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Hans Albert

Deutscher Soziologe, Philosoph und Hochschullehrer

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Hans Albert (* 8. Februar 1921 in Köln; † 24. Oktober 2023) war ein deutscher Soziologe und Hochschullehrer.

Von 1963 bis 1989 war er Inhaber des Lehrstuhls für Soziologie und Wissenschaftslehre an der Universität Mannheim. Er gilt als ein Hauptvertreter des Kritischen Rationalismus. Er verfolgte die Ideen Karl Poppers und verfasste mit dem Traktat über kritische Vernunft ein Standardwerk der Erkenntnistheorie. Um sein Wirken zu ehren, wurde im Februar 2020 das Hans-Albert-Institut gegründet.

Albert war Sohn eines Altphilologen und evangelischen Religionslehrers. Als Kind interessierte er sich sehr für Geschichte, las insbesondere Oswald Spengler und kriegswissenschaftliche Werke, da er Offizier werden wollte. Nach dem Abitur meldete sich Albert 1939 als Freiwilliger der Wehrmacht und kam zunächst zum Reichsarbeitsdienst, wo er zu Arbeiten am Westwall eingesetzt wurde. Anschließend kam er zur Artillerie, zunächst zur Reserve nach Wien und daraufhin zum Kampfeinsatz in Frankreich und Griechenland.

Nach US-amerikanischer Kriegsgefangenschaft nahm Albert 1946 ein Studium an der Universität zu Köln auf, zunächst mit dem Abschlussziel Diplom-Kaufmann. Seine erste Soziologie-Vorlesung hörte er bei Leopold von Wiese; bei diesem konnte er auch auf eigenen Wunsch über Politik und Wirtschaft als Gegenstände der politischen und ökonomischen Theorie seine Diplomarbeit schreiben und 1952 mit Rationalität und Existenz – Politische Arithmetik und politische Anthropologie promovieren.

Alberts Habilitationsschrift Nationalökonomie als Soziologie der kommerziellen Beziehungen wurde 1955 sowohl von René König wie auch vom Dekan der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät abgelehnt, weil seine Kritik angeblich weder Ökonomie noch Soziologie einwandfrei zuzuordnen war. Außerdem war Albert zuvor insgeheim als angebliches Mitglied der Kommunistischen Partei denunziert worden. Daraufhin habilitierte er sich 1957 in Köln mit einer Reihe von Aufsätzen für Sozialpolitik, da er Assistent Gerhard Weissers war, des Lehrstuhlinhabers für dieses Fach. Er hielt jedoch die Lehrveranstaltungen in Köln als Privatdozent in Logik, Wissenschaftslehre und Kritik der Wohlfahrtsökonomie und publizierte seine Kritik der reinen Ökonomie. 1963 wurde er in Köln zum außerplanmäßigen Professor ernannt.

Im Jahr 1963 erhielt Albert einen Ruf an den neu geschaffenen Lehrstuhl für Soziologie und Wissenschaftslehre der damaligen Wirtschaftshochschule, heute Universität Mannheim. Er erhielt zwar mehrere Rufe an andere Universitäten, lehrte jedoch bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1989 in Mannheim. Er wohnte in Heidelberg.

Albert war Ehrendoktor der Universitäten Linz (1995), Athen (1997), Kassel (2000), Graz (2007) und Klagenfurt (2007) sowie gewähltes Mitglied der Academia Europaea (1989) und der Accademia delle Scienze di Torino (2006).

Albert war im Beirat der Giordano-Bruno-Stiftung.

Zu Alberts 99. Geburtstag wurde das Hans-Albert-Institut mit Sitz in Oberwesel eröffnet, ein Think-Tank zur Förderung des kritisch-rationalen Denkens in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

Hans Albert verstarb am 24. Oktober 2023 im Alter von 102 Jahren.

