Haigerloch ist eine Stadt im Zollernalbkreis in Baden-Württemberg (Deutschland).
Haigerloch liegt nordwestlich der Schwäbischen Alb in 430 bis 550 Meter Höhe im Tal der Eyach, einem steilen Muschelkalktal, das hier zwei Schlingen bildet. Haigerloch nennt sich deshalb das Felsenstädtchen. Aufgrund des wildwachsenden Flieders ist auch die Bezeichnung „Fliederstädtchen“ geläufig.
Die Gemeinden sind im Uhrzeigersinn von Norden her aufgeführt und gehören zum Zollernalbkreis, sofern nicht anders angegeben.
Starzach ¹, Rangendingen, Grosselfingen, Balingen, Geislingen, Rosenfeld, Sulz am Neckar ², Empfingen ³ und Horb am Neckar ³.
Haigerloch besteht aus den neun Stadtteilen
die räumlich identisch mit den früheren Gemeinden gleichen Namens sind. Die offizielle Bezeichnung der Stadtteile erfolgt in der Form „Haigerloch-…“.
Zum Stadtteil Bittelbronn gehören das Dorf Bittelbronn und der Weiler Henstetten. Zum Stadtteil Gruol gehören das Dorf Gruol, das Gehöft Haldenhof und die Häuser Kroppenhofen, Niederhofen, Schlößle, Stocken und Untere Mühle. Zum Stadtteil Haigerloch gehören die Stadt Haigerloch, die Höfe Hospach und Seehof, die Höfe Kirchlesäcker und die Häuser Karlstal. Zum Stadtteil Stetten gehören das Dorf Stetten und die Häuser Salzwerk. Zum Stadtteil Trillfingen gehören das Dorf Trillfingen, die fürstliche Domäne Salenhof, die Höfe Kremensee und die Häuser Sägewerk, Talmühle, Wirtschaft zum Karlstal und Zimmerei. Zu Owingen gehören die Höfe Birkenhof, Bühlerhof, Dietenbachhof, Weiherhof und „Gipsmühle“. Zu Weildorf gehören die Höfe Birkhof und Tannenburg. Zu den Stadtteilen Bad Imnau und Hart gehören jeweils nur die gleichnamigen Dörfer.
Im Stadtgebiet Haigerlochs liegen mehrere abgegangene, heute nicht mehr bestehende Ortschaften. Im Stadtteil Gruol lag, vermutlich im Hauser Tal, die Ortschaft Holzhausen, auf die die 1460 erwähnte Flur Hiltzhusen hindeutet. Im Stadtteil Owingen lag der im 16. Jahrhundert abgegangene Weiler Oberowingen und auch im Stadtteil Stetten der Ort Gailhofen. Gailhofen ist im 15. Jahrhundert abgegangen. In den Stadtteilen Stetten und Trillfingen lag die 1387 als Gislingen erwähnte Ortschaft Geislingen, die vermutlich im 14. Jahrhundert schon abgegangen ist. Nicht genau lokalisiert, aber möglicherweise im Stadtteil Weildorf lag die Ortschaft Arzingen, die als Flur artzinger hard 1460 Erwähnung findet.
In Haigerloch hat insbesondere das Eyachtal einen besonderen naturschutzfachlichen Wert, dort befinden sich auch die Naturschutzgebiete Owinger Bühl und Stettener Weinberg. Weitere Naturschutzgebiete in Haigerloch sind der Warrenberg, der Salenhofweiher und das Breilried.
Das Eyachtal ist auch als Landschaftsschutzgebiet Eyachtal im Bereich des ehemaligen Landkreises Hechingen geschützt. Auch die Weinberghalde Weildorf und die Weinberghalde Gruol stehen unter Landschaftsschutz. Haigerloch hat zudem mit acht Teilflächen Anteil am FFH-Gebiet Gebiete zwischen Bisingen, Haigerloch und Rosenfeld.
