An diesem Tag

Gus Hall

US-amerikanischer Politiker (CPUSA)

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Gus Hall (* 8. Oktober 1910 im Cherry Township, Minnesota als Arvo Kustaa Hallberg (auch: Arvo Kusta Halberg); † 13. Oktober 2000 in New York City; weitere Alternativnamen: John Hollberg, Gaspar Hall, Arvie Hallbert) war ein US-amerikanischer Politiker der Kommunistischen Partei der USA (CPUSA). Von 1959 bis sieben Monate vor seinem Tod war er deren Generalsekretär. Innerhalb der CPUSA vertrat er eine starke Anlehnung an die Sowjetunion. Bei den Präsidentschaftswahlen 1972, 1976, 1980 und 1984 war Hall Präsidentschaftskandidat der CPUSA.

Hall war das fünfte von zehn Kindern finnischer Einwanderer aus der Gegend von Lapua und kam in der Mesabi Range, einer ländlichen Region im Nordosten Minnesotas, zur Welt. Diese vom Bergbau geprägte Region galt als ein Zentrum finnischer Immigranten mit teilweise radikalen politischen Ansichten. Den finnischen Akzent seiner Heimat legte er nie ab. Schon seine Eltern Matt, ein Bergmann, und Susannah Hallberg waren Kommunisten, Mitglieder der Gewerkschaft Industrial Workers of the World und entstammten laut Hall Familien, die seit Generationen Radikale und Revolutionäre als Familienmitglieder hatten. In den USA diente ihr Haus auch als Übernachtungsstation für durchreisende Kommunisten. Sein Vater beteiligte sich im Jahr 1919 an der Gründung der CPUSA. Aus diesem Grund wurde Matt Hallberg auf eine Schwarze Liste (Blacklist) gesetzt, was für ihn bedeutete, dass ihm als Bergmann alle Chancen auf Anstellung genommen waren. Durch diese erzwungene Arbeitslosigkeiten hungerte, nach Halls Ausführungen, die Familie stets. Im Alter von 15 Jahren verließ er nach der achten Klasse die Schule und arbeitete im Nordwesten Minnesotas als Holzfäller, um seine Eltern finanziell unterstützen zu können. 1927 trat Hall mit 17 Jahren wohl auch auf Grund einer Werbung seines Vaters in die Jugendorganisation der CPUSA ein, die Young Communist League (YCL), deren Organisator für den nördlichen mittleren Westen er innerhalb eines Jahres wurde.

Beginnende politische Karriere

Von 1931 bis 1933 konnte Hall nach einer internen Auswahl der CPUSA in Moskau an der internationalen Lenin-Schule studieren. Dort soll er auch Guerillataktiken sowie Verwendungsmöglichkeiten der Sabotage gelernt haben. Nach seiner Rückkehr nach Minnesota nahm Hallberg an einem vom Trotzkisten Farrell Dobbs organisierten Streik teil, woraufhin er – wie bereits sein Vater – auf die Blacklist gesetzt wurde und seinen Namen ändern musste, da er keine Möglichkeit mehr sah, unter seinem alten Namen Geld zu verdienen. Als neuen Namen wählte er Gus Hall, der sich recht stark an seinem zweiten Namen Kustaa und seinem Nachnamen Halberg orientierte. Diesen Namen trug er ab dem Jahr 1935 auch gerichtlich bestätigt. Im Jahr 1934 saß er insgesamt sechs Monate im Gefängnis, weil er Krawalle bei einem Streik der Lkw-Fahrer in Minneapolis verursacht haben soll. Zu dieser Zeit engagierte er sich nach seiner Anwerbung durch den Gewerkschaftsführer John L. Lewis für die Gewerkschaft CIO, vor allem in Warren und Niles, zwei Stahlzentren des nördlichen Ohio. Den größten Erfolg seiner gewerkschaftlichen Karriere hatte Hall 1937, als er Mitorganisator des Little Steel Strike war. Dieser Streik richtete sich gegen die kleineren Stahlproduzenten ("little steel"), die, anders als ihre größeren Konkurrenten, keinen Tarifvertrag mit den Gewerkschaften abschließen wollten. Nachdem es einen Sprengstoffanschlag auf Republic Steel, einen Hauptgegner des Streiks, gegeben hatte, wurde Hall als Verdächtiger verhaftet und bekannte sich des illegalen Besitzes und Transports von Sprengstoff schuldig, weswegen er zu einer Strafe von 500 $ verurteilt wurde. Hall kandidierte, bereits als hauptberuflicher Funktionär der CPUSA, unter dem Namen Arvo Gus Halberg als Kandidat der CPUSA für einen Sitz im Stadtrat von Youngstown, Ohio, und für das Amt des Gouverneurs von Ohio. Nach dieser Wahl wurde Hall zu einer 90-tägigen Haftstrafe wegen Wahlfälschung verurteilt. 1942 beteiligte er sich an der Gründung der United Steelworkers, die sich bis zu seinem Tod zu einer der größten Industriegewerkschaften Nordamerikas entwickelte.

