An diesem Tag

Gustav Struve

Deutscher Politiker und radikaldemokratischer Revolutionär

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Gustav Karl Johann Christian von Struve, nach der Ablegung seines Adelstitels im Jahre 1847 Gustav Struve (* 11. Oktober 1805 in München; † 21. August 1870 in Wien), war ein deutscher Rechtsanwalt und Publizist im Großherzogtum Baden. Als radikaldemokratischer Politiker in der Märzrevolution trat er für ein föderativ-republikanisches Staatswesen im Sinne der Großdeutschen Lösung ein.

Struve stammte aus dem Magdeburgischen und war ein Sohn des in russischen Diensten stehenden Diplomaten Johann Gustav von Struve (1763–1828). Sein Großvater Anton Sebastian von Struve (1729–1802) war zunächst als russischer Gesandter beim Immerwährenden Reichstag in Regensburg. Von 1806 bis 1817 lebte Gustav Struve in Stuttgart, wo er auch das Gymnasium besuchte. Von 1817 bis 1822 war er Schüler des Lyzeums in Karlsruhe. Anschließend studierte er an der Georg-August-Universität Göttingen und der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg Rechtswissenschaft. Er schloss sich 1822 der Alten Göttinger Burschenschaft, nach deren Auflösung 1824 dem Corps Bado-Württembergia Göttingen und 1825 der Alten Heidelberger Burschenschaft an. Er trat 1827 in den Staatsdienst des Großherzogtums Oldenburg und wurde als Attaché der oldenburgischen Gesandtschaft beim Bundestag (Deutscher Bund) in Frankfurt am Main zugeordnet. Nach dem Tod seines Vaters im März 1828 nach Oldenburg zurückberufen, erhielt er eine Assessorenstelle am Landgericht Jever. Da er mit seinen Ansichten in Diplomatenkreisen Anstoß erregte, war Struve zunächst froh, im Justizwesen eine neue Karriere beginnen zu können, wurde aber auch hier nicht glücklich. Er ersuchte um die Entlassung aus dem Staatsdienst und versuchte, in Göttingen und Jena eine akademische Tätigkeit aufzunehmen. 1833 ließ er sich im badischen Mannheim als Rechtsanwalt nieder, wo seine Examen aber nur teilweise anerkannt wurden und er erst 1836 Obergerichts-Advocat werden konnte.

Nachdem Struve 1831–1843 mehrere juristische Werke publiziert hatte, befasste er sich 1843–1845 verstärkt mit der Phrenologie. Er schrieb ein Handbuch und zwei weitere Bücher zu diesem Thema und war Herausgeber und Redakteur der Zeitschrift für Phrenologie und Herausgeber der Zeitschrift für Deutschlands Hochschulen (Heidelberg). Er war der führende Kopf des Progress (Studentenbewegung).

In Baden stieg er aufgrund der konservativen Politik des Ministeriums Blittersdorf auch in die Politik ein. Er unterstützte die liberalen Abgeordneten in der badischen Kammer durch journalistisches Engagement. Dabei wandte er sich immer stärker radikaldemokratischen und frühsozialistischen Positionen zu. Mitte 1845 bis Ende 1846 war er Redakteur des Mannheimer Journals. In dieser Zeit sah er sich stark den Eingriffen staatlicher Zensur ausgesetzt.

Am 16. November 1845 heiratete er Elise Ferdinandine Amalie Düsar, die Tochter eines Sprachlehrers aus Mannheim. Die zu dieser Zeit nicht „standesgemäße“ Heirat führte zum Zerwürfnis mit seiner Familie. Dies und seine lebensreformerische Haltung, die er mit seiner Frau teilte, veranlassten das Ehepaar 1846 von der evangelischen Konfession in die damals bestehende Deutsch-Katholische Kirche zu konvertieren, die eine Vereinigung von Katholizismus, Protestantismus, Judentum und moderner Wissenschaft anstrebte. Des Weiteren legte Struve 1847 seinen Adelstitel ab. Diese einschneidenden privaten Veränderungen in Gustav Struves Leben belegen den starken auch inhaltlichen Einfluss, den seine für die Zeit ungewöhnlich selbstbewusste, der frühen Frauenbewegung verbundene Frau auf ihn hatte und zeit seines Lebens auch behielt.

Es war die Zeit des Vormärz, der Jahre zwischen dem Wiener Kongress 1815 und dem Beginn der Märzrevolution 1848, in der das reaktionäre metternichsche System der Restauration herrschte, gegen das Struve sich zunehmend wandte. So stellte er am 31. März 1848 einen Antrag an das Vorparlament, der wesentliche Grundzüge demokratischer Politik beinhaltete.

