Hans A. Nikel (eigentlich Johannes Alfons Nikel; * 23. Februar 1930 in Bielitz; † 27. Dezember 2018 in Bad Homburg vor der Höhe) war ein deutscher Verleger, Herausgeber und Künstler. Bekannt wurde er vor allem als Gründer der literarisch-satirischen Zeitschrift pardon.
Nikel betätigte sich bereits im Alter von 13 Jahren als Gründer einer Schülerzeitschrift und behauptete über sie, sie sei „die einzige nicht-lizenzierte, nicht-kontrollierte Zeitung im Dritten Reich“ gewesen. In der Endphase des Krieges wurde er noch zu einer Nachrichtentruppe eingezogen und konnte sich nach dem Kriegsende nach Erfurt durchschlagen. Hier gründete er, zusammen mit Reinhard Lettau und anderen, abermals eine Schülerzeitschrift, flüchtete aber bald in die amerikanische Besatzungszone.
Im Juni 1948 machte er in Frankfurt das Abitur und lernte dann das journalistische Handwerk bei der Süddeutschen Zeitung, ehe er 1949 als Redakteur zur Frankfurter Rundschau wechselte. An diese frühe Zeit von Nikels journalistischem Wirken erinnerte der ehemalige FR-Redakteur Brügmann:
Parallel zu seiner Tätigkeit bei der FR studierte Nikel bei den Philosophen Max Horkheimer und Theodor W. Adorno.
Herausgeber- und Verlegertätigkeit
Zusammen mit Erich Bärmeier gründete Nikel 1951 die „Fortuna Druck- und Verlagsgesellschaft Bärmeier, Nikel & Co. KG“ in Frankfurt. Dort erschien unter anderem die von den Besitzern selbst gestaltete kurzlebige Zeitschrift Preisbeobachter, die bereits nach wenigen Monaten wieder einging. Fortuna betrieb zudem einen Karikaturendienst, für den gelegentlich Chlodwig Poth und Hans Traxler arbeiteten.
1954 gründeten Nikel und Erich Bärmeier den Verlag Bärmeier & Nikel (B&N). Nikel gewann prominente Autoren wie Erich Kästner, Alexander Mitscherlich oder Gerhard Zwerenz, die Vorworte für die vorzugsweise grafischen und satirischen Bücher schrieben.
Als erstes Buch erschien eines mit Kurt Halbritters Zeichnungen zu dem vieldiskutierten Text von Werner Finck Disziplin ist alles, eine Stellungnahme gegen die Wiederaufrüstung in der Bundesrepublik. Dem folgte ein Kritischer Kalender von A. Paul Weber.
1955 erfand Nikel die Kleinen Schmunzelbücher (sechs mal sieben Zentimeter), die mit wenig Kapitaleinsatz realisiert werden konnten. Loriot war einer der Autoren.
Es folgten Werke von Autoren wie Robert Gernhardt, Walter Hanel, Otto Köhler, Chlodwig Poth, Felix Rexhausen, Hans Traxler, F. K. Waechter sowie eine 20-bändige Jules-Verne-Ausgabe mit Neuübersetzungen durch Jungautoren wie Wolf Wondratschek. Der Verlag bestand bis 1971.
Im September 1962 gaben Bärmeier und Nikel das erste Heft von pardon heraus, unterstützt von Erich Kästner, Loriot, Werner Finck, Hans Magnus Enzensberger u. a. Im September 1970 schied Bärmeier, der sich um die kaufmännischen Angelegenheiten gekümmert hatte, als Mitherausgeber aus. Bis 1980 war Nikel Verleger, Herausgeber und Chefredakteur. pardon erreichte eine Auflage von 320.000 Exemplaren. Nikel initiierte berühmt gewordene pardon-Aktionen und holte Autoren wie Alice Schwarzer, Günter Wallraff, Gerhard Kromschröder oder Robert Jungk ins Blatt.
1966 übernahmen Nikel und Bärmeier die in Konkurs gegangene Verbraucherzeitschrift DM und das zugehörige Testinstitut. Erich Bärmeier wurde 1970 Chefredakteur.
1972 bekam Nikel die Goldmedaille des Art Directors Club und wurde Jury-Mitglied und Präsident verschiedener Grafik- und Cartoon-Biennalen bzw. Ausstellungen.
Engagement für die Kriegsdienstverweigerung
Über Nikels unbestreitbares Engagement für die Kriegsdienstverweigerung kursieren mehrere zum Teil unrichtige Darstellungen, die auch auf dem Text Leben und Werke auf der Webseite Nikel. Kunst will erzählen! beruhen. Er wird dort unter Bezug auf das Jahr 1955 als „Mitinitiator und Begründer des Verbandes des Kriegsdienstverweigerer“ (VK) genannt, und es wird weiter behauptet, dass auf der „ersten eigenen Druckmaschine […] die Zeitschrift ZIVIL gedruckt [wurde], betreut von Willy Fleckhaus“. Auch Brügmann erklärt ihn aus seinen Erinnerungen heraus fälschlicherweise zum „Mitbegründer der Bewegung der Kriegsdienstverweigerer in Deutschland“.
Zunächst ist festzuhalten, dass die Bewegung der Kriegsdienstverweigerer in Deutschland vor dem oben erwähnten Jahr 1955 entstanden war, nämlich 1947. In dem Jahr konstituierte sich in Hamburg die Internationale der Kriegsdienstgegner/innen (IdK), und es gibt keine Belege dafür, dass Nikel an dieser Gründung mitgewirkt hat. Auch den VK gab es 1955 noch nicht. Es gibt aber in dem zuvor zitierten Text Leben und Werke auch den Hinweis, dass auch Hans-Jürgen Wischnewski „bei seinem [Nikels] Verband dabei“ gewesen sei, und das legt nahe, dass Nikel in Verbindung zur Kölner Gruppe der Wehrdienstverweigerer (GdW) stand, die begonnen hatte, sich über das Kölner Umfeld hinaus auszubreiten. Damit schlösse sich auch der Kreis zu Willy Fleckhaus, der 1950 Redakteur der vom Bund-Verlag herausgegeben und in Köln erscheinenden gewerkschaftlichen Jugendzeitschrift Aufwärts geworden war und 1953 deren gestalterische Leitung übernahm.
Ähnlich sah dies auch Guido Grünewald, nach dem Nikel spätestes 1956 die Leitung der am 7. Januar 1956 gegründeten Ortsgruppe Frankfurt der GdW übernommen hatte.
Nikel war anschließend im VK aktiv, der am 4. Mai 1958 durch die Fusion der GdW mit Teilen der ldK entstand war. Auf dem Fusionskongress in Frankfurt wurde er als Referent in den Bundesvorstand gewählt, und auf dem ersten ordentlichen Bundeskongress am 15. und 16. November 1958 in Köln zum stellvertretenden Bundesvorsitzenden. In anderen Funktionen blieb er noch bis 1961 im Bundesvorstand aktiv.