Carl Gustav Flügel (* 2. Juli 1812 in Nienburg an der Saale; † 15. August 1900 in Stettin) war ein deutscher Komponist.
Carl Gustav Flügel wurde am 2. Juli 1812 in Nienburg an der Saale als Sohn des herzoglichen Fähreinnehmers Johann Karl Flügel (1770–1828) und seiner dritten Ehefrau Johanna Friederike Heinze (1786–1855) geboren. Die Eltern hatten sich 1809 vermählt, die Mutter stammte aus einer Familie von Schlossern und Schulmeistern. Außer einem früh (1810) verstorbenen älteren Bruder hatte Gustav Flügel noch drei jüngere Geschwister, Auguste (* 1814), Carl (1823–1833) und Friederike (* 1824).
Gustav wurde von seinem Vater, „zur Musik bestimmt“. Der Vater hatte schon als armer Knabe im Kirchenchor zu Köthen mitgesungen, „und habe, da er ein feines musikalisches Gehör besessen, gelegentlich als Solist fungiren müssen.“
„Flügels Vater war nämlich, eine durch und durch musikalisch veranlagte Natur, was daraus ersichtlich ist, dass er sich, ohne je regelmäßigen Unterricht genossen zu haben, einige Fertigkeit auf verschiedenen Instrumenten angeeignet hatte, und das Klavier rein zu stimmen verstand.“ Flügel selbst schreibt von seinem Vater:
„Meines Vaters Liebe zur Musik war unbegreiflich groß, er vermochte ihr große Opfer zu bringen. Ich höre ihn immer noch in der Vesperstunde die Violine spielen. Rührend ist, wie er, nur nach dem Gehör mir Choräle auszusetzen versuchte, mit mir Sonntags in die Kirche ging, auch mit mir die Kirchen der Umgebung besuchte, wo ich meine musikalische Kraft versuchte; mir Gelegenheit gab, Konzerte zu hören und viele Musikalien für mich abschrieb; den Stadtmusikus aus Staßfurt mit seinen Leuten holte, um mit ihnen zu musizieren.“
Der Vater wird von Flügel zeitlebens verehrt. Noch im hohen Alter gedenkt er seines Todestages. Die Mutter hingegen wird von Flügel nur nebenbei erwähnt. Dabei dürfte auch sie nicht wenig zur Musikalität ihres Sohnes beigetragen haben. In diesem Zusammenhang ist eine Stelle aus einem späteren Aufsatz Flügels von Interesse:
„Zu welchem Mittel greift eine zärtlich liebende Mutter, wenn kein anderes mehr anschlagen will, um ihr weinendes Kind zu beruhigen? sie singt ihrem Liebling ein Liedchen vor, wenn ihre Stimme noch so eingerostet wäre; und das Kind wird ruhig unter dem Vorsingen der Mutter; es ist, als würde des Kindes Seele von diesen Tönen der Mutterstimme sofort berührt und beschwichtigt.“
Ersten Orgelunterricht erhielt Gustav Flügel bei dem Kantor Thiele, dem Vater des Orgelvirtuosen Louis Thiele, den er bald in den Sommerferien auf der Orgelbank vertreten durfte. Von an 1822 besuchte er das Gymnasium in Bernburg und setzte seinen Orgelunterricht an den dortigen Kirchen fort. Der Achtzigjährige sprach von dieser Zeit als seiner „ersten musikalischen Liebe“.
Studium unter Fr. Schneider in Dessau (1827–1830)
Von 1827 bis 1830 studierte er Musik bei Friedrich Schneider in Dessau, der den jungen Musiker großzügig förderte.
Im Sommer 1828 führte Flügel mit Freunden im Nienburger „Schwan“ sein erstes Werk auf: „Der Gang nach dem Eisenhammer“ (nach Schiller) für Solostimmen, Chor und Klavier. Schon im Januar 1829 starb der Vater in Nienburg.
Dessau bot durch Konzerte von Musikgrößen der Zeit Vorbild und Anregung für den aufstrebenden Musiker, so beeindruckten ihn u. a. Henriette Sontag, Adolph Hesse und Niccolò Paganini. „Ein wunderbareres Cres- und Decrescendo habe ich nicht wieder erlebt.“ schrieb Flügel 1882 in seiner Autobiographie.
Zusammen mit Schubring studierte Flügel ungedruckte Orgelkompositionen von Bach, den er zeitlebens verehrte.
Nienburg, Bernburg, Köthen (1830–1836)
Zwischen 1830 und 1836 arbeitete er als Musiklehrer in Nienburg, Bernburg und Köthen. In Köthen vertrat er auch den erkrankten Organisten an der von Bandhauer neu erbauten katholischen Kirche, hätte auch dessen Stelle übernehmen können, wenn er es denn „über sich vermocht hätte, katholisch zu werden“.
Am 26. Juni 1835 besuchte der junge Gustav Flügel Robert Schumann (erste Erwähnung in der Neuen Zeitschrift für Musik), mit dem er von nun an über Jahre brieflich und persönlich Kontakt hielt. (Die Nachtfalter Op. 16 sind Clara Schumann gewidmet).
Auf Schumanns Rat hin zog Flügel im April 1836 nach Magdeburg, wo damals auch Richard Wagner am Stadttheater wirkte. Hier lernte Flügel auch seine spätere Frau, die Klavierlehrerin Minna Oppermann (1813–1847) kennen. Es entstanden Lieder, Klaviersonaten und mehrere (heute verlorene) Streichquartette, die im privaten Kreis aufgeführt wurden. Zwei Briefe Flügels an Schumann wurden in der Neuen Zeitschrift für Musik anonym abgedruckt und sind damit das früheste überlieferte Zeugnis des Musikschriftstellers Flügel:
„* * * A.e.Br. Magdeburg. 23. Juni. Gern schrieb ich Ihnen viel über das hiesige Musiktreiben, doch Musik wird hier gar still und nur von Wenigen ernstlich betrieben. Alles schulmeistert und thut sich gar zu prosaisch. Der Singverein probt zum Braunschweiger Musikfeste. Der junge Musikverein war seiner Auflösung nahe, doch besteht er noch fort, wird aber besonders jetzt wenig besucht. Die HH. Gebrüder Ganz aus Berlin werden hier schon seit mehren Wochen erwartet. — Ein großer Verlust für Magdeburgs Musikleben ist der Abgang Schapplers, Violoncellist, eines sehr talentvollen jungen Mannes, der Ende Juli oder August nach Leipzig gehen will. — Am 9. Juni wurde in Burg die Schöpfung bei 27 ° Saalhitze und bei vollem Hause aufgeführt. Hr. Lehrer Kühne leitete Studien und Aufführung, Schappler und Maizier (Violinist) aus Magdeburg wirkten mit. Die Ausführung verdient mit so geringen Mitteln und bei so vielem Eifer alle Aufmunterung.“