Haigerloch wurde im Jahr 1095 anlässlich einer in der dortigen Burg vollzogenen Schenkung erstmals urkundlich erwähnt. Bei dieser Burg handelt es sich vermutlich um die Anlage in der Oberstadt, der Burg Haigerloch, von der heute noch der Römerturm erhalten ist. Um 1200 erschienen die Grafen von Hohenberg als Ortsherren und errichteten eine neue Burg auf dem Schlossberg, um die sich die Unterstadt als Marktflecken entwickelte.
Rudolf I., ein Schwager Albrechts II. von Hohenberg-Haigerloch, verlieh das Stadtrecht 1237 an Haigerloch. 1268 tobte vor den Toren der Stadt eine Schlacht zwischen Zollern und Hohenbergern, 1291 wurde die Stadt von Graf Eberhard I. von Württemberg belagert, 1347 wurde die Stadt erneut belagert. Von 1356 an waren Oberstadt und Unterstadt verwaltungstechnisch voneinander getrennt, wurden jedoch wieder vereint, nachdem die Herrschaft Haigerloch 1381 an Österreich verkauft worden war. Die Habsburger verpfändeten den Besitz verschiedentlich, unter anderem auch an die Grafen von Württemberg.
1497 fiel die Stadt und die Herrschaft, durch Tausch mit der Herrschaft Rhäzüns, von Habsburg an die Hohenzollern. Unter Christoph von Hohenzollern-Haigerloch wurde das Gebiet um Haigerloch 1576 als Hohenzollern-Haigerloch ein unabhängiges Territorium im Gebiet des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. In dieser Periode entstand die heutige Schlossanlage auf dem Schlossberg, die die hochmittelalterliche Anlage ersetzte und die Residenz der Grafen von Hohenzollern-Haigerloch war. 1634 fielen Stadt und Herrschaft an die Linie Hohenzollern-Sigmaringen, deren Residenzstadt Haigerloch von 1737 bis 1769 war.
Nach der Abtretung an Preußen 1849 wurde Haigerloch 1854 preußische Oberamtsstadt in dem Hohenzollerische Lande genannten Gebiet. 1925 wurde das hohenzollerische Oberamt Haigerloch aufgelöst und Haigerloch kam zum Landkreis Hechingen.
Vom 18. Jahrhundert bis 1941 existierte eine große jüdische Gemeinde in Haigerloch, mit eigener Synagoge. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts stellten die Juden etwa 25 % der Stadtbevölkerung, der Höchststand wurde 1858 mit 397 jüdischen Menschen erreicht. Von 1940 bis August 1942 wurden zahlreiche jüdische Menschen aus Stuttgart und anderen größeren württembergischen Städten nach Haigerloch umgesiedelt; von hier wurden sie zusammen mit den jüdischen Menschen aus Haigerloch deportiert. Mindestens 84 jüdische Menschen aus Haigerloch kamen während der NS-Verfolgung ums Leben. Nach Kriegsende kehrten elf deportierte jüdische Menschen nach Haigerloch zurück. 1993 wurde ein Gedenkstein aufgestellt. Ende 1999 konnte die Stadt Haigerloch das einstige Synagogengebäude erwerben; nach mehrjährigen Restaurierungsarbeiten wurde es im November 2003 als „Haus der Begegnung“ eingeweiht.
1903 bauten die Afrikamissionare (Weiße Väter) auf der Annahalde 17 ein Missionshaus, in dem sie bis 1963 ihren Nachwuchs ausbildeten. Bis zum Jahr 2017 war das Missionshaus Anlaufstelle für alle, die an Afrika interessiert sind. Im Haus wohnten Mitbrüder, die in verschiedenen Ländern Afrikas tätig waren.
Ende 2018 erwarb eine chinesische freichristliche Gemeinschaft das Gebäude und bildete einen Schutzraum für asylsuchende, in China verfolgte Christen.
Seit 2024/2025 steht das Gebäude wieder zum Verkauf.