Zusammen mit Friedrich Hecker war Struve einer der führenden Köpfe der badischen Revolution. Beide gehörten zum radikaldemokratischen und antimonarchistischen Flügel der Revolutionäre, der in Baden in den vielerorts gegründeten politischen Volksvereinen stark vertreten war.

Bereits im Januar 1847 hatte Struve in einem Brief an den Redakteur der republikanischen Zeitung Seeblätter in Konstanz, Joseph Fickler, die Idee zu einem Treffen der entschiedenen Freunde der Verfassung entwickelt. Am 12. September 1847 trafen sich Verfassungsfreunde aus ganz Baden in der Gaststätte Salmen in Offenburg zu einer Volksversammlung. Höhepunkt der Zusammenkunft bildete eine Rede Heckers, in der er 13 Forderungen des Volkes vortrug. Im ersten Abschnitt seiner Ausführungen verlangte er die Wiederherstellung der von der Regierung so häufig verletzten Badischen Verfassung und beschäftigte sich anschließend mit der Weiterentwicklung der Rechte des Volkes. Am 27. Februar 1848 adressierten Hecker und Struve an die Deputierten zu Carlsruhe eine Kurzfassung der dringlichen Forderungen:

Volksbewaffnung mit freien Wahlen der Offiziere

Schwurgerichte nach dem Vorbilde Englands

Sofortige Herstellung eines deutschen Parlaments.

Anfang März traten in Heidelberg Männer der Opposition zusammen, um über die revolutionäre Entwicklung in den deutschen Landen zu beraten. Dabei sagte Struve, dass er kein Heil für Deutschland sehen könne, so lange 34 Fürstenfamilien über dasselbe herrschten. Nur die föderative Republik nach dem Vorbilde der nordamerikanischen Freistaaten könne die Einheit und zu gleicher Zeit die Freiheit Deutschlands sicherstellen. Eine Volksversammlung zu Offenburg am 19. März 1848 verlangt in einer u. a. von Struve und Hecker unterzeichneten Erklärung eine Revision der Badischen Verfassung und ein deutsches Parlament.

Enttäuscht von der Arbeit des Vorparlaments sah Hecker nur in einem gewaltsamen Umsturz die Möglichkeit, eine republikanische Regierungsform in Baden durchzusetzen. Am 12. April 1848 rief Hecker in Anwesenheit Struves in Konstanz die Republik aus. Anschließend warb er Freischärler an, um mit ihnen in die Landeshauptstadt Karlsruhe zu marschieren. Dabei lehnte er eine direkte Hilfe der aus dem Elsass anrückenden Deutschen Demokratischen Legion des revolutionären Dichters Georg Herwegh mehrmals ab, da Patrioten dies als eine ausländische Einmischung hätten ansehen können. Struve zog von Donaueschingen über Stühlingen in den Klettgau, um Freischärler anzuwerben. Im Wald zwischen Kadelburg und Tiengen traf er am 18. April auf eine Gruppe, die zu Hecker in Tiengen wollte. Er befahl die Schar nach Kadelburg, wohl um weitere Zuzügler, die er von Joseph Weißhaar aus Hohentengen erwartete, aufzunehmen. Oberst Weißhaar plädierte für Zwangsaushebungen und für Beschlagnahmungen von öffentlichen Geldern. Struve ließ sich überzeugen, und es kam zum Zollkassenraub in Kadelburg. Im Gefecht auf der Scheideck bei Kandern im Schwarzwald traf der Heckerzug auf reguläre Truppen, die die schlecht bewaffneten Freischärler in die Flucht schlugen. Darauf flohen Hecker und Struve, der am 21. April einen Tag in Haft war, in die Schweiz. Am 22. April kehrte Struve bei Rheinfelden nach Baden zurück. Er traf in der Nacht auf den 23. April im Lager Sigels in Todtnau ein und zog am frühen Morgen des 23. April über Horben gegen Freiburg, wo er dann in das Gefecht bei Günterstal verwickelt wurde.

Struve zog am 21. September 1848 aus Basel kommend mit 50 Mann in Lörrach ein. Auf dem Marktbrunnen ließ er die rote Fahne der Revolution hissen und versprach vom Balkon des Rathauses in einer Rede an das Deutsche Volk: Wohlstand, Bildung, Freiheit für alle! Schließlich proklamierte Struve unter den Hochrufen der Bevölkerung eine Deutsche Republik (Struve-Putsch). Der im Volksmund Struwwelputsch genannte Zug Struves nach Karlsruhe mit etwa 4000 Freischärlern kam jedoch nur bis Staufen, wo 800 Großherzogliche Soldaten ihn und seine bewaffneten Anhänger in dem Gefecht um Staufen entscheidend schlugen. Als er und seine Frau Amalie sich über Wehr in die Schweiz absetzen wollten, wurden sie gefangen genommen.

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