An diesem Tag

Hans-Adolf Asbach

Deutscher Politiker (GB/BHE), MdL, Landesminister in Schleswig-Holstein

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Hans-Adolf Asbach (* 18. September 1904 in Demmin; † 31. März 1976 in Eutin) war ein deutscher Jurist und Politiker (GB/BHE). In der Zeit des Nationalsozialismus war Asbach als Kreishauptmann an der Durchsetzung der deutschen Politik im besetzten Polen und in Galizien beteiligt. Von 1950 bis 1957 war er Sozialminister des Landes Schleswig-Holstein. Ein 1961 eingeleitetes Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts, Asbach sei an der Ermordung von Juden beteiligt gewesen, führte nicht zu einer Anklageerhebung.

Der Sohn eines Konrektors absolvierte nach dem Abitur in Demmin ein Studium der Rechtswissenschaft an den Universitäten Freiburg und Kiel, welches er 1930 mit dem ersten und 1934 mit dem zweiten juristischen Staatsexamen beendete. Während seines Studiums wurde Asbach 1926 Mitglied der Burschenschaft Arminia Kiel, 1951 Mitglied der Burschenschaft Hansea Hamburg. Hans-Adolf Asbach war verheiratet mit Waltraut geb. Heidemann und hatte drei Kinder.

Zum 1. Mai 1933 trat Asbach in die NSDAP ein (Mitgliedsnummer 2.251.967). Ab 1934 arbeitete er als Rechtsberater für die Deutsche Arbeitsfront in Stettin; ab 1939 leitete er das dortige Sozialamt. Zwischen 1934 und 1935 war er Mitglied der SA. Danker und Lehmann-Himmel charakterisieren ihn in ihrer Studie über das Verhalten und die Einstellungen der Schleswig-Holsteinischen Landtagsabgeordneten und Regierungsmitglieder der Nachkriegszeit in der NS-Zeit als „exponiert nationalsozialistischen Besatzungsakteur“.

Kreishauptmann im Generalgouvernement

Nach dem deutschen Überfall auf Polen wechselte Asbach Anfang Januar 1940 als Referent in die Regierung des Generalgouvernements in Krakau. Im Oktober 1940 wurde er als Kreishauptmann oberster ziviler Verwalter des Landkreises Janów Lubelski. Als Kreishauptmann ließ Asbach im März 1941 ein Straflager für „Arbeitsscheue“ und Personen einrichten, die Anordnungen nicht erfüllt haben oder Pflichten nicht nachgekommen sein sollen. Im Februar und Juni 1941 setzte er die Aussiedlung von ungefähr 2200 polnischen Juden aus der Stadt Kraśnik in Gang. Nach eigenen, Ende der 1940er Jahre entstandenen Aufzeichnungen hatte Asbach bereits bei seiner Bewerbung um eine Stelle im Generalgouvernement die Stelle eines Kreishauptmanns angestrebt, da er so „an nicht unwichtiger Stelle meinem Heimatland viel nützen“ könne. Als Kreishauptmann habe er einen „selbständigen, unabhängigen, ja fast selbstherrlichen Wirkungskreis“ gehabt, so Asbach.

Im August 1941 wurde Asbach Kreishauptmann von Bereschany (polnisch: Brzeżany), einer im Distrikt Galizien gelegenen Stadt, die nach dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion Teil des Generalgouvernements geworden war. In Bereschany unterstanden Asbach gut 20 deutsche und circa 30 bis 40 polnische oder ukrainische Bedienstete, mit denen er die deutsche Besatzungspolitik gegenüber den rund 350.000 Einwohnern des Kreises durchsetzen sollte.

Im Oktober 1941 befahl Asbach eine Versammlung der in Bereschany lebenden Juden. Von den Versammelten wurden 600 festgehalten; für ihre Freilassung erhob Asbach von der jüdischen Gemeinde der Stadt eine Kontribution, für die es keine rechtliche Grundlage gab. Trotz der gezahlten Kontribution wurden die festgehaltenen Juden am nächsten Tag erschossen.

Einen Teil der Kontribution verwandte Asbach für die Anfertigung von Plänen zur Umgestaltung der Stadt Bereschany, die im Krieg stark zerstört worden war. Nach eigenen späteren Angaben wollte Asbach „aus meiner Stadt Brzezany ein architektonisches Kleinod des Ostens […] machen“; dabei sah er sich in der Tradition der „deutschen Baumeister des Mittelalters in Krakau u[nd] Warschau“. Asbach beauftragte zwei Dresdner Architekturprofessoren mit der Stadtplanung und dem Entwurf von Gebäuden. Im Zuge der Bauplanungen wurde ein Stadtteil Bereschanys vollständig abgerissen. Für die Arbeiten wurden etwa 250 bis 400 Juden herangezogen, die in einem Zwangsarbeitslager untergebracht waren. Nach Zeugenaussagen stießen Asbachs Bauplanungen sowie sein aufwändiger Lebensstil mehrfach auf die Kritik vorgesetzter Behörden.

