An diesem Tag

Hörder Bergwerks- und Hütten-Verein

Ehemaliges Montanunternehmen in Dortmund

Anúncio

Die Hörder Bergwerks- und Hütten-Verein, kurz Hörder Verein, war ein Montanunternehmen in Dortmund. Seit der Fusion des Unternehmens mit der Phoenix AG war der Standort als Phoenix-Werke mit den Betriebsteilen Phoenix-Ost und Phoenix-West bekannt.

Der 1852 entstandene Hörder Bergwerks- und Hütten-Verein umfasst zunächst die im Jahr 1839 vom Iserlohner Fabrikanten Hermann Diedrich Piepenstock gegründete Hermannshütte im Osten des heutigen Dortmunder Stadtteils Hörde (Betriebsteil Phoenix-Ost). Hier wurde Roheisen weiterverarbeitet.

Westlich der Stadt Hörde wurde nach der Gründung des Hörder Vereins im Jahr 1852 mit dem Bau eines ersten Hochofenwerkes begonnen (der später Phoenix-West genannte Betriebsteil). Der Hörder Verein ist damit eines der ersten Hüttenunternehmen des Ruhrgebiets, in denen neben der Stahlproduktion und der Weiterverarbeitung auch die vorgelagerte Produktionsstufe der Roheisenerzeugung realisiert wurde. Der erste Hochofen wurde im Jahr 1854 angeblasen. Drei weitere folgten bald, sodass 1855/1856 mit rund 1200 Arbeitern im Hochofenwerk jährlich 22.750 Tonnen Roheisen erzeugt werden konnten – insgesamt arbeiteten circa 2100 Arbeiter beim Hörder Verein. Ab 1864 erfolgte der Umstieg auf das Bessemer-Verfahren, welches 1856 in England patentiert worden war. Bis 1870 steigerte man die Roheisenmenge auf 58.000 Tonnen jährlich. Das Erz wurde zum Teil in einer eigenen Eisensteingrube abgebaut.

Im Jahr 1879 gelang es Gustave Léon Pastors, Technischer Direktor der Rheinischen Stahlwerke (RSW), und Josef Massenez, Direktor des Hörder Bergwerks- und Hüttenvereins, sowohl für die RSW als auch für den Hörder Verein, der schon seit 1864 nach dem Bessemer-Verfahren arbeitete, als erste auf deutschem Zollgebiet eine Lizenz von Sidney Gilchrist Thomas für das neue Thomas-Verfahren zu erwerben. Das 1880 errichtete Thomas-Stahlwerk mit vier 8-t-Konvertern konnte durch die Verwendung einer langgestreckten Gießgrube (anstelle der üblichen runden Anordnung) 30.000 Tonnen/Monat (im Jahr 1902) erblasen. Die zuvor im Bessemer-Werk des Bochumer Vereins eingeführte längliche Anordnung entkoppelte den Blas- und Gießprozess zeitlich, so dass die Thomaskonverter nahezu kontinuierlich im Betrieb gehalten werden konnten. Bei der damals üblichen runden Gießgruben-Anordnung begrenzte die beschränkte Gießgeschwindigkeit mit dem zentralen Gießkran die Konverterleistung.

Die Thomasstahlerzeugung selbst, aber auch die Verteilung von Unterlizenzen führte während der Laufzeit des Patentschutzes in den nächsten 15 Jahren zu einer rasanten Unternehmenssteigerung.

1882 wurde außerdem ein Martinstahlwerk mit drei 10-t-Öfen errichtet, ein neues Walzwerk für Schienen, Schwellen und Halbzeug sowie ein Bandagenwalzwerk errichtet und die Hochofenanlage erweitert, so dass die Roheisenleistung im Jahr 1885/1886 auf 106.500 Tonnen gesteigert werden konnte. Der erste Roheisenmischer Europas, der 1890 in Hörde errichtet wurde, ermöglichte es, das Roheisen des Hochofenwerkes ohne Umschmelzen direkt in den Konvertern weiterzuverarbeiten, was aufgrund der räumlichen Trennung von Hochofenwerk (West) und Stahlwerk (Ost) zuvor kaum möglich war. 1896/1897 wurde zusammen mit Hoesch die Minette-Grube „Reichsland“ erworben, um die eigene Erzbasis zu verbreitern.

Um die Jahrhundertwende wurde das Hochofenwerk abermals modernisiert, so dass man eine Jahresleistung von 330.000 Tonnen Roheisen erreichte – mittlerweile mit 5000 Arbeitern sowie 1800 Kumpeln auf den unternehmenseigenen Zechen Schleswig und Holstein.

