Hanna Johansen, Pseudonym von Hanna Margarete Muschg (* 17. Juni 1939 als Hanna Margarete Meyer in Bremen; † 25. April 2023 in Horgen) war eine deutsch-schweizerische Schriftstellerin.
Hanna Muschgs frühe Jugend wurde durch die Kriegserfahrung geprägt, eine Erfahrung, die sie später in ihrer dritten Veröffentlichung Die Analphabetin (1982) aufgriff. In diesem Text wird aus der Perspektive einer Fünfjährigen von Bombennächten im Bunker erzählt.
Sie studierte nach dem Besuch des Gymnasiums Altphilologie, Germanistik und Pädagogik an den Universitäten Marburg und Göttingen. Von 1967 bis 1969 lebte sie in Ithaca im amerikanischen Bundesstaat New York. 1972 zog sie mit ihrem damaligen Ehemann, dem Schriftsteller Adolf Muschg, nach Kilchberg bei Zürich, wo sie seitdem ansässig war. Mit ihm hatte sie zwei Söhne.
Hanna Muschg begann ihre literarische Laufbahn als Übersetzerin zeitgenössischer amerikanischer Avantgarde-Autoren und Autorinnen wie Grace Paley und Walker Percy.
1978 erschien unter dem Pseudonym Hanna Johansen ihr Romandebüt Die stehende Uhr. In den folgenden vier Jahrzehnten verfasste sie zahlreiche Romane, Erzählungen, Hörspiele und war auch als Kinderbuch-Autorin sehr erfolgreich. In ihrem 2014 publizierten Buch Der Herbst, in dem ich Klavier spielen lernte sieht der Literaturkritiker Charles Linsmayer mehr als eine Widerspiegelung der Erfahrung darüber, wie es ist, mit 71 Jahren Klavier spielen zu lernen. Für ihn repräsentiert das Buch zu mehr als achtzig Prozent eine Autobiografie, und zwar der leichtesten, aber auch der eindringlichsten und der berührendsten Art.
2022 kamen als letzte Publikationen der Essay-Band Bilder. Geschichten vom Sehen sowie Alphabet der Träume mit ihren gesammelten Kindergedichten heraus.
Die Autorin war Mitglied des PEN-Zentrums der Schweiz und korrespondierendes Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt.
Hanna Johansen starb im April 2023 im Alter von 83 Jahren in Horgen.
Ihr Archiv befindet sich im Schweizerischen Literaturarchiv in Bern.
1980 Ehrengabe des Kantons Zürich
1986 Marie Luise Kaschnitz-Preis
1987 Conrad-Ferdinand-Meyer-Preis (gemeinsam mit Martin Hamburger)
1990 Schweizerischer Jugendbuchpreis
1991 Kinderbuchpreis des Landes Nordrhein-Westfalen
1993 Österreichischer Kinder- und Jugendbuchpreis
1993 Literaturpreis des Landes Kärnten beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb
1993 Phantastik-Preis der Stadt Wetzlar für Über den Himmel
2003 Solothurner Literaturpreis