Hans Augustin (* 5. Juli 1949 in Salzburg) ist ein österreichischer Schriftsteller.
Hans Augustin erhielt während der gesamten Pflichtschulzeit Klavierunterricht. Nach dem Tod des Vaters absolvierte er von 1964 bis 1968 eine Lehre für Druckformenherstellung. Nachdem er die Matura in der Graphischen Bundeslehr- und Versuchsanstalt Wien im zweiten Bildungsweg absolviert hatte, studierte er von 1973 bis 1976 Philosophie, Kunstgeschichte und Archäologie an der Universität Salzburg, schloss die Studien aber nicht ab. Bis 1980 studierte Augustin Medizin an der Universität Innsbruck, schloss das Studium aber ebenfalls nicht ab. In den späten siebziger Jahren publizierte er regelmäßig Gedichte in der, von Jan Tielens in Den Haag herausgegebenen, Literaturzeitschrift Phönix. Danach wandte er sich wieder dem graphischen Gewerbe zu und gründete 1981 die Handpresse in Innsbruck. Er beschäftigte sich künstlerisch mit der Konkreten Poesie und gab zahlreiche Ausstellungen. Von 1988 bis 1995 war Augustin Mitherausgeber der Tiroler Literaturzeitschrift Inn. In Kooperation mit ORF und DRS entstanden Hörspiele und Hörfunkdramatisierungen (hauptsächlich japanische Literatur), Features und Kulturbeiträge für den Hörfunk. Ab 1996 fungierte er als leitender Redakteur der Landwirtschaftlichen Blätter der Landwirtschaftskammer Tirol. 2002 erhielt Augustin die journalistische Auszeichnung für Qualitätsjournalismus (Josef-Steininger-Urkunde) und 2006 den Lyrikpreis des Landes Salzburg. Seit 2003 ist er verantwortlich für die KulturProjekte der Landwirtschaftskammer Tirol. Zudem verfasste Augustin Drehbücher für Image- und Themenfilme. Seit 1991 arbeitet er als freier Schriftsteller und Journalist. Er lebte von 1976 bis 1986 in Innsbruck, seit 1986 lebt er in Thaur.
1990 Kunstpreis der Stadt Innsbruck 3. Preis für Dramatische Dichtung
1991 Großes Literaturstipendium des Landes Tirol für Dramatik
1993 Publikumspreis des Lyrikpreises Meran mit Irma Waldner
1995 Teilnahme am Hörspielfinalisten-Wettbewerb zum „Hörspiel des Jahres 1994“
1995 Max-von-der-Grün-Preis 3. Preis für Prosa
2002 Literaturpreis der Gemeinde Algund zur 1000-Jahr-Feier 3. Preis für Lyrik
2002 Kunstpreis der Stadt Innsbruck 3. Preis für Lyrik
2002 Josef-Steininger-Urkunde, für Qualitätsjournalismus
2005 Großes Literaturstipendium des Landes Tirol für Prosa
2006 Lyrikpreis des Landes Salzburg (mit Bettina Baláka)
Ein Wort, das nicht gesprochen wird, verflüchtigt sich aus dem Wortschatz. Gott ist so ein Wort, das nach Ansicht von Hans Augustin ziemlich große Lust auf Verflüchtigung hat. In knapp fünfzig Gedichten wird daher Gott wieder in den Sprachgebrauch reanimiert, und das in recht aufregendem Ambiente.
„Und wohnt mitten unter uns“ ist der Versuch, Gott als rare Begebenheit mit dem Alltag in Verbindung zu bringen. Dabei werden einige Satzteile aus der Schöpfungsgeschichte und anderen 'Heiligen Schriften' zu einem Gedicht ausgebaut. Daraus ergibt sich jeweils ein interessantes Gebilde, worin Kult und Alltäglichkeit verschmelzen.
Bei der „Schwarzen Witwe“ (vgl. Smertnizy) denkt man vielleicht an eine gefährliche Spinnenart, aber es geht um eine Frau aus Tschetschenien, die sich in die Luft sprengt. Aus der Innensicht einer Selbstmordattentäterin wird die politische Lage so unerträglich, dass man sich als Leser quasi mitsprengt, um sich aus dieser unerträglichen Situation zu befreien. Zuerst hat man den Mann der späteren Attentäterin umgebracht, dann sie selbst in eine Befreiungsaktion gezwungen. Dabei sind die Gefühle vertraut normal, der Schmerz, als sich die Aktivistin von den Kindern verabschieden muss und irgendwo diese Logik, dass es so sein muss. Diese Erzählung trägt vielleicht emotionell mindestens so viel zum Verständnis von Asylwerbern aus Tschetschenien bei wie das rasche Abwickeln der realen Asylanträge.
In „Herzrasen“ spielen Kreislauf, Hormone und virtuelle Erotik die Hauptrollen. Durch eine Erregung der rasenden Art kommt es bei der Ausfahrt zweier Züge zu einer ungeheuren Berührung.
In der Erzählung „Mein Land ist das Meer“ verwischen sich im Kopf eines Filmvorführers aus Burkina Faso die Bilder der im Film vorgeführten mit den eigenen. Eigentlich studiert der Held Medizin, aber er muss sich mit Vorführungen den Lebensunterhalt organisieren. Irgendwie wird er stutzig, dass er eine westliche Wohlstandsmedizin studieren muss, um in seinem Land später die Armen gegen völlig andere Krankheiten behandeln zu können.
In „Dead End Street“ hat ein Vater mit den Bildern des kleinen Sohnes zu kämpfen, der jetzt hingerichtet wird, weil er in Oklahoma das Amtsgebäude in die Luft gesprengt hat.