In Bereschany gab es bereits früh einen festen Wohnbezirk für Juden; die Einrichtung eines Ghettos verzögerte sich durch die Kriegszerstörungen und Asbachs Bauplanungen. Nach mehrfachen Aufforderungen vorgesetzter Behörden wurde im Herbst 1942 ein Ghetto eingerichtet, das Ende 1942 vollständig abgeriegelt war. Die Lebensbedingungen im Ghetto waren von Hunger, Krankheit und Tod gekennzeichnet, in einzelnen Häusern wohnten zwischen 150 und 200 Juden. Asbachs Verhalten gegenüber den Juden in Bereschany wird als das eines überzeugten Antisemiten beschrieben, „der die Vertreibung der Juden aus seinem Kreis äußerst gründlich betrieb. Dies geschah allerdings unter Ausnutzung ihrer Arbeitskraft und ihrer finanziellen Ressourcen.“

Im Februar 1943 wurde Asbach zur Wehrmacht eingezogen. Asbach behauptete nach Kriegsende, er habe sich wegen Streitigkeiten zwischen der Zivilverwaltung und den Sicherheitskräften freiwillig und gegen den Willen seiner Vorgesetzten zur Wehrmacht gemeldet. Laut Zeugenaussagen war Asbachs Nachfolger bereits im Januar 1943 in Bereschany eingetroffen, konnte sein Amt als Kreishauptmann jedoch nicht übernehmen, da Asbach sich weigerte, seinen Posten zu räumen. Möglicher Hintergrund von Asbachs Ausscheiden sind Auseinandersetzungen zwischen der Zivilverwaltung und den Sicherheitskräften, bei denen seitens der Zivilverwaltung die bei systematischen Ermordung der Juden angewandten Methoden kritisiert wurden. So wandten sich Verwaltungsstellen gegen „Menschenjagden“ in der Öffentlichkeit, da ein Ansehensverlust im polnischen und ukrainischen Bevölkerungsanteil befürchtet wurde. Zudem gab es Differenzen um die Rückstellung von Juden, die als Zwangsarbeiter benötigt wurden.

Bei Kriegsende wurde Asbach im April 1945 in der Nähe von Wismar von britischen Truppen gefangen genommen. Im Juni 1945 wurde er aus der alliierten Kriegsgefangenschaft entlassen. Asbach zog nach Schleswig-Holstein und arbeitete zunächst als Landarbeiter in Rixdorf. Ab März 1946 absolvierte er eine Maurerlehre, die er im April 1948 mit der Gesellenprüfung abschloss. Zunächst weiter als Maurer tätig, wurde er Ende 1948 arbeitslos. In der Entnazifizierung war Asbach 1947 in die Kategorie V („unbelastet“) eingestuft worden. Wegen Asbachs Tätigkeit als Kreishauptmann von Janów Lubelski hatte die Volksrepublik Polen einen Auslieferungsantrag gestellt.

Ab 1947 verfasste Asbach umfangreiche autobiographische Aufzeichnungen über sein Leben bis in die Nachkriegszeit. Dabei sprach er Polen im Hinblick auf die Vertreibung der Deutschen die moralische Berechtigung ab, deutsche Kriegsverbrecher namhaft zu machen. Angesichts Äußerungen von Politikern und Vertretern der Kirche zur Schuldfrage wie dem Stuttgarter Schuldbekenntnis vom Oktober 1945 behauptete Asbach, damit würden „Selbstzerfleischung und Selbstanklage […] zum System erhoben“. Dem Historiker Markus Roth zufolge offenbaren die Aufzeichnungen Asbachs ein Denken in Polaritäten, in „nachträglich imaginierten oder zweckmäßig zugespitzten Gegensätze[n]“, beispielsweise zwischen Zivilverwaltung und SS, bei denen Asbach „immer auf der richtigen Seite“ stand. Dabei nehme Asbach reale Bezugspunkte und verbiege sie „durch Weglassungen, Verschiebungen und Absolutsetzungen zu einer exkulpierenden Tatsache“. „Asbach hat, folgt man seinen Aufzeichnungen, von nichts gewußt, nichts Schlimmes getan und musste hilflos dem Treiben anderer zusehen. Die Frage nach eigener Schuld oder Verantwortung blendete er komplett aus“, so Roth. Bei einer Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre vorgenommenen Überarbeitung versuchte Asbach antisemitische Passagen seiner Aufzeichnungen zu entschärfen, „allerdings mit nur mäßigem Erfolg“. Roth führt dies mehr auf einen „Anpassungsprozess nach außen“ als auf einen Einstellungswandel zurück.

Sozialminister in Schleswig-Holstein

In der Zeit seiner Arbeitslosigkeit ab 1949 engagierte sich Asbach in Vertriebenenorganisationen: So war er als Rechtsberater für Flüchtlinge und Vertriebene aktiv und wurde Sozialreferent der Pommerschen Landsmannschaft. Im Januar 1950 war er Gründungsmitglied der Vertriebenenpartei Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten (BHE) und gehörte anschließend dem Landesvorstand in Schleswig-Holstein an. Bei der Landtagswahl im Juli 1950 erzielte der BHE 23,4 Prozent; Asbach erhielt ein Direktmandat im Wahlkreis Eutin-Ost und 39,9 Prozent der Stimmen, das beste BHE-Ergebnis in einem Wahlkreis. Nach der Wahl bildete sich eine Koalition aus CDU, DP, FDP und BHE; der CDU-Politiker Walter Bartram wurde zum Ministerpräsidenten gewählt und berief Asbach am 5. September 1950 als Minister für Soziales, Arbeit und Flüchtlingsfragen in die Landesregierung.

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