels Rask war als Walfänger nach Grönland gesegelt und ließ Hans Egede 1709 einige Informationen über das Land zukommen. Er berichtete, dass dort „wilde Menschen“ lebten. Hans Egede vermutete, dass es sich um Nachkommen der Grænlendingar handelte, die nach mehreren Jahrhunderten vom Glauben abgefallen waren, und beschloss, diese zu missionieren. 1710 schrieb er einen Brief an seinen Bischof Peder Krog sowie an den Bischof in Bergen, Niels Randulf. Letzterer zeigte sich uninteressiert, vor allem wegen der erwartbaren Sprachprobleme, während Peder Krog sich auch wirtschaftliche Vorteile erhoffte, aber auch er meinte, dass eine Missionierung Grönlands nicht durchführbar sei. Auch seine eigene Ehefrau widersetzte sich anfänglich seinen Plänen. 1711 schrieb er erfolglos an König Friedrich IV. 1713 ließ Hans Egede eine neue Kirche bauen, deren Altartafel er selbst malte. Der Bischof wusste nicht, wer sie gemalt hatte, fand sie aber zu gelungen, als dass sie in einem Fischerdorf hängen sollte, und wollte sie deswegen entfernen lassen. Die Bevölkerung widersetzte sich dem und ließ den Altar mit einem Schloss versperren, für das Hans Egede den Schlüssel erhielt. Zugleich separierte man sich vom Pastor in Lødingen, aber als dieser 1714 dennoch zur Einweihung der Kirche erschien, kam die Angelegenheit wieder vor das Propsteigericht, wo Hans Egede erneut eine Strafe erhielt. Nun wollte auch seine Frau die Heimat verlassen und begann ihren Ehemann in seinen Plänen zu unterstützen. Diesmal schrieb er einen Brief an das neugegründete Missionskollegium und bat um Erlaubnis, Grönland kolonisieren zu dürfen. Wegen des Großen Nordischen Kriegs erhielt er auch diesmal eine Ablehnung. 1715 wollte er nach Dänemark reisen, um dem König persönlich seine Pläne vorlegen zu können, aber weil er dafür seine Kirchengemeinde verlassen musste, bat er um die Einsetzung eines Stellvertreters, die ihm nicht gewährt wurde. Deswegen trat Hans Egede 1718 von seinem Posten zurück und machte sich im Juli 1718 auf die Reise nach Bergen. Von dort aus war bereits seit den 1690er Jahren der Walfang in Grönland organisiert worden und Hans Egede erhoffte sich Unterstützung, die er aber nicht erhielt. Deswegen reiste er nach Kopenhagen weiter. Sowohl der Missionar Thomas von Westen als auch das Missionskollegium unterstützten ihn in seinen Plänen und schließlich erhielt er eine Audienz bei König Friedrich IV., der diesmal Interesse zeigte, vor allem wegen der erhofften Handelstätigkeit.
Im November 1719 befahl der König den Kaufleuten in Bergen zu überlegen, wie man den Handel in Grönland organisieren könnte. Hans Egede setzte sich selbst an die Spitze des Vorhabens, sammelte Geld und ließ Det Bergen Grønlandske Compagnie gründen, die den Handel leiten sollte. Am 15. März 1721 wurde er zum Missionar ernannt und am 12. Mai verließ er mit dem Schiff Håbet („Hoffnung“) Bergen Richtung Grönland. Die Gruppe erreichte die grönländische Westküste am 3. Juli an der Stelle, die sein Schwager ihm einst empfohlen hatte. Er musste schnell feststellen, dass die Grönländer offenbar keine Nachkommen der Grænlendingar waren, die er stattdessen weiter südlich in Grönland vermutete, beschloss aber dennoch, seine Berufung wahrzunehmen und die Bewohner, die Inuit, zu missionieren. Zu seiner Familie gehörten seine Frau, der älteste Sohn Poul Egede (1708–1789), der jüngere Sohn Niels Egede (1710–1782), die Tochter Kirstine Egede verh. Alsbach (1714–1786) und die Tochter Petronelle Egede verh. Saabye (1716–1805). Zwei weitere Töchter waren jung gestorben. Daneben waren auf seinem Schiff 25 weitere Personen, vor allem Handwerker, ein Buchhalter und ein Schiffschirurg sowie eine Ehefrau und zwei Jungfrauen für den Haushalt. Am 8. Juli begann die Gruppe, ein Haus zu errichten, in dem sie leben sollten, wobei sie Hilfe von den ansässigen Grönländern erhielten. Am 31. August war das Haus fertig. Daneben wurden im Laufe der Zeit sechs weitere Gebäude errichtet. Die Kolonie erhielt den Namen Håbets Ø, benannt nach dem Schiff, mit dem die Kolonisten angekommen waren.
Der Anfang in Grönland war hart, denn die Winter waren lang und kalt, und es gelang den Kolonisten kaum, Brennholz zu beschaffen, da dort keine Bäume wuchsen. Das Vieh, das sie mitgebracht hatten, war mager, weil es an Grasflächen mangelte. Das Essen wurde per Schiff aus Bergen geliefert, war aber äußerst einseitig. Auch die Missionsarbeit startete problematisch. Keiner der Norweger sprach die Sprache der Inuit, sodass Kommunikation nahezu unmöglich war. Hans Egede ließ einen seiner Begleiter bei einer grönländischen Familie wohnen, damit dieser etwas von der Sprache lernen konnte. Daraufhin begann auch Hans Egede, sich mit seiner Familie vermehrt bei Grönländern aufzuhalten, und ab 1723 erhielt er Unterstützung vom Missionar Albert Top. Dieser zeigte sich als äußerst begabt beim Spracherwerb, und auch Hans Egedes Söhne hatten dank ihres jungen Alters weniger Probleme, die grönländische Sprache zu lernen. Um 1725 war Poul Egede schon ziemlich gut darin, mit den Grönländern zu kommunizieren. Hans Egede erkannte, dass Kinder wohl die am leichtesten zu missionierende Bevölkerungsgruppe waren, und ließ bereits ab 1722 Jungen bei sich wohnen, denen er Geschenke machte, um sie bei sich zu behalten, die sich aber als wenig pflichtbewusst im Unterricht zeigten und lieber jagen gingen. Meist wählte er Waisenkinder, da er die Erkenntnis gewonnen hatte, dass Eltern ihre Söhne meist nach kurzer Zeit zurückverlangten und nur mit Mühe mit Geschenken davon abzubringen waren. Am 1. Januar 1725 wurde mit Pápa der erste Grönländer getauft, der mit der Taufe den Namen Friderich Christian erhielt. Der Junge hatte seit Ende 1723 bei Hans Egede gewohnt, war auch mit Albert Top gereist und hatte laut Hans Egedes Vernehmen so viel vom Christentum gelernt, dass er nun getauft werden konnte. Fortan fungierte der Junge als Katechet und unterrichtete andere Kinder, was sich als große Hilfe für das Missionsvorhaben erwies. Er verbesserte Poul Egedes Sprachkenntnisse, der deswegen eine erste Grammatik verfassen sowie einige christliche Texte ins Grönländische übersetzen konnte. Auch Peder, der fast ebenso lange bei Hans Egede gelebt hatte, unterstützte die Familie bei der Missionierung. Er lernte sogar Dänisch bzw. Norwegisch und konnte so als Dolmetscher fungieren, aber er starb 1732 und im Jahr darauf starb auch Friderich Christian.