An diesem Tag

Gustav von Schmoller (Ökonom)

Deutscher Ökonom; galt als Führer der sogenannten „historischen Schule“

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Gustav Friedrich Schmoller, seit 1908 von Schmoller (* 24. Juni 1838 in Heilbronn; † 27. Juni 1917 in Bad Harzburg), war ein deutscher Ökonom, Historiker und Sozialwissenschaftler. Er gilt als Hauptvertreter der jüngeren Historischen Schule der Nationalökonomie.

Gustav Schmoller wurde am 24. Juni 1838 in Heilbronn geboren. Sein Vater, Friedrich (von) Schmoller (1795–1865), war württembergischer Finanzrat und Kameralverwalter. Seine Mutter, Marie Therese Gärtner (1804–1846), Tochter des Calwer Arztes und Botanikers Karl Friedrich von Gärtner, starb, als er acht Jahre alt war, so dass sein Vater sowie sein Großvater Karl Friedrich von Gärtner seine wichtigsten Bezugspersonen in der Kindheit wurden.

Väterlicherseits entstammt Gustav Schmoller einer Beamtenfamilie, denn nicht nur der Vater, sondern auch schon der Großvater väterlicherseits, Johann Christian Ludwig (1753–1822), war württembergischer Kameralverwalter (in Hirsau). Die Herkunft der Familie Schmoller lässt sich laut Gustav Schmollers eigenen Angaben bis in das 15. Jahrhundert zu Christoph Schmoller, 1500 sesshaft in Neustadt/Saale, sowie Oswald Schmoller, Pfarrer in Wittenberg, der 1538 dort von Martin Luther ordiniert wurde, zurückverfolgen. Bekannter jüngerer Vorfahr war Johannes Schmoller (1607–1688), Kriegssekretär des Herzogs Bernhard von Sachsen-Weimar im Dreißigjährigen Krieg.

Mütterlicherseits führt die Herkunft von Gustav Schmoller in die Familie Gärtner, da sein Vater 1869 Marie Therese Gärtner, die Tochter des Calwer Arztes und Botanikers Karl Friedrich von Gärtner (1772–1850) geheiratet hatte. In dieser Familie aus der württembergischen Industrie- und Handelsstadt Calw waren Ärzte, Naturwissenschaftler, Apotheker und Musiker vertreten. So war der Vater von Karl Friedrich von Gärtner der Botaniker Joseph Gärtner (1732–1791) und dessen Vater war Hofmedikus des Herzogs von Württemberg.

Gustav Schmoller hatte acht Geschwister, von denen zwei Brüder frühzeitig (1841) verstarben, so dass er mit seinen fünf Geschwistern Marie, Luise, Emma, Georg und Ludwig aufwuchs. Seine älteste Schwester, Marie Schmoller (1824–1891), heiratete Gustav Rümelin (1815–1889), Professor für Statistik und vergleichende Staatenkunde an der Universität Tübingen, ab 1870 Kanzler der Universität Tübingen und zeitweilig Kultusminister in Württemberg. Seine Schwester Luise (1828–1855) heiratete 1851 den Organisten und Komponisten Otto Scherzer (1821–1886).

Da sein Vater zwar einen vergleichsweise schlichten Lebensstil pflegte, aber zusammen mit weiteren höhergestellten Persönlichkeiten der im Nachbarhaus tagenden Gräßle-Gesellschaft angehörte und in regem Austausch mit allerlei Honoratioren stand, war es für ihn von Anbeginn selbstverständlich, in diesen Kreisen zu verkehren. In Calw war das Haus des Großvaters der Mittelpunkt des geistigen Lebens der Stadt. Später wirkte insbesondere die Verwandtschaft mit Gustav Rümelin fördernd auf seine Entwicklung, da sich so für ihn Bekanntschaften mit zahlreichen Gelehrten und politisch relevanten Akteuren der damaligen Zeit erschlossen.

Früher Werdegang und Familiengründung

Nach Vorschule und Gymnasium legte Gustav Schmoller 1856 in Stuttgart als Drittbester des ganzen Landes sein Abitur ab. Er selbst urteilte über seine Gymnasialzeit, dass er zwei Lehrern – dem Altphilologen Julius Rieckher (1819–1878) sowie dem Pädagogen Wilhelm Bernhard Mönnich (1799–1868) – zu verdanken hatte, dass er diese Gymnasialzeit nicht als verlorene Zeit ansah. Wegen seiner gefährdeten Gesundheit behielt ihn der Vater noch ein weiteres Jahr in seiner Kanzlei, wo er mit der praktischen Anwendung von Finanz- und Verwaltungsrecht vertraut wurde. 1856 bis 1857 hatte Schmoller zudem in der Kanzlei seines Vaters mitgearbeitet. Er begleitete ihn bei Domänenvisitationen und lernte auf dem Kameralamt die Bauherren und Handwerker der Stadt bzw. die Steuerzahler „[…] aus allen Kreisen kennen, mit denen man abzurechnen, denen Zahlungen zu leisten, oder deren Steuereinzahlungen man zu buchen hatte.“

