Die Hamburg Süd A/S & Co KG, kurz Hamburg Süd, war eine Reederei mit Sitz in Hamburg. Das Unternehmen wurde 1871 als Aktiengesellschaft von elf Hamburger Handelshäusern gegründet und gehörte von 1955 bis 2017 zur Oetker-Gruppe.
2016 beschäftigte das Unternehmen 6301 Mitarbeiter (davon 4894 an Land), betrieb 177 Schiffe (davon 116 Containerschiffe) und erzielte einen Jahresumsatz von 5,637 Mrd. Euro.
Am 1. Dezember 2016 teilte die Oetker-Gruppe mit, dass sie sich von ihrem Geschäftsfeld Schifffahrt trennen und die Hamburg Süd mit allen Aktivitäten, Tochtergesellschaften sowie dem wesentlichen Geschäftsvermögen an die dänische Reederei Mærsk Line verkaufen werde. Seit dem 1. Dezember 2017 gehört die Hamburg Süd zu A. P. Møller-Mærsk. Die Marke Hamburg Süd wurde zunächst bis 2023 weiterbetrieben. Das Eigentum der 105 Schiffe von Hamburg Süd und die Verantwortung für das Management der Schiffe liegt mit der Übernahme des Unternehmens bei Maersk in Kopenhagen. Die Seeleute auf den Hamburg Süd-Schiffen arbeiten direkt bei Maersk. Im April 2021 übernahm Poul Hestbaek die Geschäftsführung vom Vorgänger Arnt Vespermann.
Hamburg Süd war für den gesamten Handel, der über die Schiffe auf den Routen zwischen Europa und Südamerika, zwischen Asien und Südamerika und zwischen Nord- und Südamerika erfolgt, zuständig. Das Unternehmen ist keine eigenständige Reederei mehr und trat nach der Übernahme durch Maersk aus dem Verband Deutscher Reeder (VDR) aus.
Anfang August 2025 wurde die Gesellschaft wegen Verschmelzung mit der Maersk A/S & Co. KG aus dem Handelsregister gelöscht.
Anfänge und Zeit bis zum Ersten Weltkrieg
Die Hamburg-Südamerikanische Dampfschifffahrts-Gesellschaft (HSDG) wurde 1871 im Zuge einer Kapitalerhöhung als Nachfolgeunternehmen der seit 1869 bestehenden Hamburg-Brasilianischen Dampfschiffahrts-Gesellschaft gegründet. Das anfängliche Aktienkapital belief sich auf 1,25 Millionen Taler, wovon 65,2 % durch die Commerz- und Disconto-Bank an die Börse gebracht wurden. Weitere 28,5 % wurden durch die Reederei August Bolten und die Hamburg-Brasilianische Dampfschiffahrts-Gesellschaft eingebracht, den Rest übernahmen verschiedene Hamburger Unternehmen. Erster Vorsitzender der Gesellschaft wurde Heinrich Amsinck (1824–1883).
Die neue Reederei übernahm die drei Schiffe der Hamburg-Brasilianischen Dampfschiffahrts-Gesellschaft mit insgesamt knapp 4.000 Bruttoregistertonnen (BRT) und kaufte einen weiteren Dampfer hinzu. Alle vier Schiffe verkehrten im monatlichen Liniendienst zwischen Hamburg und Brasilien sowie Argentinien. Ab 1873 kamen erste Neubauten zur Reederei und im Oktober 1873 mit der 2.247 BRT großen, von der Reiherstiegwerft gelieferten Valpareiso das erste in Deutschland für die HSDG gebaute Schiff. Erster deutscher Konkurrent im Verkehr nach Brasilien und Argentinien wurde schon 1875 der Norddeutsche Lloyd (NDL) aus Bremen, der zeitweise sogar einen höheren Verkehrsanteil erreichte.
1881 gab Heinrich Amsinck aus gesundheitlichen Gründen den Vorsitz des Verwaltungsrats ab. Nachfolger war Ferdinand Laeisz (1801–1887), der bekannte Segelschiffsreeder, der den Vorsitz aber schon 1885 an seinen Sohn Carl Laeisz (1828–1901) übergab. Nach dem Tod seines Bruders Heinrich vertrat Martin Garlieb Amsinck (1831–1905) die Familie Amsinck im Verwaltungsrat. Bis 1885 wuchs die Flotte der Reederei auf 16 Dampfer mit 30.000 BRT.
Die im Oktober 1890 von Blohm & Voss für den Brasilien-Dienst gelieferte Amazonas war das erste Schiff der Reederei von über 3.000 BRT Größe. Die 4.000 BRT wurden im Oktober 1895 mit der Asuncion (4.663 BRT, Blohm & Voss) erreicht, dem Typschiff einer Serie von elf Schiffen, die von Blohm & Voss und der Reiherstiegwerft bis 1899 geliefert wurden. Im Jahr 1900 kamen mit den ersten Cap-Dampfern erstmals Schiffe in den Dienst der HSDG, die über luxuriöse Passagiereinrichtungen verfügten. Die neun Schiffe bis 1914, deren Namen mit Cap begannen, gehörten bei ihrer Indienststellung zu den größten auf der Route nach Südamerika eingesetzten Schiffen. Mit ihren gelben Schornsteinen unterschieden sie sich auch äußerlich von den einfacheren Schiffen der HSDG. Die 1900 als dritter Cap-Dampfer von der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft gebaute Cap Verde war der erste Neubau, der von einer anderen deutschen Werft geliefert wurde als den vorgenannten Hamburger Werften, die aber bis 1914 Hauptlieferanten der HSDG blieben.
