Howard Phillips Lovecraft (* 20. August 1890 in Providence, Rhode Island; † 15. März 1937 ebenda; meist nur H. P. Lovecraft) war ein amerikanischer Schriftsteller. Er gilt als einer der einflussreichsten Autoren der Horrorliteratur im 20. Jahrhundert und wird häufig mit dem Begriff „kosmischer Horror“ in Verbindung gebracht, der Angst vor dem Unbekannten und der Unermesslichkeit des Universums thematisiert. Ebenso spielte er eine bedeutende Rolle in der Prägung des Literaturgenres Weird fiction, dessen bekanntester Vertreter er ist. Lovecraft wurde in eine wohlhabende Familie geboren, doch sein Leben war von Tragödien geprägt. Sein Vater erlitt einen Nervenzusammenbruch und wurde in eine psychiatrische Einrichtung eingewiesen, als Lovecraft erst drei Jahre alt war. Seine Mutter, die ihn überbehütet erzog, litt ebenfalls unter psychischen Problemen. Lovecraft war ein hochbegabtes Kind, das früh Interesse an Literatur und Wissenschaft zeigte, insbesondere an Astronomie. Aufgrund gesundheitlicher und psychischer Probleme musste er jedoch die Schule abbrechen und führte ein zurückgezogenes Leben.
Nach dem Tod seiner Mutter im Jahr 1921 begann Lovecraft, sich verstärkt dem Schreiben zu widmen. Er heiratete 1924 die Unternehmerin Sonia Greene und zog nach New York, doch die Ehe scheiterte wenige Jahre später, und er kehrte nach Providence zurück. Trotz seines literarischen Talents blieb Lovecraft finanziell erfolglos und starb 1937 an Darmkrebs. Lovecrafts bekannteste Werke entstanden zwischen 1917 und 1936. Zu seinen berühmtesten Kurzgeschichten zählen The Call of Cthulhu (1928), At the Mountains of Madness (1936) und The Shadow over Innsmouth (1936). Diese Geschichten sind Teil des sogenannten „Cthulhu-Mythos“, einem fiktiven Universum, das von uralten, gottähnlichen Wesen bevölkert wird. Der Mythos wird von Themen wie Wahnsinn, Nihilismus und der Unbedeutendheit der Menschheit im Angesicht kosmischer Mächte geprägt. Sein Stil zeichnet sich durch eine blumige, antiquierte Sprache und eine dichte Atmosphäre aus, die das Grauen oft impliziert, anstatt es direkt zu beschreiben. Lovecraft war stark von Edgar Allan Poe, Arthur Machen und Algernon Blackwood beeinflusst.
Zu Lebzeiten war Lovecraft weitgehend unbekannt, da seine Werke vor allem in Pulp-Magazinen wie Weird Tales veröffentlicht wurden. Erst nach seinem Tod erlangte er Anerkennung, insbesondere durch die Bemühungen von Freunden wie August Derleth, die seine Geschichten weiter verbreiteten. Der „Cthulhu-Mythos“ entwickelte sich zu einem eigenständigen literarischen Universum, das von anderen Autoren erweitert wurde. Lovecrafts Werk wird kontrovers diskutiert, da seine Schriften rassistische und xenophobe Ansichten enthalten, die seine Weltsicht widerspiegeln. Dennoch bleibt er ein zentraler Einfluss auf die Horrorliteratur, und seine Schöpfungen, wie der Große Cthulhu, haben einen festen Platz in der Popkultur gefunden. Heute gilt Lovecraft als einer der wichtigsten Autoren des Horrorgenres, und sein Werk wird weiterhin studiert, adaptiert und gefeiert.
Howard Phillips Lovecraft wurde 1890 in Providence, Rhode Island geboren. Sein Vater, Winfield Scott Lovecraft, war Handlungsreisender. Seine Mutter, Sarah Susan Phillips Lovecraft, konnte den Stammbaum ihrer Familie bis ins Jahr 1630 zurückverfolgen, als ihre Vorfahren die Massachusetts Bay erreicht hatten, um dort zu siedeln. Lovecraft war das erste Kind seiner Eltern, die beide bereits über 30 Jahre alt waren, als er auf die Welt kam. Das Geburtshaus in der Angell Street 194 (heute 454) wurde 1961 abgerissen. Als Lovecraft drei Jahre alt war, erlitt sein Vater einen angeblichen Nervenzusammenbruch in einem Hotel in Chicago und wurde ins Butler Hospital in Providence gebracht, wo er bis zu seinem Tod fünf Jahre später blieb. Als Todesursache wurde „generelle Parese“ angegeben. Mit diesem Begriff wurden seinerzeit auch die Symptome einer fortgeschrittenen Syphiliserkrankung beschrieben, die sogenannte Neurolues. Es wurde daher vermutet, Lovecrafts Vater hätte an Syphilis gelitten.
