An diesem Tag

Hanna Reitsch

Deutsche Flugpionierin und Fliegerin

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Hanna Reitsch (* 29. März 1912 in Hirschberg, Provinz Schlesien; † 24. August 1979 in Frankfurt am Main) war eine der bekanntesten und erfolgreichsten Fliegerinnen im Deutschland des 20. Jahrhunderts. Reitsch erflog mehr als 40 Rekorde in allen Klassen und Flugzeugtypen. Während der Zeit des Nationalsozialismus war sie als teils fanatische Unterstützerin des nationalsozialistischen Regimes aktiv. 1974 gab Reitsch ihre deutsche Staatsangehörigkeit auf und wurde Österreicherin.

Hanna Reitsch war das zweite von drei Kindern des Arztes Willy Reitsch, der eine Augenklinik leitete, und seiner Frau Emy (geb. Helff-Hibler von Alpenheim). Sie träumte bereits als Kind von der Fliegerei. Die Jugendliche gab als Traumberuf „fliegende Missionsärztin“ an. Wenn sie schulfrei hatte, fuhr sie mit dem Rad nach Grunau zum

Segelflugplatz. Dort lernte sie Anfang der 1930er-Jahre auch den jungen Wernher von Braun kennen, mit dem sie eine lebenslange Freundschaft verband. Im Jahr 1931 absolvierte sie ihr Abitur, anschließend besuchte sie die Koloniale Frauenschule in Rendsburg. Ab 1932 studierte sie Medizin in Berlin und Kiel.

Neben ihrem Studium erwarb die nur 1,50 Meter große Frau 1932 den Segel- und den Motorflugschein auf dem Flugplatz Berlin-Staaken. Noch im selben Jahr stellte sie ihren ersten Rekord, den Dauer-Segelflugrekord für Frauen (5,5 Stunden in der Luft) auf. Reitsch wurde 1933 von Wolf Hirth gebeten, als Fluglehrerin an seiner neuen Segelfliegerschule auf dem Hornberg bei Schwäbisch Gmünd zu arbeiten.

Im Juli 1933 flog sie mit ihrem Segelflugzeug „Onkel Otto“ im Blindflug durch eine Wolkenformation. Obwohl nach einer Viertelstunde die Instrumente ausfielen, konnte sie das Flugzeug noch eine weitere Dreiviertelstunde ohne Sicht in der Luft halten. Erst nach Verlassen der Wolken erkannte sie, dass sie sich im Rückenflug befand. Sie konnte die Maschine wieder in eine normale Lage bringen und landen, wobei der Landeplatz 600 m über dem Startort lag.

1933 wirkte sie als fliegerische Beraterin am Film Rivalen der Luft mit. Im Zusammenhang mit den Flugaufnahmen gelang ihr am 25. September 1933 bei Rossitten und Pillkoppen ein neuer Weltrekord im Dauerflug von 7 Stunden und 58 Minuten.

Von 1933 bis 1934 nahm sie an einer Forschungsexpedition in Brasilien und Argentinien teil und brach ihr Medizinstudium nach vier Semestern zugunsten der Fliegerei ab. 1936 stellte sie mit 305 Kilometer einen neuen Streckenweltrekord im Segelflug der Frauen auf. Weitere Rekorde folgten (siehe Abschnitt: Fliegerische Leistungen).

Als Versuchs- und Erprobungspilotin

Vom Juni 1934 an arbeitete Hanna Reitsch als Versuchspilotin für die Deutsche Forschungsanstalt für Segelflug (DFS) in Griesheim. Dabei arbeitete sie eng mit dem bekannten Konstrukteur und DFS-Abteilungsleiter Hans Jacobs zusammen. Als erste Frau der Welt wurde sie 1937 von Hermann Göring zum Flugkapitän ehrenhalber ernannt. Im September 1937 wurde sie als Versuchspilotin an die Flugerprobungsstelle der Luftwaffe Rechlin berufen. Dort erprobte sie Stukas, Bomber und Jagdflugzeuge. Von 1937 an flog sie den von Henrich Focke gebauten Hubschrauber Focke-Wulf Fw 61 (später umbenannt in Focke-Achgelis 61 bzw. Fa 61, nach dem Firmen-Mitinhaber und ehemaligen Kunstflieger und Testpiloten Gerd Achgelis), mit dem sie im Oktober desselben Jahres mit einem 109-km-Flug einen Streckenweltrekord für Hubschrauber aufstellte. 1938 führte Reitsch diesen Hubschrauber in der Deutschlandhalle in Berlin beim ersten Hubschrauber-Hallenflug der Welt vor (erster Versuchsflug am 14. Februar 1938, erste öffentliche Vorführung im Rahmen der Internationalen Automobil- und Motorrad-Ausstellung Anfang März 1938). Auch ein Flug mit dem Motorsegler und Nurflügler Horten H II (Kennzeichen D-11-187) der Brüder Horten in der Nähe von Berlin im November 1938 ist durch einen ihrer Testberichte dokumentiert, in dem sie unter anderem vermerkt, dass sie den Fahrwerkhebel aufgrund ihrer zu kurzen Arme nicht bedienen konnte.

