Gustav Georg Friedrich Maria Krupp von Bohlen und Halbach (* 7. August 1870 als Gustav Georg Friedrich Maria Bohlen-Halbach in Den Haag, Niederlande; † 16. Januar 1950 in Schloss Blühnbach) war ein deutscher Diplomat und später, nach Heirat mit Bertha Krupp, Aufsichtsratsvorsitzender der Fried. Krupp Aktiengesellschaft.
Er gehörte zu den 24 im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Militärgerichtshof angeklagten Personen. Er wurde in sämtlichen vier Anklagepunkten angeklagt, das Verfahren wurde jedoch aus gesundheitlichen Gründen eingestellt.
Gustav von Bohlen und Halbach wurde 1870 im niederländischen Den Haag geboren. Er besuchte das Großherzogliche Gymnasium in Karlsruhe und machte dort 1888 sein Abitur. Anschließend studierte er Rechtswissenschaften und promovierte 1893 an der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg zum Dr. jur. Nachdem er zunächst im badischen Staatsdienst tätig gewesen war, wurde er 1897 Assessor im Auswärtigen Amt in Berlin. Zwei Jahre später ging er als Legationssekretär an die Botschaft nach Washington, D.C., Vereinigte Staaten, später nach Peking, Kaiserreich China. Ab 1904 war er als Legationsrat an der preußischen Gesandtschaft beim Heiligen Stuhl.
Gustav von Bohlen und Halbach war das fünfte von sieben Kindern des außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Ministers des Großherzogtums Baden im Königreich der Niederlande Gustav Bohlen-Halbach (1831–1890) und der Sophie Bohlen-Halbach, geb. Bohlen (1837–1915). Am 14. August 1871 wurde sein Vater (und mit ihm dessen Nachkommen) als „von Bohlen und Halbach“ in den erblichen Adelsstand erhoben.
Gustavs Cousine Caroline Gräfin von Wartensleben (1844–1905), Tochter des Grafen Leopold von Wartensleben und der Mathilde Halbach, war seit 1869 mit Graf Ernst zur Lippe-Biesterfeld (1842–1904) verheiratet, der von 1897 bis zu seinem Tod Regent des Fürstentums Lippe war und dessen ältester Sohn Leopold IV. 1905 regierender Fürst wurde. Die ursprünglich bürgerliche Familie Bohlen-Halbach war damit entfernt mit dem deutschen Hochadel verwandt.
Durch Vermittlung Kaiser Wilhelms II. heiratete Gustav 1906 Bertha Krupp, die Tochter Friedrich Alfred Krupps und Alleinerbin des Krupp-Unternehmens, mit der er acht Kinder hatte:
Alfried Krupp von Bohlen und Halbach (1907–1967), der letzte Firmeninhaber
Arndt von Bohlen und Halbach (1938–1986), 1966 Erbverzicht zugunsten der Stiftung
Arnold Gustav Hans von Bohlen und Halbach (1908–1909)
Claus Arthur Arnold von Bohlen und Halbach (1910–1940) ⚭ 1938 Sita von Medinger (1912–1997)
Irmgard Sophie Margarethe (1912–1998) ⚭ 1938 Johann (Hanno) Freiherr Raitz von Frentz (1906–1941) und ⚭ 1952 Robert Eilenstein (1920–1986)
Berthold Ernst August von Bohlen und Halbach (1913–1987) ⚭ Edith von Maltzan, Freiin zu Wartenberg und Penzlin (1919–2009)
Harald Georg Wilhelm von Bohlen und Halbach (1916–1983) ⚭ Doerte Hillringhaus (1934–2002)
Waldtraut Elisabeth Mechthild von Bohlen und Halbach (1920–2005) ⚭ 1942–1961 Henry Thomas (1912–?) und ⚭ 1961 Walter Burckhardt
Eckbert Wolfgang Eberhard von Bohlen und Halbach (1922–1945)
Durch königlich-preußischen Erlass wurde dem Paar und seinen Nachkommen gestattet, den Namen Krupp von Bohlen und Halbach zu führen, soweit und solange persönliche Inhaberschaft für das Unternehmen vorlag. Die 1943 von Adolf Hitler erlassene Lex Krupp schrieb diese Regelung ebenfalls fest. Der letzte direkte Erbe, Arndt von Bohlen und Halbach, hieß aus diesem Grunde nicht mehr Krupp von Bohlen und Halbach, weil er auf das Erbe und die Unternehmensleitung verzichtet hatte.
Der vorangestellte Namenszusatz Krupp wurde nur zu offiziellen Anlässen wie Empfängen und Sitzungen verwendet, die im Zusammenhang mit der Firma standen. Privat und auch innerhalb ihres Familiensitzes, der Villa Hügel, wurden sie von den zahlreichen Bediensteten lediglich Herr und Frau von Bohlen genannt, selbst der Zusatz und Halbach wurde weggelassen. Gustav Krupp von Bohlen und Halbach trug innerhalb der Familie den Spitznamen Taffy. Das private Familienleben spielte sich im Sommer außerhalb Essens auf Schloss Blühnbach im Land Salzburg ab, das die Familie 1916 gekauft hatte. Dort widmete sich Gustav von Bohlen gern der Jagd, manchmal auch mit offiziellen Gästen der Firma Krupp.
Nachdem Gustav Krupp von Bohlen und Halbach in die Unternehmensführung eingetreten war, baute er ab 1908 die Sozialeinrichtungen der Krupp AG aus. Hierdurch erwarb er sich den Ruf eines Unternehmers mit sozialem Verantwortungsbewusstsein für die Belegschaft und wurde sehr populär. 1909 wurde er Aufsichtsratsvorsitzender des Unternehmens, 1910 Mitglied des Preußischen Herrenhauses und der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft. Von 1908 bis 1920 war er auch Mitglied des Provinziallandtages der Rheinprovinz.