Gustav Oelsner (* 23. Februar 1879 in Posen; † 26. April 1956 in Hamburg) war ein deutscher Architekt, Stadtplaner, Baubeamter und während seines Exils auch Hochschullehrer.
Oelsner wurde als Sohn deutscher Juden in Posen geboren und konvertierte bereits in seiner Jugend zum evangelischen Glauben. Nach Beendigung seines Studiums an der Technischen Hochschule (Berlin-)Charlottenburg im Jahr 1900 praktizierte er bei Paul Wallot in Berlin und dem Architekten Max Hasak, unter dem er an der Bauleitung beim Bau des Bode-Museums mitarbeitete. 1907 wurde er Stadtbauinspektor in Breslau (unter Stadtbaurat Richard Plüddemann) wo er unter anderem den Bau der Technischen Hochschule verantwortete. Zum Stadtbaurat in Kattowitz wurde er 1911 bestellt, ein Amt, das er bis 1922 ausübte, bis Oberschlesien der zweiten Polnischen Republik zugesprochen wurde. Hier errichtete er einen Neubau für die Fürstlich-Plessische Bergwerksdirektion sowie mehrere Schulen. In dieser Zeit beschäftigte er sich mit den Leitbildern der Gartenstadtbewegung und begann eine Bekanntschaft mit Bruno Taut, der in Kattowitz eine Gartenstadtsiedlung auf einem ehemaligen Bergwerksgelände entworfen hatte. Taut wurde 1921 Stadtbaurat in Magdeburg, ein Amt um das sich Oelsner ebenfalls beworben hatte.
Seine Arbeit für Altona begann 1923 mit dem Auftrag, für das preußische Volkswohlfahrtministerium einen Generalbebauungsplan für die Hamburg umgebenden preußischen Städte Altona, Wandsbek und Harburg zu erstellen. Aus dieser Aufgabe unter der Leitung des Stadtplaners Joseph Brix entstand der Generalsiedlungsplan und ein Grüngürtelplan für Altona.
Aufgrund der Planungen konnte eine Parzellierung von Grundstücken am Elbhang verhindert werden, so wurden mehrere Grundstücke von der Stadt erworben oder gepachtet. Diese sind heute als öffentliche Parks zugänglich. Mit Ferdinand Tutenberg gestaltete er die Elbparks der Stadt und schuf den Elbuferwanderweg.
Im März 1924 wurde er parteiloser Bausenator unter dem sozialdemokratischen Bürgermeister Max Brauer, später Stadtbaurat in Altona, ein Amt, das er bis 1933 innehatte.
In den ersten Jahren seiner Amtszeit vergrößerte sich das Gebiet Altonas als Folge des Groß-Altona-Gesetzes durch die Eingemeindung der Elbvororte von 2.200 Hektar auf 9.084 Hektar. Damit war Platz für eine Neustrukturierung des neuen Stadtgebietes für Neubauvorhaben und Grünananlagen möglich.
Wenige Tage nach der Berufung Oelsners gratulierte ihm Fritz Schumacher in einem Brief. Es begann eine Freundschaft, die bis zum Tod Schumachers bestand und über den beruflichen Alltag hinausging und zu zahlreichen gegenseitigen Besuchen führte. Oelsner lebte ebenso wie Schumacher unverheiratet und tauschte sich mit ihm über Kunst und Literatur aus. Schumacher, der wesentlich mehr publizierte, würdigte häufig die Leistungen Oelsners.
Die Notwendigkeit, die städteplanerischen Entwicklungen zwischen den beiden unmittelbar aneinander grenzenden Städte Hamburg und Altona und natürlich auch Wandsbek und Harburg aufeinander abzustimmen, führte im Dezember 1928 zur Einsetzung eines hamburgisch-preußischen Landesplanungsausschusses, der das Wirtschaftsgebiet an der Unterelbe in einem Umkreis von dreißig Kilometern um die Hamburger Börse weiterentwickeln sollte. Neben der Hafenentwicklung wurde auch der Straßenbau, der Ausbau des Eisenbahnnetzes sowie die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung einbezogen.