Als Versuchspilotin flog Reitsch zusammen mit Erich Klöckner 1939 den für die deutschen Luftlandetruppen vorgesehenen Großsegler DFS 230 ein und am 8. März 1941, elf Tage nach dem Erstflug, den Lastensegler Me 321.

Mit der Dornier Do 17 und der Heinkel He 111 flog sie Versuche, um herauszufinden, ob die Stahlseile britischer Ballonsperren mit einem vor dem Bug des Flugzeuges angebrachten Gerät zerschnitten werden konnten. 1942 flog Reitsch in Augsburg das Raketenflugzeug Messerschmitt Me 163 – allerdings lediglich im reinen Schleppflug in einer antriebslosen Zelle der Me 163 ohne den hochexplosiven Zwei-Komponenten-Raketen-Treibstoff. Dies war Reitsch aufgrund ihrer damaligen Bedeutung für die NS-Propaganda ausdrücklich untersagt worden, da man das damit verbundene hohe Risiko eines schweren (Start-)Unfalls, wie er nicht selten war, nicht eingehen wollte. Dennoch wurde sie bei einem Landeunfall mit der Me 163b schwer am Kopf verletzt, als sie mit dem Gesicht in das Reflexvisier geschleudert wurde.

Nach der Genesung nahm sie an Versuchen mit der bemannten Fieseler Fi 103, dem Reichenberg-Gerät, teil. Bei ihrer Erprobungstätigkeit wurde Hanna Reitsch noch mehrmals schwer verletzt. Für ihren Einsatz erhielt sie unter anderem das Eiserne Kreuz zweiter und erster Klasse (das EK I als einzige Frau der deutschen Geschichte) und das Flugzeugführer- und Beobachterabzeichen in Gold mit Brillanten (Melitta Schenk Gräfin von Stauffenberg und Reitsch waren die einzigen so ausgezeichneten Frauen).

Ab dem Winter 1943/1944 setzte Reitsch sich für die Entwicklung der „Selbstopfer“-Flugzeuge ein. Dieses Projekt, das sie am 28. Februar 1944 Adolf Hitler vorschlug, sah bemannte Bomben vor, bei denen der Tod des Piloten in Kauf genommen wurde, ähnlich dem japanischen Tokkōtai („Kamikaze“). Das Projekt stieß in der Luftwaffenführung auf erheblichen Widerstand und wurde nicht realisiert.

Hanna Reitsch wuchs in einem deutschnationalen Klima auf, wie es damals bei vielen Deutschen nach dem Ersten Weltkrieg verbreitet war. Die Reitschs wandten sich früh den Nationalsozialisten zu, da diese eine Revision des Friedensvertrages von Versailles und der anschließenden Teilung Oberschlesiens versprachen. Hanna Reitsch selbst war eine begeisterte persönliche Anhängerin Hitlers, dem sie bis zuletzt die Treue hielt: „Es mag eine Führung richtig oder falsch gewesen sein – das zu beurteilen ist nicht an mir. Wenn man aber zu dieser Führung hauptverantwortlich gehört, muss man bereit sein, mit ihr unterzugehen.“

Dennoch war Reitsch keine „klassische Nationalsozialistin“. Grundlage ihrer politischen Überzeugung waren vielmehr leicht missdeutige Begriffe wie „Treue“ und „Vaterlandsliebe“. Sie war weder Mitglied der NSDAP noch einer anderen NS-Organisation. Auch eine „Ehrenmitgliedschaft“ beim Bund Deutscher Mädel (BDM) nahm sie nicht an. Die NS-Rassenpolitik lehnte Reitsch ausdrücklich ab und unterstützte mit ihrer Familie die ablehnende Haltung der schlesischen evangelischen Kirche. Als die Gerüchte über die Vernichtungslager bekannt wurden, sprach sie ausgerechnet den Reichsführer SS Heinrich Himmler auf den Wahrheitsgehalt dieser Behauptungen an.

Auch Reitsch bekam das damals frauenfeindliche Klima zu spüren: 1936 wurde ihr als Frau zunächst die Teilnahme am Rhön-Flugwettbewerb verweigert, und in das NS-Fliegerkorps wurde sie nicht aufgenommen. Dennoch ließ sie sich vom NS-Regime instrumentalisieren. Nach dem Kriegsausbruch berichtete die populäre Fliegerin auf zahlreichen Vortragsreisen durch ganz Deutschland von ihrer Arbeit als Testpilotin und rief die Jugend zum Einsatz für das Vaterland auf. Zur „Hebung der Moral der Truppe“ besuchte sie Ende 1943 zudem die Ostfront.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs setzte sich Hanna Reitsch mit zunehmendem Fanatismus für einen vermeintlichen Endsieg des nationalsozialistischen Deutschen Reichs ein. So warb sie dafür, dass sich deutsche Soldaten in bemannten V1-Marschflugkörpern auf feindliche Ziele stürzen, um diese in so genannten Selbstmordeinsätzen zu zerstören.

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Hanna Reitsch | World in Stories