Nachkriegsjahre und Aufstieg an die Spitze der CPUSA

Als die USA in den Zweiten Weltkrieg eintraten, unterbrach Hall seine aktive Partei- und Gewerkschaftskarriere, um sich bei der US Navy freiwillig für den Kriegsdienst zu melden. Diesen Schritt vollzog er angeblich, da er sich als Antifaschist verstand und dies im aktiven Kampf gegen den Faschismus beweisen wollte. Dass die CPUSA dies nicht negativ bewertete, lag daran, dass sie sich seit dem Angriff auf Pearl Harbor für Patriotismus aussprach. Seit dem Beginn des Deutsch-Sowjetischen Krieges im Juni 1941 und der dadurch vollzogenen Aufkündigung des Hitler-Stalin-Paktes durch die Nationalsozialisten trat die Komintern erneut für den Volksfrontgedanken ein, da die UdSSR der Anti-Hitler-Koalition beitrat. Hall war in Guam stationiert und als Mechaniker tätig. 1944, noch während seines Kriegseinsatzes, wurde er in Abwesenheit in das National Committee der CPUSA gewählt. 1946 wurde er ehrenhaft entlassen und im selben Jahr als einer von mehreren jungen Veteranen in das National Executive Board, das nächsthöhere Parteigremium, berufen. Dies gelang, nachdem die Partei einen weiteren Linksruck durchlebte, welcher ihren damaligen Vorsitzenden Earl Browder isolierte und zu dessen Entmachtung führte.

Zwölf kommunistische Parteiführer wurden am 22. Juli 1948 auf Grundlage des Alien Registration Act, besser bekannt als Smith Act, angeklagt. Das Verfahren gegen den herzkranken William Z. Foster wurde abgetrennt. Das Hauptverfahren begann am 17. Januar 1949 und dauerte über neun Monate. Die Angeklagten Eugene Dennis, Henry Winston, John Williamson, Jacob Stachel, Gus Hall, Benjamin Davis, John Gates, Irving Potash, Gil Green und Carl Winter wurden der Verschwörung gegen die Regierung für schuldig befunden und zu Haftstrafen von fünf Jahren und 10.000 Dollar Geldbuße verurteilt. Robert G. Thompson erhielt als hochdekorierter Soldat zwei Jahre Gefängnis weniger. Als das Oberste Gericht die Verfassungsmäßigkeit des Smith Act am 4. Juni 1951 mit 6 zu 2 Stimmen bestätigte, traten Gus Hall, Henry Winston, Gilbert Green und Robert G. Thompson ihre Haftstrafe Anfang Juli nicht an (die Partei verlor 80.000 Dollar Kaution). Hall, der 1950 in das zweithöchste Parteiamt gewählt wurde und auch kommissarischer Generalsekretär war, versuchte angeblich, nach Moskau zu fliehen, wurde aber am 8. Oktober 1951 in Mexiko von Polizei aufgegriffen und an der Grenze bei Nuevo Laredo dem FBI übergeben. Dorothy Healey, die Hall vor einer Flucht nach Mexiko gewarnt haben will, zeigte sich überrascht über das Ignorieren dieses Hinweises durch Hall. Thompson, der in Californien gefasst wurde, und Hall erhielten eine Zusatzstrafe von drei Jahren, die er im Bundesgefängnis Leavenworth, einem Hochsicherheitsgefängnis in Kansas, verbüßte, sein Zellennachbar war Machine Gun Kelly. Nach seiner Entlassung reiste er 1959 durch die USA, vorgeblich als Urlauber, um seine Wahl zum Generalsekretär und damit die Abwahl von Eugene Dennis vorzubereiten. Für diesen Posten galt Hall längere Zeit nicht als Favorit, gleichwohl er bereits in den frühen 1950er-Jahren kurzfristig Generalsekretär war, als Dennis inhaftiert war.

1959 gelang Hall nach seiner Freilassung in einer für kommunistische Parteien ungewöhnlichen Kampfkandidatur gegen seinen früheren Mentor William Z. Foster tatsächlich der Aufstieg zum Generalsekretär der CPUSA. Hall gab als Ziel für seine Zeit als Generalsekretär eine Demokratisierung der Partei an. Dieses Amt hatte Hall bis zu seiner Abschaffung inne; von 1962 bis wenige Monate vor seinem Tod vertrat er die Organisation außerdem als Parteivorsitzender. Während seiner mehr als 40 Jahre währenden Amtszeit als Generalsekretär beziehungsweise Vorsitzender gelang es ihm jedoch nie, den politischen Einfluss seiner Partei auf nationaler Ebene nennenswert zu vergrößern; die Partei schrumpfte stattdessen, konnte aber zusammengehalten werden. Zu Beginn seiner Amtszeit als Generalsekretär versuchte Hall in den 1960er-Jahren, die CPUSA zu gewaltlosen Protesten zu bewegen und eine Anbindung an die Studentenproteste zu erreichen. In dem zweiten Punkte sollte er sich als erfolglos erweisen, während mithilfe des ersten auch der Kampf gegen die Fortführung der McCarthy-Ära gelang. Bei der Präsidentschaftswahl 1964 unterstützte die Partei den Wahlkampf von Lyndon B. Johnson, um den Sieg des konservativen Senators Barry Goldwater zu verhindern.

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