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Gustave Courbet

Französischer Maler des Realismus (1819–1877)

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Jean Désiré Gustave Courbet (* 10. Juni 1819 in Ornans bei Besançon; † 31. Dezember 1877 in La Tour-de-Peilz, Schweiz) war ein französischer Maler des Realismus.

Gustave Courbet wurde als ältestes Kind einer wohlhabenden Bauernfamilie mit größerem Grundbesitz in Ornans geboren. Nach einer sehr dürftigen Schulausbildung kam er 1837 auf das Collège Royal (Gymnasium) von Besançon. Bereits im Alter von 14 Jahren wurde er durch Professor Pére Baud aus Ornans in die Grundlagen der Malerei eingeweiht. Während seiner Gymnasialzeit setzte er den Besuch einer privaten Zeichenschule bei Charles-Antoine Flajoulot (1774–1840) fort. Dabei fertigte er als eine erste größere Arbeit 1839 vier Lithographien als Illustration für einen Gedichtband von Max Buchon (1818–1869) an. Auf Wunsch seiner Eltern studierte er ab 1840 Rechtswissenschaft an der Universität in Paris. Doch widmete er sich bald ganz und gar dem Zeichnen und entwickelte seine Technik, indem er im Louvre und anderen Museen die dortigen Kunstwerke vornehmlich spanischer und holländischer Meister kopierte. Unter den französischen Malern bewunderte er vor allem Théodore Géricault und Auguste Delacroix. Besonders gern hielt er sich im Atelier von Carl von Steuben oder an der Academie Père Suisse auf.

In dieser Zeit war Gustave Courbet noch auf der Suche nach Stil und Ausdrucksformen. Dabei entstanden 1841 mehrfach Selbstbildnisse, in denen er sich unter anderem emphatisch als Der Verzweifelte darstellte. Er bemühte sich um die Aufnahme seiner ersten Arbeiten im Pariser Salon, doch wurden nur 3 seiner 20 eingereichten Bilder in den Jahren von 1841 bis 1847 angenommen, darunter sein 1842 fertiggestelltes Selbstbildnis mit schwarzem Hund. Obwohl er noch von der finanziellen Unterstützung seiner Familie lebte, entschied er sich 1844 gegen den Willen seines Vaters eindeutig für die Malerei. Kurz vor seinem Abschied von zu Hause entstand das eigenwillige Porträt seiner kleinen Schwester Juliette. Mit unerschütterlichem Selbstvertrauen und Hartnäckigkeit schlug er nun seine künstlerische Laufbahn ein. Bei einer Reise 1847 nach Holland fertigte er Studien von Rembrandts Gemälden sowie von venezianischen und spanischen Meistern an. Diese Arbeiten sind noch einem gewissen Romantizismus verhaftet, aber zeigen schon seine zukünftige Kraft. 1847 hatte er mit seiner Geliebten Virginie Binet einen gemeinsamen Sohn; sie verließ ihn 1850 und nahm den Jungen mit.

In der unweit von seinem Studio gelegenen Brasserie Andler, dem „Tempel des Realismus“ – wie Jules Champfleury, sein Freund und Kunstkritiker sie nannte – traf sich Courbet mit anderen Künstlern und Intellektuellen wie Charles Baudelaire, Pierre-Joseph Proudhon und Max Buchon, mit dem er bereits seit der Kindheit befreundet war. In dieser Runde entwickelte sich die neue Kunstströmung des Realismus.

Nach der Februarrevolution 1848 und der Absetzung Louis Philippes fand der Pariser Salon ohne Jury statt, und Courbet stellte zehn seiner Gemälde aus, die von der Kritik begeistert aufgenommen wurden. 1849 entstand Der Steinklopfer, der zu Unverständnis und zum Teil zu Skandalen führte, aber Gustave Courbet erhielt auch eine Goldmedaille für sein Gemälde Nach dem Essen in Ornans. Das Bild wurde anschließend vom französischen Staat erworben. Er malte nun viele Szenen aus Ornans sowie Porträts seiner Familie und Freunde. Ein Begräbnis in Ornans, 1850/1851 von Kritikern des Salons abgelehnt, weil es die religiösen Gefühle verletze, gilt heute als eindrucksvollstes Beispiel dieser Schaffenszeit.

Courbets Bekanntheit wuchs durch das Aufsehen, das er erregte. Seine Bilder waren in ihrem Realismus, der die Einfachheit bildwürdig machte, dem neuen bürgerlichen Regime suspekt. Die scheinbare Bedrohung wuchs durch die Interpretationen, die unter anderem Pierre Proudhon seinen Bildern gab, auch wenn Courbet dies vermutlich nie selbst beabsichtigte. Einige seiner Werke grenzen an die L’art pour l’art.

Gustave Courbet entwickelte sich zum Hauptvertreter der realistischen Malerei in Frankreich. Er hatte damit einen weitgehenden Einfluss auf die Entwicklung der nachfolgenden Malerei, besonders auf die realistischen Maler in Deutschland. Aber er begründete in dieser Zeit auch seinen Ruf als avantgardistischer Maler.

