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Hans Asperger

Österreichischer Kinderarzt und Heilpädagoge (1906-1980), Namensgeber des Asperger-Syndroms

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Johann „Hans“ Friedrich Karl Asperger (* 18. Februar 1906 in Wien; † 21. Oktober 1980 ebenda) war ein österreichischer Kinderarzt und Heilpädagoge. Er gilt als Erstbeschreiber des später nach ihm benannten Asperger-Syndroms, einer Form des Autismus. In der Zeit des Nationalsozialismus war er Mitglied einer Kommission, die mehrere als „aussichtslose Fälle“ eingestufte Kinder in die Anstalt Am Spiegelgrund überwies, wo sie später im Rahmen der „Kinder-Euthanasie“ ermordet wurden.

Da Asperger seine Veröffentlichungen größtenteils in deutscher Sprache verfasste und sie kaum übersetzt wurden, waren seine Arbeiten zunächst international wenig bekannt. Erst ab den 1980er Jahren wurden sie rezipiert. Die britische Psychologin Lorna Wing führte in den 1980er Jahren die Forschungen Aspergers fort, definierte das Syndrom und benannte es nach ihm.

Hans Asperger wurde im Haus Neustiftgasse 125 im 7. Wiener Gemeindebezirk Neubau geboren. Er war der älteste von drei Brüdern, der mittlere starb kurz nach der Geburt, der jüngste fiel 1942 im Krieg gegen die Sowjetunion. Über sein Elternhaus schrieb er: „Wie bin ich erzogen worden? Mit viel Liebe, ja Selbstentäußerung von meiner Mutter, mit großer Strenge von meinem Vater.“

Nach dem Besuch des Humanistischen Gymnasiums in der Wiener Kandlgasse (heute GRG 7) absolvierte er an der Universität Wien ein Studium der Medizin. Nach seiner Promotion 1931 arbeitete Asperger als Assistent an der Kinderklinik der Universität Wien, seit 1932 leitete er die heilpädagogische Abteilung der Klinik.

Zum Wintersemester 1943 wurde Asperger „unter Zuweisung an die medizinische Fakultät der Universität Wien“, wo er sich zuvor habilitierte, „zum Dozenten für das Fach Kinderheilkunde ernannt“. Eine seiner Patientinnen war die spätere Schriftstellerin Elfriede Jelinek, „die sich auf Aspergers Station einer heilpädagogischen Therapie unterziehen [musste]. Asperger war fast immer anwesend und las den Kindern vor.“ Asperger war Berater beim Wiener Hauptgesundheitsamt und Gutachter in Sonderschulen sowie bei „schwierigen, nervlich oder psychisch auffälligen Kindern“ in Normalschulen.

Im März 1949 wurde ihm die Eröffnung eines Heilpädagogischen Kinderheimes als Privaterziehungsanstalt für Knaben von 6 bis 16 Jahren in Wien-Hietzing vom Stadtschulrat für Wien genehmigt.

Von 1957 bis 1962 war Asperger im Vorstand der Innsbrucker Kinderklinik. 1962 wurde er Professor für Pädiatrie und Leiter der Universitäts-Kinderklinik in Wien und blieb dies bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1977. 1967 wurde er zum Mitglied der Gelehrtenakademie Leopoldina gewählt.

Asperger war seit 1935 mit der aus Westfalen stammenden Hanna Kalmon verheiratet. Das Ehepaar hatte fünf Kinder.

Johann „Hans“ Asperger wurde am Neustifter Friedhof bestattet.

Ein Sohn, Hans Asperger (* 1938, † 2025) erforschte am früheren Institut für Milchhygiene der Veterinärmedizinischen Universität Wien die mikrobiologische Flora von Milchprodukten und war später Leiter des Zentrums für Lebensmittelwissenschaften und Öffentliches Veterinärwesen an derselben Universität.

Tochter Maria Asperger Felder (* 1946) ist Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie, spezialisiert auf die Diagnose von Autismus. Seit 1985 lebt sie in Zürich, wo sie auch praktiziert. Sie ist mit dem Schweizer Kinderpsychiater Wilhelm Felder verheiratet.

Am 3. Oktober 1938 hielt Hans Asperger in der Heilpädagogischen Abteilung der Universitätsklinik Wien einen Vortrag, in dem er anhand eines Fallbeispiels die Charakteristika der „autistischen Psychopathen“ darstellte. 1943 reichte Asperger seine Habilitationsschrift ein, eine Beschreibung des später nach ihm benannten Asperger-Syndroms, die 1944 veröffentlicht wurde.

Er selbst nannte die Störung „autistische Psychopathie“. Das Wort „autistisch“ entlieh er von Eugen Bleuler, der damit bestimmte Eigenschaften der Schizophrenie beschrieb, um „die Einengung der Person und ihrer Reaktionen auf sich selbst und die damit verbundene Beschränkung der Re-Aktionen auf die Reize der Umwelt“ zu verdeutlichen. Den Begriff „Psychopathie“ würde man heute am ehesten mit „Persönlichkeitsstörung“ übersetzen. Fast gleichzeitig mit Aspergers Publikation erschien Leo Kanners Arbeit zum frühkindlichen Autismus, der große Ähnlichkeiten mit dem „Asperger-Syndrom“ aufwies.

Aspergers Veröffentlichung enthielt die Beschreibung von vier Jungen (Fritz, Harro, Ernst und Hellmuth), die er als „autistische Psychopathen“ bezeichnete. Den Genannten war bei durchschnittlicher bis hoher Intelligenz gemeinsam:

die Unfähigkeit, Freundschaften zu schließen

Störungen in Blickkontakt, Gestik, Mimik und Sprachgebrauch

intensive Beschäftigung mit einem Interessengebiet

Sie waren selbstbezogen, konnten sich nicht in andere Menschen versetzen und auf diese eingehen. In ihrem Gefühlsleben wirkten die Jungen disharmonisch, und im oft angstvollen Verhalten fehlte ihnen die affektive Beteiligung. Asperger nannte sie „kleine Professoren“, da sie über das Gebiet ihres Spezialinteresses detailliert sprechen konnten und oft ein erstaunliches Wissen ansammelten.

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