An diesem Tag

Hannelore Elsner

Deutsche Schauspielerin, Synchronsprecherin und Autorin (1942–2019)

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Hannelore Elsner (* 26. Juli 1942 als Hannelore Elstner in Burghausen; † 21. April 2019 in München) war eine deutsche Schauspielerin, die unter anderem unter der Regie von Edgar Reitz, Doris Dörrie, Oskar Roehler und István Szabó arbeitete und eine der bekanntesten Charakterdarstellerinnen Deutschlands war. Sie spielte in ihrer 60-jährigen Karriere in über 220 Film- und Fernsehproduktionen mit und war auch eine profilierte Theaterschauspielerin.

Hannelore Elsner wurde 1942 in Burghausen geboren und wuchs in Altötting auf. Ihr zwei Jahre älterer Bruder starb gegen Ende des Zweiten Weltkriegs bei einem Tieffliegerangriff, als sie noch keine drei Jahre alt war. Wenige Tage zuvor war ein weiterer Bruder geboren worden. Nach dem Tod des älteren Bruders richtete sie ihre Liebe vor allem auf den Vater, einen österreichischen Ingenieur, der an Tuberkulose starb, als sie acht Jahre alt war.

Elsner besuchte die Klosterschule in Neuötting, das Klosterinternat der Englischen Fräulein auf Schloss Neuhaus am Inn und das humanistische Gymnasium in Burghausen. Ihre Mutter zog später mit ihr nach München. Als Elsner 16 Jahre alt war, lernte sie den türkischen Regisseur Halit Refiğ kennen, der ihr eine Schauspielausbildung ermöglichte.

Elsner war von 1964 bis 1966 mit dem Schauspieler Gerd Vespermann verheiratet und von 1973 bis zu seinem Unfalltod 1981 mit dem Regisseur Alf Brustellin liiert. Sie soll um 1970 zudem mit dem Schauspieler und Synchronregisseur Michael Miller verheiratet gewesen sein. Aus einer Beziehung mit dem Regisseur Dieter Wedel stammt ihr 1981 geborener Sohn, der als Fotograf arbeitet. Später führte sie eine vierjährige Beziehung mit dem Filmproduzenten Bernd Eichinger. 1993 heiratete sie den Theaterdramaturgen und Verlagsleiter Uwe B. Carstensen. Die Ehe wurde im Jahr 2000 geschieden. Danach lebte sie bis Anfang 2002 mit dem Germanistikprofessor Günter Blamberger zusammen.

Im Mai 2011 veröffentlichte der Verlag Kiepenheuer & Witsch Elsners Lebenserinnerungen unter dem Titel Im Überschwang – Aus meinem Leben. Anlässlich ihres 70. Geburtstags zeigte Das Erste im Juli 2012 ein 45-minütiges Porträt Elsners in der Reihe Deutschland, deine Künstler.

Hannelore Elsner, die zuletzt in München und Frankfurt am Main lebte, erlag im April 2019 im Alter von 76 Jahren in einem Münchner Krankenhaus den Folgen einer Krebserkrankung. Sie wurde auf dem Friedhof von Burghausen beigesetzt.

Ausbildung und frühe Theaterarbeiten

Nach Abschluss der Schauspielausbildung in München begann Elsner ihre Karriere an Theatern in Köln, München und Berlin. 1962 sah man sie in einem der beliebtesten Volksstücke aus dem Kölner Millowitsch-Theater. Hier spielte sie neben Peter René Körner, Willy Millowitsch und Elsa Scholten in Tante Jutta aus Kalkutta. Erste Theaterengagements hatte sie ab 1964 an der Kleinen Komödie München, wo sie 1964 in dem Lustspiel Schöne Geschichten mit Papa und Mama von Alfonso Paso und 1966 in Vater einer Tochter von Curth Flatow an der Seite von Georg Thomalla spielte. An den Münchner Kammerspielen war sie als Ala in Dieter Giesings Inszenierung von Slawomir Mrozeks Tango (1966, mit Maria Nicklisch und Helmut Griem als Partnern) als erste Nackte an den Kammerspielen zu sehen. Elsner gastierte auch an der Komödie Berlin in dem Stück Eine Hand voll Brennesseln von Marc-Gilbert Sauvajon.

Im Alter von 17 Jahren gab Hannelore Elsner ihr Filmdebüt an der Seite von Freddy Quinn in Freddy unter fremden Sternen (1959). In dem Filmdrama Die endlose Nacht (1963) spielte sie die Rolle eines attraktiven mittellosen Starlets. In den 1960er und 1970er Jahren trat sie vor allem in Unterhaltungsfilmen in Erscheinung, darunter Allotria in Zell am See (1963 mit Beppo Brem), Die Lümmel von der ersten Bank (1967 mit Hansi Kraus), Zum Teufel mit der Penne und Pepe, der Paukerschreck (1968 bzw. 1969 mit Peter Alexander) sowie Hurra, wir sind mal wieder Junggesellen! (1971 mit Georg Thomalla).