Am 1. November 1900 kaufte die Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Actien-Gesellschaft (Hapag) unter Albert Ballin die 14 in der Südamerikafahrt beschäftigten Dampfer der Reederei A. C. de Freitas & Co., seit 1892 ein Poolpartner, seit Januar 1900 aber der Hauptkonkurrent der HSDG in der Südamerikafahrt. Um einem Ratenkampf mit diesem mächtigen neuen Konkurrenten aus dem Weg zu gehen, beschloss man einen Gemeinschaftsdienst der beiden Hamburger Reedereien, wobei der Hamburg-Süd zwei Drittel und der Hapag ein Drittel des Verkehrs zufallen sollte.
1906 begann mit den Dampfern Cap Vilano und Cap Arcona (I) in der Südamerikafahrt das Zeitalter der luxuriösen Passagierdampfer, wobei die Hapag noch zwei weitere Schwesterschiffe bauen ließ. Mit der Cap Finisterre (14.503 BRT, 16,5 kn) folgte 1911 der erste Schnelldampfer. 1914 kam dann als neues Flaggschiff der HSDG-Flotte noch die Cap Trafalgar (18.710 BRT, 17 kn) in Dienst.
1914 verfügte die Reederei über 56 Schiffe mit insgesamt 325.031 BRT. Sie war damit die viertgrößte deutsche Reederei nach der Hapag, dem NDL und der DDG Hansa. In Bau befanden sich der fast fertige Schnelldampfer Cap Polonio, der erstmals 20.000 BRT überschreiten sollte, und drei kleinere Frachtdampfer.
Der erste Verlust eines Schiffes trat am 14. August 1914 ein, als die Santa Catharina (4.247 BRT, 1907) auf einer Reise von New York nach Santos vom britischen Kreuzer Glasgow kurz vor ihrem Ziel gekapert wurde. Die Briten brachten ihre Beute zur brasilianischen Insel Abrolhos, die sie als Versorgungsbasis nutzten. Dort geriet die Bunkerkohle der Santa Catharina in Brand und nach vergeblichen Löschversuchen versenkte die Glasgow am 20. August das deutsche Schiff.
Das Flaggschiff der HSDG, die Cap Trafalgar, hatte bei Kriegsausbruch Buenos Aires erreicht und sollte als Hilfskreuzer eingesetzt werden. Sie lief am 18. August Montevideo an, übernahm dort Kohlen und lief am 23. August wieder aus, um sich mit dem aus Kapstadt kommenden Kanonenboot Eber zu treffen, das seine Waffen und den großen Teil seiner Besatzung an den Schnelldampfer abgab und ihn am 31. August als Hilfskreuzer in Dienst stellte. Nach einer erfolglosen ersten Suchfahrt wurde die Cap Trafalgar bei einem Treffen mit deutschen Versorgungsschiffen am 14. September 1914 bei der brasilianischen Insel Trindade vom britischen Hilfskreuzer Carmania überrascht, der die Cap Trafalgar versenkte.
Am 8. Dezember 1914 versenkte der britische Kreuzer Bristol bei den Falklandinseln die Santa Isabel (5.199 BRT, 1914), die seit August als Versorger dem Kleinen Kreuzer Dresden und dann dem Kreuzergeschwader gedient hatte.
Die Dresden war zuvor schon von der Corrientes (3.720 BRT, 1894) versorgt worden, und der Karlsruhe dienten die HSDG-Dampfer Asuncion (4.663 BRT, 1895) und Rio Negro (4.613 BRT, 1905) als Versorger. Der Rio Negro gelang es, die Überlebenden der Karlsruhe nach deren Untergang in die Heimat zu bringen. Das Einlaufen der Asuncion mit über 400 Gefangenen der Karlsruhe nach Belém führte zu einer stärkeren Kontrolle der deutschen Schiffe in Brasilien und dem Hinweis an die Botschaft, man werde weitere Versorgungen von Kriegsschiffen durch die aufliegenden Schiffe nicht dulden.
In der Heimat ging die als Sperrbrecher eingesetzte Sao Paulo (4.724 BRT, 1896) am 14. Januar 1915 durch einen Minentreffer in der Nordsee verloren und im September/Oktober 1915 gingen die Entrerios (4.395 BRT, 1902), die Gutrune (3.039 BRT, 1906) und die Pernambuco (4.788 BRT, 1897) im Erztransport von Luleå in Schweden nach Deutschland verloren, wobei die beiden letzteren vom britischen U-Boot E9 versenkt wurden.