Vor dem Hintergrund dieser praktischen Erfahrungen begann Gustav Schmoller zum Wintersemester 1857 das Studium der Kameralwissenschaft an der Universität Tübingen. Zu dieser Zeit lehrten dort Karl Schüz und Johann von Helferich in diesem Bereich, zu denen sich Gustav Schmoller in seinen Jugenderinnerungen als nicht sonderlich beeindruckt äußerte, da diese nicht wie Karl Knies, Bruno Hildebrand und Wilhelm Roscher die ökonomische Entwicklungsströmung vertraten, welche sich zu dieser Zeit als Historische Schule herausbildete. Allerdings ist sein erster wissenschaftlicher Erfolg mit der Tätigkeit von Karl Schüz als Staatswissenschaftler verbunden, denn dieser hatte 1859 eine Preisfrage gestellt, an der Gustav Schmoller mit der eingereichten Schrift Untersuchung der volkswirtschaftlichen Anschauungen zur Reformations-Periode teilnahm und für die er als Gewinner die Goldmedaille sowie ein Preisgeld erhielt. Mit diesem konnte er die Publikation dieser Schrift finanzieren, so dass diese 1860 in der Zeitschrift für die gesamte Staatswissenschaft erschien. 1861 wurde er mit dieser Arbeit an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Tübingen bei Karl Schüz promoviert. In den letzten Semestern begann Gustav Schmoller neben der väterlichen Beamtentradition eine akademische Laufbahn in Angriff zu nehmen, erkennbar an seinem doppelläufigen Studienabschluss. Denn einerseits promovierte er im Bereich Staatswissenschaften und andererseits stellte er sich der höheren Finanzdienstprüfung. Mitte November 1861 war er dabei Jahrgangsbester und Prüfungsgebiete waren Nationalökonomie, Finanzwissenschaft, Finanzrecht und Rechnungswesen, Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Maschinenlehre und Technologie, Staatsrecht, Privatrecht sowie Zivil- und Strafprozessrecht. 1861 verließ er so die Universität als Doktor und als Finanzreferendar, und während er die nächsten Stationen seiner Beamtenlaufbahn durchlief, überlegte er auch, sich als Privatdozent zu habilitieren.

Nach dem Abschluss des Studiums in Tübingen setzte Gustav Schmoller seine Ausbildung zum Finanzbeamten fort, indem er sein Referendariat ableistete. Den ersten Teil des Referendariats verbrachte er ab Herbst 1861 im väterlichen Kameralamt in Heilbronn, den anderen 1862 in Stuttgart am Statistisch-topographischen Bureau, in das erst ein Jahr zuvor sein Schwager Gustav von Rümelin nach seinem Rücktritt vom Kultusministerium als neuer Chef eingetreten war. In letzterem erlangte er umfangreiche Kenntnisse im Bereich der Statistik, war an der gewerbestatistischen Aufnahme in Württemberg von 1861 beteiligt und erarbeitete eine modernisierte Statistik, mittels derer Daten nicht nur erfasst, sondern analytisch ausgewertet wurden. Die Ergebnisse seiner bis 1862 erstellten neuen Gewerbestatistik versandte er vor allem auf regionaler Ebene, so an den wirtschaftspolitisch einflussreichen Ferdinand von Steinbeis (1807–1893) und den König von Württemberg.

Ebenso verfasste er 1862 die Schrift Der Französische Handelsweg und seine Gegner. Ein Wort der Verständigung von einem Süddeutschen. Mit dieser nahm er zugunsten des gerade abgeschlossenen, einen Eintritt Österreichs in den Deutschen Zollverein verhindernden, preußisch-französischen Handelsvertrages Stellung und setzte sich damit in scharfen Gegensatz zu den Auffassungen der süddeutschen, mit Österreich sympathisierenden Staaten. Mit dieser war damit allerdings die Aussicht auf eine württembergische Beamtenlaufbahn beendet, während Schmoller andererseits die Zustimmung seitens des preußischen Handelsministers Rudolf von Delbrück erfuhr.

Nach zwei Jahren des Reisens erreichte Schmoller im Frühjahr 1864 der Ruf nach Halle, wo er ein Jahr später als Inhaber eines Lehrstuhls die Nachfolge von Johann Friedrich Gottfried Eiselen antrat. Gleichzeitig übernahm Schmoller dort das Amt eines Stadtverordneten, um so den Einblick in das städtische Verfassungsleben zu erhalten.

In Halle lernte er Lucia Rathgen (1850–1928) kennen, die Tochter des Weimarischen Geheimen Rates Bernhard Rathgen und Enkelin von Barthold Georg Niebuhr. Aus der 1869 geschlossenen Ehe stammen ein Sohn, Ludwig von Schmoller (1872–1951), später Offizier und Vater des Diplomaten Gustav von Schmoller (1907–1991), und eine Tochter, Cornelia (Nelly) von Schmoller (1879–1932), die 1909 den Fotografen Ernst Sandau und nach der Scheidung 1916 Pierre Schrumpf-Pierron heiratete.

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