In den 1970er Jahren übernahm Elsner zudem anspruchsvollere Rollen und profilierte sich als Charakterdarstellerin. 1970 sah man sie in Wolfgang Staudtes Krimikomödie Die Herren mit der weißen Weste an der Seite von Mario Adorf und Martin Held. In der Verfilmung des im Kalten Krieg spielenden Erfolgsromans Der Stoff aus dem die Träume sind von Johannes Mario Simmel verkörperte Elsner 1972 die Tschechin Irina, die ihrem Geliebten folgte und in den Westen floh. 1973 spielte sie in Aus dem Leben eines Taugenichts eine Gräfin; damit war sie seit dem Mauerbau die erste westdeutsche Darstellerin, die in einem Film der ostdeutschen Produktionsfirma DEFA mitwirkte. Im selben Jahr war sie neben Elke Sommer in dem von Edgar Reitz inszenierten Kriegsdrama Die Reise nach Wien als Marga Kroeber zu sehen, deren Mann an der Front kämpft. In Alf Brustellins Filmdrama Berlinger (1975) spielte Elsner in einer Doppelrolle die frühere und die neue Lebenspartnerin der Titelfigur (verkörpert von Martin Benrath). 1977 war sie in der Theodor-Fontane-Verfilmung Grete Minde in der Rolle der Trud Minde, der Ehefrau des Halbbruders der Titelfigur (Katerina Jacob), zu sehen. Eine weitere Hauptrolle unter der Regie von Edgar Reitz hatte sie als Ehefrau der Titelfigur in Der Schneider von Ulm (Tilo Prückner). 1980 spielte sie in Der grüne Vogel des international bekannten ungarischen Regisseurs István Szabó, einer Liebesgeschichte zur Zeit des Kalten Krieges. 1985 übernahm sie die Titelrolle in dem Drama Marie Ward – Zwischen Galgen und Glorie, das das Leben der katholischen Ordensschwester Maria Ward porträtiert. Hier war sie neben zahlreichen bekannten Kollegen, darunter Irm Hermann, Mario Adorf, Bernhard Wicki, Hans Quest, Anton Diffring und Mathieu Carrière, zu sehen.

Nach rund fünfzehn Jahren, in denen Elsner nicht an Kinoproduktionen mitwirkte, feierte sie ihre größten schauspielerischen Erfolge. Die Rolle der suizidgefährdeten Schriftstellerin Hanna Flanders in Oskar Roehlers Spielfilm Die Unberührbare brachte ihr im Jahr 2000 den Deutschen Filmpreis, den Deutschen Kritikerpreis und den Bayerischen Filmpreis ein. 2003 gewann sie erneut den Deutschen Filmpreis für ihre Rolle in Oliver Hirschbiegels Mein letzter Film, in dem sie eine alternde Schauspielerin verkörperte. Im selben Jahr gehörte sie zu den Gründungsmitgliedern der Deutschen Filmakademie.

Der Filmemacher Rudolf Thome besetzte sie 2003/2004 in der Hauptrolle seiner Trilogie Zeitreisen: in Rot und Blau als Architektin Barbara Bärenklau, in Frau fährt, Mann schläft als Zahnärztin Dr. Sue Süssmilch und in Rauchzeichen an der Seite von Adriana Altaras als Schankwirtin Annabella Silberstein. In der Komödie Alles auf Zucker! von Dani Levy (2004) war sie Marlene, die Ehefrau der Hauptfigur, des ehemaligen DDR-Sportreporters Jaeckie Zucker (Henry Hübchen). Im Jahr 2008 spielte sie in dem Filmdrama Kirschblüten – Hanami von Doris Dörrie an der Seite von Elmar Wepper, des unheilbar kranken Rudi, der nach dem unerwarteten Tod seiner Frau Trudi (Elsner) nach Japan reist, um ihr versäumtes Leben nachzuholen.

In der Filmbiografie Zeiten ändern dich (2010) über den Musiker Bushido übernahm Elsner die Rolle der Mutter. Von 2010 bis 2013 war sie die Direktorin Theobald in den Filmen über Hanni & Nanni. In Das Blaue vom Himmel (2011) war sie neben Juliane Köhler und David Kross in der Hauptrolle der demenzkranken Marga Baumanis zu sehen. In Marcus H. Rosenmüllers Spielfilm Wer’s glaubt, wird selig (2012) spielte sie eine herrische Schwiegermutter, die nach ihrem plötzlichen Tod heiliggesprochen werden soll, und in der Tragikomödie Auf das Leben! (2014) unter der Regie Uwe Jansons eine im Alter vereinsamte, durch den Holocaust traumatisierte Revue-Sängerin, die dank der Freundschaft zu einem jungen MS-Kranken neuen Lebensmut fasst. In Lars Kraumes Familienfest (2015) spielte sie die erste Ehefrau des Pianisten Hannes Westhoff (Günther Maria Halmer), eine „trinksüchtige Grande Dame“, und in dem deutsch-österreichisch-französischen Spielfilm Hannas schlafende Hunde (Kinostart: Juni 2016), der auf dem autobiografischen Roman der Autorin Elisabeth Escher basierte, die erblindete Ruth Eberth, deren junge Enkelin, Hanna, ihre jüdische Identität nicht verleugnen will.

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