Die Hamas (arabisch حركة المقاومة الإسلامية, DMG Ḥarakat al-muqāwama al-islāmiyya ‚Islamische Widerstandsbewegung‘, Aussprache: im Arabischen [ħaˈmaːs], im Deutschen auch [haˈmaːs] oder [haˈmas]) ist eine palästinensische sunnitisch-islamistische Organisation, die international von 41 Staaten als terroristische Vereinigung eingestuft wird. Sie wurde im Dezember 1987 anlässlich der Ersten Intifada im Gazastreifen als regionaler Ableger der Muslimbruderschaft durch Scheich Ahmed Yassin und weitere Muslimbrüder gegründet. Als arabisches Akronym HAMAS steht der Name der Organisation auch für „Eifer“ bzw. „Glaubenseifer“ (arabisch حماس, DMG ḥamās ‚Begeisterung, Eifer, Kampfgeist‘). Die Hamas besteht aus einer politischen Partei, einer Hilfsorganisation und den paramilitärischen Izz-ad-Din-al-Qassam-Brigaden. Ihre gesamte Mitgliederzahl wurde bis Oktober 2023 auf 35.000 bis 80.000 geschätzt. Das erklärte Ziel der Hamas ist es, den Staat Israel zu vernichten und auf dessen Gebiet einen islamischen Gottesstaat zu errichten.
2006, ein Jahr nach Israels Rückzug aus dem Gazastreifen, erhielt die Hamas bei den bislang letzten freien Parlamentswahlen in den palästinensischen Autonomiegebieten die Mehrheit der Wählerstimmen im Gazastreifen. Im sogenannten Kampf um Gaza im Juni 2007 schaltete sie dort die konkurrierende säkulare Fatah aus und ergriff gewaltsam die Macht im Gazastreifen, den sie seither regiert. Seit 1989 greift die Hamas Israel immer wieder durch Terrorakte an, darunter Morde, Selbstmordanschläge und Beschuss mit Qassam-Raketen. Damit löste sie mehrere Gaza-Kriege aus. Bei ihrem Terrorangriff auf Israel am 7. Oktober 2023 ermordete sie mindestens 1139 Menschen und löste den Krieg in Israel und Gaza seit 2023 aus. Deshalb stufen Historiker und Politikwissenschaftler, die Europäische Union, die USA und weitere Staaten die Hamas als Terrororganisation ein. Als engste Verbündete der Hamas gelten die Mitglieder der „Achse des Widerstands“ unter der Führung Irans.
Die Hamas entstand aus der 1928 in Ägypten gegründeten Muslimbruderschaft. Diese nahm zwischen 1936 und 1939 am arabischen Aufstand in Palästina teil. Diesen verstand ihr Gründer Hassan al-Banna als religiöse Pflicht aller Muslime zum bewaffneten Dschihad, um allen islamischen Boden von westlichen Kolonialisten sowie „Zionisten“ (jüdischen Siedlern) zu befreien. Dabei folgte er dem Motto von Izz ad-Din al-Qassam von 1935 „Entweder Sieg oder Märtyrertod“. Damals begann auch das nationalsozialistische Deutschland eine Propagandakampagne im Nahen Osten mit dem Ziel, dort Antisemitismus zu schüren und zu verbreiten. 1937 erschien dazu in Kairo die Schrift „Islam und Judentum“, die anschließend auf der ersten panarabischen Konferenz verteilt wurde. Darin verbanden die Nationalsozialisten muslimischen Antijudaismus mit europäischem Antisemitismus, nach Matthias Küntzel mit der Absicht, daraus einen politischen Antisemitismus zu schaffen, der ihren Zielen dienen sollte. Zudem verbreiteten sie über den Radiosender Zeesen antisemitische Propaganda auf Arabisch, an der auch der Großmufti von Jerusalem, Mohammed Amin al-Husseini teilnahm. Wie dieser benutzte der Sender auch Koranzitate, um antisemitisches Gedankengut zu verbreiten. Während des arabischen Aufstands rief die Muslimbruderschaft zum Boykott jüdischer Geschäfte auf. Zudem unterstützte das NS-Regime sie verdeckt finanziell. Mit Kriegsbeginn sollte über den Radiosender ein Putsch der arabischen Bevölkerung gegen die Briten in Ägypten, Irak und Palästina angestachelt werden. Nachdem der Afrikafeldzug gescheitert war, sollten wiederum die Araber (statt der ursprünglich geplanten SS-Einsatzgruppe) in der Region dazu gebracht werden, die Juden in Ägypten und Palästina auszulöschen. Im Gegenzug wollte das NS-Regime das britische Kolonialreich zerstören und einen jüdischen Staat in Palästina verhindern. Nach Ende das Krieges verbreitete die Muslimbruderschaft auch weiter antisemitische Ansichten, die nach Jeffrey Herf sehr stark denen ähnelten, welche während des Krieges – bis 1945 – im Sender Zeesen zu hören waren. Bis heute seien in der arabischen Welt antisemitische Stereotype verbreitet, welche der NS-Propaganda entstammten und auch von der Hamas bedient würden. So werden von einigen etwa die Mitglieder der 13. SS-Division „Handschar“ immer noch als Helden verehrt, deren Aufstellung 1943 auch unter der Mithilfe von al-Husseini erfolgte.