1906 betrug die Produktion jährlich bereits 500.000 Tonnen mit 6200 Mitarbeitern. Der Hörder Verein fusionierte mit der in den 1850er Jahren gegründeten Phoenix AG für Bergbau und Hüttenbetrieb, einem der damals größten deutschen Montanunternehmen. Die Phoenix AG verlegte auch ihren Hauptsitz 1908 an den Hörder Standort und blieb dort bis 1921/22, als eine neue Verwaltung in Düsseldorf aufgebaut wurde.

Die Entwicklung des Hochofenwerkes war in dieser Zeit durch technologische Pionierentwicklungen geprägt: Neben dem 1890 eingeführten Roheisenmischer wurde 1898 die weltweit erste Großgasmaschine zur direkten energetischen Verwertung des beim Hochofenprozess entstehenden Gichtgases eingesetzt.

In den Folgejahren und -jahrzehnten wurde die Arbeitsteilung der benachbarten Industriestandorte weiter ausgebaut. Während Phoenix-West als Heimstatt von Hochofenanlagen sowie Kokereien und Nebengewinnungsanlagen diente, erfolgte auf Phoenix-Ost in Stahl- und Walzwerken die Weiterverarbeitung des Roheisens zu marktfähigen Produkten. Die beiden industriellen Standorte wurden durch die Eliasbahn, eine Werkbahntrasse mitten durch den Stadtteil Hörde, miteinander verbunden. Das flüssige Roheisen wurden in Torpedowagen zwischen den beiden Standorten transportiert.

Bis zum Zweiten Weltkrieg standen bis zu sieben Hochöfen parallel in Produktion.

1926 ging der Hörder Bergwerks- und Hüttenverein, der die beiden Standorte Phoenix West und Ost bis dahin betrieben hatte, zusammen mit anderen Montanunternehmen in der Vereinigte Stahlwerke AG auf, die bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs existierte. Ab Dezember 1936 beteiligte sich der Hörder Bergwerks- und Hütten-Verein als Gründungsmitglied an der Gelsenberg-Benzin AG, die ab 1939 synthetische Kraftstoffe aus Steinkohle herstellte.

Während des Nationalsozialismus existierte von September 1944 bis März 1945 ein Außenlager des KZ Buchenwald auf dem Werksgelände der Dortmund-Hörder Hüttenverein AG. Im Gebäude an der Huckarder Straße 111 waren zwischen 400 und 650 Mädchen und junge Frauen, vorwiegend Russinnen und Polinnen, interniert, die zu Zwangsarbeit in der Geschossfabrik Huckarder Straße / Rheinische Straße herangezogen wurden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ging der Hörder Verein 1951 im Zuge der Neuordnung der deutschen Eisen- und Stahlindustrie in der Dortmund-Hörder Hüttenunion AG auf, die im Jahr 1966 von der Hoesch AG übernommen wurde.

1992 folgte eine feindliche Übernahme durch die Krupp AG, mit der der Niedergang der Stahlära in Dortmund eingeleitet wurde. Die Fusion von Krupp und der Thyssen AG 1999 besiegelte das Ende durch die Entscheidung für den rheinnahen Standort in Duisburg und gegen den in Dortmund.

Die Anzahl der betriebenen Hochöfen betrug nach dem Zweiten Weltkrieg noch fünf. Im Rahmen des allgemeinen Niedergangs der Stahlindustrie an den rheinferneren Standorten des Ruhrgebietes reduzierte sich der Hochofenbetrieb in den 1980er Jahren auf drei, in den 1990er Jahren – vor der endgültigen Aufgabe des Standortes Phoenix West (1998) – auf nur noch einen Hochofen. Nach dem Hochofen wurde zuletzt das Stahlwerk 2001 geschlossen.

Vor der Stilllegung galt Phoenix-West als schnellstes Eisenwerk Europas, gerechnet von Abstich zu Abstich.

1963 wurde auf Phoenix-Ost das Oxygenstahlwerk in Betrieb genommenen, das das alte Thomasstahlwerk ersetzte. Als Hörder Fackel wurde umgangssprachlich der in den 1970er Jahren gebaute Zentralkamin der Anlage bezeichnet.

Anúncio

Bald in der World in Stories App

Audio, Offline-Download, keine Werbung und mehr.

Premium entdecken
Hörder Bergwerks- und Hütten-Verein | World in Stories