In der Soziologie bzw. Ökonomie ist Albert insbesondere mit Beiträgen zur Marktsoziologie hervorgetreten. Dabei setzte er sich für die Einheit der Methode in Natur- und Sozialwissenschaften ein und plädierte ebenso für die Aufhebung der überlieferten Fachgrenzen zwischen Ökonomie, Soziologie, den Rechts- und übrigen Sozialwissenschaften. Die utilitaristische Theorietradition hielt er trotz all der von ihm selbst vorgebrachten Einwände für das interessantere Erkenntnisprogramm im Vergleich zu Funktionalismus oder dem Marxismus.

Albert war von instrumentalistisch-dezisionistischen Positionen, die er in seiner Dissertation noch aus Martin Heidegger und Hugo Dingler schöpfte, zur Rezeption von Victor Kraft und Karl Popper übergegangen, welch letzteren er anfänglich noch ebenfalls für einen Vertreter des logischen Positivismus hielt. Auf den Alpbacher Hochschulwochen lernte Albert 1955 Paul Feyerabend und 1958 dann Popper persönlich kennen. Als Vertreter des Kritischen Rationalismus nahm Albert schließlich im Oktober 1961 neben Popper als Gegenpart zu Theodor W. Adorno und Jürgen Habermas am so genannten Positivismusstreit teil, in dem indes keiner der Beteiligten eine positivistische Position im engeren Sinne vertrat. Albert fand es aber besonders ironisch, dass dort Habermas geradezu ähnliche Positionen vertrat, wie er sie selber früher vertreten, aber seither aufgegeben hatte. Eine seiner vielfach stark an Popper orientierten Hauptaussagen: Da die Vernunft fehlbar ist, müssen Theorien immer wieder der Kritik unterzogen werden.

Albert war Mitherausgeber der Zeitschrift Aufklärung und Kritik sowie Ehrenpräsident der Gesellschaft für kritische Philosophie Nürnberg. Des Weiteren war er wissenschaftlicher Beirat der Humanistischen Akademie Bayern sowie der Giordano-Bruno-Stiftung.

In der Philosophie Alberts kommt der Erkenntnistheorie eine wesentliche Bedeutung zu. Zunächst die Ideen des Positivismus vertretend, sympathisierte er ab Mitte der 1950er Jahre mit dem Kritischen Rationalismus und entwickelte sich in Deutschland neben Karl Popper wohl zu dem bekanntesten Vertreter dieser philosophischen und wissenschaftstheoretischen Ansicht. Dementsprechend besagt eine grundlegende Annahme seiner philosophischen Auffassung, dass sich Behauptungen bzw. Aussagen (Propositionen) nie auf sichere Begründungen zurückführen ließen. Es sei unmöglich, für irgendeine Aussage eine Letztbegründung zu beanspruchen. Somit sei sicheres Wissen unmöglich.

Den Thesen des klassischen Erkenntnisideals tritt Albert mit seiner Konzeption des Kritischen Rationalismus entgegen. Seine Ablehnung jeglicher Letztbegründungsansprüche entspringt den Schlussfolgerungen des sogenannten Münchhausen-Trilemmas. Albert stellt mit Hilfe dieses Trilemmas die These auf, dass jeder Versuch, eine Behauptung zu einer letztbegründeten und damit zweifelsfreien Wahrheit zu erheben, scheitern müsse. Somit widerspricht er dem klassischen Erkenntnisideal mit seinem Rekurs auf einen archimedischen Punkt, auf dem sichere Erkenntnis aufbauen kann. Nach Albert verliert sich jeder solche Letztbegründungsversuch in einer der Möglichkeiten des Münchhausen-Trilemmas. Diese sind:

Der infinite Regress: Jede Begründung erfordert ihrerseits eine Begründung.

Der Zirkelschluss: Es wird eine Behauptung über ein Phänomen aufgestellt, die in dem behaupteten Phänomen selbst schon enthalten ist. Zum Beispiel: Warum legen Hühner Eier? Weil sie Hühner sind. Und warum sind sie Hühner? Weil sie Eier legen.

Der willkürliche Abbruch des Begründungsverfahrens, d. h. ein Dogma wird aufgestellt.

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