Als 1944 absehbar war, dass Deutschland den Krieg verlieren würde, wollte man zumindest noch verhindern, dass der Staat Israel gegründet würde. Hier setzten die Nazis ebenfalls auf die Araber, indem sie etwa 1944 Munitionskisten über Palästina abwarfen oder 1945 al-Husseini weitere Geldmittel zur Verfügung stellten. Von 1945 bis 1947 entstanden in Palästina Gruppen von Muslimbrüdern, die Al-Banna dem inzwischen im Exil lebenden al-Husseini unterstellte. Ein Teil nahm ab 15. Mai 1948 am Palästinakrieg sechs arabischer Staaten gegen Israel teil, welcher nach Küntzel nicht zuletzt eben auch durch die NS-Propaganda inspiriert wurde, da diese es so darstellte, als sei das einzige Ziel der Gründung des Staates Israels die Zerstörung des Islams und der arabischen Welt. Im Dezember 1948 verbot Ägyptens Regierung die Muslimbruderschaft, schloss mit Israel im Februar 1949 einen Waffenstillstand und behielt die Herrschaft über den Gazastreifen.
Dort setzte die nun verbotene Muslimbruderschaft ihre Aktivitäten als „Verein des islamischen Einheitsglaubens“ (Dschamiyat al-Tauhid) fort. Militante Teile ließen sich von ägyptischen Armeeoffizieren illegal ausbilden und gründeten ein „Bataillon des Rechts“ (katibat al-haqq) sowie eine „Rächende Jugend“ (schahab al-thar). Diese versuchten von 1952 an, mit Sabotage und Guerilla-Angriffen einen neuen Krieg gegen Israel zu entfachen. 1954 und erneut 1965 ließ Ägyptens Staatspräsident Gamal Abdel Nasser viele Muslimbrüder in Gaza verhaften und ihre Gruppen auflösen. Geflüchtete Muslimbrüder gründeten 1958 in Kuwait die säkulare Fatah mit, um den bewaffneten Kampf gegen Israel mit dem Ziel der Befreiung Palästinas fortzusetzen.
Nach dem Sechstagekrieg 1967 erlaubte Israels Militärverwaltung den Muslimbrüdern im Gazastreifen Koran- und Sportunterricht, um Jugendliche von der militanten Fatah fernzuhalten. Scheich Ahmad Yasin wurde 1968 Anführer der dortigen Muslimbrüder und teilte ihre Gruppen in fünf Bezirke ein, deren Anführer einen 14-köpfigen Exekutivrat unter seinem Vorsitz bildeten. Hauptziel war die Verbreitung des Islams in allen Gesellschaftsbereichen und der Bau von Moscheen. Dazu gründete Yasin 1970 einen „Islamischen Verein“ (al-dschamiya al-islamiya), der 1973 in Gaza-Stadt ein „Islamisches Zentrum“ (al-mudschama al-islami) eröffnete. Von dort aus lenkte und koordinierte der Verein die Arbeit der Muslimbrüder im Gazastreifen, gegliedert nach den Bereichen religiöse Leitung, Wohlfahrt, Erziehung, Soziales, Medizin und Sport. Der Verein wurde von saudi-arabischen Wahhabiten unterstützt und führte deren Kleidervorschriften mitsamt einem schwarzen Gesichtsschleier für muslimische Frauen ein. Er gewann durch soziale Wohltätigkeit erhebliche Popularität, während die Fatah, die Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) unter Jassir Arafat, Einfluss in den seit 1967 von Israel besetzten Palästinensergebieten verlor. 1979 ließ Israels Verwaltung Yasins Verein und dessen regionale Ableger offiziell zu.
Ermutigt durch die Islamische Revolution in Iran, verübten von Mudschama-Predigern aufgestachelte Islamisten im Januar 1980 einen Brandanschlag auf Gebäude des eher säkularen Roten Halbmonds und zerstörten weitere Gebäude in Gaza-Stadt. Daraufhin ließ Israels Militärgouverneur, Itzhak Segev, die Vereine der Muslimbrüder, ihren Moscheebau und ihre Freitagspredigten überwachen. Israels Regierung ließ jedoch weiter nur einige hundert Soldaten im Gazastreifen, da bislang nur säkulare Palästinenser Terroranschläge auf Israel verübt hatten. Dass Israels Militär und Geheimdienst Yasins Verein gezielt gegen die Fatah unterstützten, ist nicht eindeutig belegt; ab 1994 äußerten sich israelische Militärs und Politiker widersprüchlich dazu.