Die Gegenausstellung zum Pariser Salon

1853 stellte die Regierung Courbet den Ankauf eines großformatigen Bilds für die Weltausstellung 1855 in Aussicht mit der Bedingung, zuvor einer Jury einen Entwurf zur Begutachtung vorzulegen. Courbet lehnte dies jedoch ab, da er sich in seiner künstlerischen Freiheit nicht beschneiden lassen wollte. Nachdem 3 der 14 von ihm zur Ausstellung eingereichten Bilder für die Weltausstellung abgelehnt wurden (darunter die Allegorie Das Atelier des Künstlers), errichtete er parallel dazu mit der finanziellen Unterstützung seines Freundes und Förderers Alfred Bruyas seinen eigenen „Pavillon du Réalisme“ in der Avenue Montaigne. Dort wurden zusätzlich zu den 11 auf der Weltausstellung gezeigten Gemälden weitere 40 ausgestellt, darunter das Atelier.

Bei Gustave Courbet zeigt sich in den Gemälden, die ab 1860 entstanden, eine egalitäre Flächenstruktur. Unabhängig vom Gegenstand und von der räumlichen Blicktiefe verteilte er die Farben auf der Leinwand. Auf diese Weise erreichte er eine Nivellierung der Dominanz der vorherrschenden Elemente: Die Landschaft wird nicht mehr der Natur und die Figur nicht mehr der Landschaft untergeordnet. Alle Bildelemente schließen sich optisch auf einer einzigen räumlichen Ebene zusammen. Courbet setzte dabei den Spatel abwechselnd mit dem Pinsel ein und erzeugte damit eine relativ gleichmäßige, nur geringfügig pastose Oberfläche. Diese Technik wurde in abgewandelter Form von anderen Künstlern aufgegriffen, darunter von Oswald Achenbach.

Mit seinem Bild Rückkehr von der Konferenz (1863), rief er einen neuen Skandal hervor. Das Werk zeigte angetrunkene, verwirrt umherirrende Geistliche auf einer Landstraße. Für den Salon wurde es „wegen Verstoßes gegen die religiöse Moral“ abgelehnt, selbst vom Salon des Refusés („Salon der Abgelehnten“) wurde es zurückgewiesen. Kurze Zeit darauf war das Bild verschwunden – vermutlich hatte es ein Zeitgenosse aufgekauft, um es zu zerstören. Auch im Jahr darauf wurde ein Bild Courbets, Venus und Psyche von der Jury abgewiesen. Ein weiteres provokatorisches Werk entstand 1866, Der Ursprung der Welt. Auftraggeber war der Diplomat Khalil-Bey (1831–1879). Die Anziehungskraft dieses Gemäldes liegt in einer bis dahin unerreichten Kühnheit und Offenheit Courbets. Kein historischer oder literarischer Kunstgriff lenkt von der quasi anatomischen Darstellung des weiblichen Geschlechts ab. Courbets meisterhafter Kunst, seiner feinen bernsteinfarbenen Farbskala, ist es zu verdanken, dass es nichts von einem pornografischen Bild hat. Aber gerade das schien auch der Grund zu sein, dass es der Öffentlichkeit viele Jahrzehnte vorenthalten wurde.

Während der revolutionären Situation in Paris waren seine Freunde verhaftet worden oder ins Exil gegangen, oder sie hatten sich politisch in andere Richtungen entwickelt. So entschloss sich Courbet zu ausgedehnten Reisen. Er kam zunächst nach Frankfurt am Main, dort stellte ihm die Kunstakademie ein eigenes Atelier zur Verfügung. Auch nach dem Fortzug blieb Courbet in Frankfurt berühmt, viele Frankfurter Bürger, Bankiers und Kaufmannsfamilien zählten zu seinem Kundenkreis.

Das nächste Ziel war Trouville-sur-Mer, wo er Seebilder und Porträts der dortigen Schönheiten malte und diese ertragreich verkaufen konnte. Dort lernte er auch den Maler James McNeill Whistler und dessen Geliebte Joanna Hiffernan kennen. Es folgte Étretat, wo er den jungen Claude Monet traf.

Gustave Courbet stellte in Deutschland, Belgien und England aus und wurde vielfach ausgezeichnet. Das Kreuz der Ehrenlegion, das ihm gemeinsam mit Honoré Daumier 1870 angeboten wurde, lehnten beide jedoch ab. Sie vertraten die Ansicht, dass der Staat keinen Einfluss auf künstlerische Belange nehmen solle. Diese Haltung brachte Courbet im republikanischen Lager viele Freunde ein, und nach dem Sturz der Regierung wählte man ihn 1869 zum Präsidenten der Republikanischen Kunstkommission und im Folgejahr zum Stadtrat und damit zum Mitglied in der Pariser Kommune.

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