Lovecraft wurde fortan hauptsächlich von seiner Mutter, seinem Großvater und zwei Tanten aufgezogen und zeigte bereits früh literarische Begabung. Als Kleinkind lernte er Gedichte auswendig und begann im Alter von sechs Jahren, eigene zu schreiben. Sein Großvater Whipple Van Buren Phillips (1833–1904) unterstützte diese Neigung sowie Lovecrafts Interesse am Mysteriösen und Fantastischen, indem er ihm Bücher wie die Geschichten aus Tausendundeiner Nacht sowie Kinderausgaben von Klassikern wie der Odyssee und der Ilias zu lesen gab. Der Großvater erzählte Lovecraft auch selbsterfundene Horrorgeschichten, teils zum Missfallen der Mutter, die sich um deren möglichen Einfluss auf den Jungen sorgte.
Lovecraft hatte im Schulalter sowohl körperliche als auch psychische Probleme, weshalb er bis zum Alter von acht Jahren nur sporadisch den Unterricht besuchte und dann ein Jahr später aufgrund seines aggressiven und undisziplinierten Verhaltens von der Schule genommen wurde. In dieser Zeit las Lovecraft viel und entwickelte eine große Begeisterung für die Geschichte Neu-Englands, Chemie und Astronomie und schrieb ab 1899 zu diesen Themen handschriftliche Zeitschriften wie The Scientific Gazette und The Rhode Island Journal of Astronomy, die er unter seinen Verwandten und Freunden verteilte. Vier Jahre später, im Alter von 13, wurde Lovecraft wieder eingeschult, auf der Hope Street High School in Providence.
Nachdem Lovecrafts Großvater Whipple Phillips 1904 gestorben war, verarmte die Familie, da die Hinterlassenschaft infolge von Misswirtschaft bald aufgebraucht war. Die Familie musste ihr Haus in der Angell Street 454 aufgeben und in eine Pension in derselben Straße ziehen. Lovecraft litt so schwer an den Veränderungen, vor allem daran, sein Geburtshaus verloren zu haben, dass er eine Zeitlang Suizidabsichten hegte. 1908, kurz vor dem Ende seines letzten Schuljahres, erlitt Lovecraft einen Nervenzusammenbruch, sodass er nie einen High-School-Abschluss erwarb. Den Umstand, dass er nie seine Schullaufbahn beenden und auch nie, wie gewünscht, die Brown University besuchen konnte, empfand er selbst noch spät in seinem Leben als schmerzend und beschämend.
Amateurjournalismus und Eheleben
1914 wurde Lovecraft Mitglied der United Amateur Press Association (UAPA), einer Vereinigung von amerikanischen Amateurjournalisten. Ziel der UAPA war die Förderung des Austausches unter den Autoren; zu diesem Zweck wurden auch Kongresse veranstaltet. Durch einen Leserbrief Lovecrafts im Pulp-Magazin The Argosy, in dem er sich über die fehlende „Würze“ bei den Liebesgeschichten beschwerte, war Edward F. Daas, der Präsident der UAPA, auf den jungen Schriftsteller aufmerksam geworden und hatte ihn eingeladen, dem Verband beizutreten. Lovecraft urteilte zurückblickend, dass dies einer der entscheidenden Schritte in seinem Leben gewesen sei. Er erfuhr im Miteinander mit Gleichgesinnten einen neuen Schwung, der ihn bestärkte. Im Juni 1917 schrieb er die Kurzgeschichte The Tomb, der im Juli desselben Jahres Dagon folgte, die im November 1919 in der Amateurzeitschrift The Vagrant gedruckt wurde.
Ab dieser Zeit begann er ein Netz brieflicher Korrespondenz aufzubauen, das später kolossale Ausmaße annehmen sollte. Unter seinen Brieffreunden waren junge Autoren wie Forrest J. Ackerman, Henry S. Whitehead, Robert H. Barlow, Donald Wandrei, August Derleth, Fritz Leiber, Robert Bloch (Autor von Psycho) und Robert E. Howard (Autor von Conan der Cimmerier). Letzterer beging mit 30 Suizid, was Lovecraft tief berührte.
1919 wurde Lovecrafts Mutter, so wie sein Vater zuvor, wegen psychischer Leiden ins Butler Hospital eingewiesen, wo sie nach sehr reger brieflicher Korrespondenz mit ihrem Sohn 1921 starb. Dieses Ereignis erschütterte Lovecraft ebenfalls sehr stark.
Ab 1919 fuhr Lovecraft mehrfach von Providence nach Boston, um dort an Amateurkongressen teilzunehmen. Im Oktober 1919 besuchte er einen Vortrag seines neuen und einflussreichen Idols Lord Dunsany. Bei einer dieser Tagungen traf er Sonia Greene, die sieben Jahre älter war als er. Die beiden heirateten 1924. Lovecrafts Tanten waren dagegen, denn sie hielten diese Ehe für eine Mesalliance: Sonia Greene kam aus der Ukraine, war Jüdin, hatte ein Hutgeschäft und war in einer ersten, turbulenten Ehe mit dem zehn Jahre älteren Samuel Greene verheiratet gewesen, der 1916 offenbar Suizid begangen hatte.