Oelsner war ein Vertreter des Neuen Bauens in seiner strengen kubischen Form. Er verzichtete meist auf zusätzlichen keramischen Bauschmuck und nutzte die Möglichkeiten, mit der Anordnung der Klinker gestalterische Akzente zu setzen. Im Helmholtzblock und am Lunapark wurde für die Dachgeschosse durch dunklere Backsteine mit starker horizontaler Gliederung ein akzentuierter Abschluss geschaffen. Hier bringen Eckfenster eine zusätzliche Belichtung in die Wohnung.
Er übernahm, was in England und von den Architekten der Amsterdamer Schule praktiziert wurde: farbige, vor allem gelbe Ziegel und setzte sich damit von den Hamburger rotbraunen Klinkern ab. Durch wechselnde Anordnung der Steine erzielte er horizontale Gliederungsbänder. Flachdächer hatte er ebenfalls bei seinen Besuchen niederländischer Architekten (Michel de Klerk, Jacobus Johannes Pieter Oud) und dem Städtebaukongress 1924 in Amsterdam sowie in der Auseinandersetzung mit den Arbeiten der Gruppe De Stijl kennengelernt.
Im »Haus der Jugend« und bei der »Arbeitsvermittlung« werden die tragenden Betonteile betont.
Während der nationalsozialistischen Herrschaft wurde der Charakter etlicher Gebäude durch die Umwandlung der Dachböden in Vollgeschosse und in dem Zusammenhang aufgesetzten Steil- oder Walmdächer dem ideologisch erwünschtem Stil Rechnung getragen. Energetische Sanierungsmaßnahmen in den 2000er-Jahren haben ebenfalls zu erheblichen Veränderungen im Erscheinungsbild geführt.
Oelsner schuf das Altonaer Stadtbild prägende Bauten für kommunale Zwecke in einem eigenen Stil.
Das Arbeitsamt Kieler Straße wurde 1926–1927 errichtet, die Bauleitung lag bei Rudolf Lodders, der für drei Jahre im Altonaer Bauamt tätig war. Der kubische Stahlbetonbau hat eine sichtbare Skelettfassade, die Wandflächen sind mit Keramikplatten verkleidet. Der Baukomplex hat einen Innenhof. Ursprünglich gab es sechzehn Eingänge, die in die verschiedenen Vermittlungsstellen führten. Das Gebäude wurde 1953–1956 von Wolfgang Rudhard umgebaut und um einen Anbau erweitert. Nach einem Leerstand wurde das Haus erneut umgebaut (1995–2000) und wird seit 2001 wieder als Arbeitsamt genutzt.
Das Berufsschulzentrum „Haus der Jugend“ am Platz der Republik entstand 1928–1930 in direkter Sichtbeziehung zum wilhelminischen Altonaer Rathaus. Es ist ein besonders massenreiches Bauwerk, das durch geschickte Terrassenbildung der verschiedenen Bauteile fast filigran wirkt. Die tragende Rasterkonstruktion wird betont, die wenigen Wandteile unter den großen Fenstern sind mit Kupferblech verkleidet. Lange sieht darin einen angemessenen Ausdruck des Sparzwangs der späten Weimarer Republik. Der für eine Stadthallennutzung konzipierte Saal wird seit 1950 vom Altonaer Theater genutzt.
In der Nähe seiner Wohnanlagen baute er Schulen, die mittlerweile überwiegend abgerissen wurden. Besonders hervorzuheben ist die von ihm entworfene Pestalozzi-Schule von 1927 in der Kleinen Freiheit in Altona. Die Großzügigkeit und solide Eleganz der hellen und breiten Treppenhäuser mit den kindgerecht flachen Stufen lassen die Schülerorientierung des Baues im Sinne von Johann Heinrich Pestalozzi schon beim Betreten erkennen. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz und wurde mittlerweile unter Erhalt der historischen Turnhalle zur Wohnnutzung durch eine Baugemeinschaft umgebaut.
Das Altonaer Stadion im Volkspark, das am 11. September 1925 eingeweiht und nach seiner weitgehenden Kriegszerstörung 1953 durch das Volksparkstadion ersetzt wurde. In seiner Nachbarschaft befand sich auch ein Schwimmstadion, das 1989 abgerissen wurde.
Am Neumühlener Kai wurden die Kaischuppen E (1926) und F (1928) gebaut, die 1989 abgerissen wurden.