Gunnar Gunnarsson (* 18. Mai 1889 im Fljótsdalur; † 21. November 1975 in Reykjavík) war ein isländischer Schriftsteller.
Gunnar wurde als Sohn eines armen Bauern auf dem Hof Valþjófsstaður im Fljótsdalur geboren und ist dort aufgewachsen. Im Jahr 1897 starb seine Mutter. Er besuchte nur die einfache Volksschule. Mit 18 konnte er in Askov für zwei Jahre die Volkshochschule besuchen. Hier in Jütland lernte er Franzisca Jörgensen kennen, die er am 20. August 1912 heiratete.
Im Jahr 1912 erschien der erste Teil seines Romans Die Leute auf Borg, zu dem drei weitere Teile folgten. Durch diese Romane wurde er berühmt. Er schrieb seine Bücher überwiegend in dänischer Sprache, die wesentlich verbreiteter ist als Isländisch. In den 1920er- und 1930er-Jahren kamen Übersetzungen seiner Bücher besonders in Deutschland auf hohe Auflagen.
Gunnarsson war begeistert von der Idee des Nordischen und der Einigung der Nordischen Länder. Dies führte dazu, dass er sich ab 1933 von den deutschen Nationalsozialisten hofieren ließ, obwohl er der dänischen KP nahe stand und in der Jungen Grenzwacht aktiv war, die gelobt hatte, die deutsch-dänische Grenze zu schützen. Nach seinen Erfolgen in Deutschland versuchte er auch, sich seine deutschen Leser gewogen zu halten. 1936 war er „Ehrengast des Führers“ auf dem Reichsparteitag der NSDAP in Nürnberg. Den Angriff Deutschlands auf Dänemark versuchte Gunnarson noch 1940 in völliger Selbstüberschätzung durch eine Audienz bei Adolf Hitler abzuwenden. Danach brach er mit dem NS-Regime. Doch in Dänemark wurde er ab da als Kollaborateur betrachtet und verstummte nahezu. Sein Sohn Ulfur Gunnarson studierte im Deutschen Reich an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald und verkehrte 1942/1943 über zwei Semester als Gastkamerad bei der Kameradschaft II Ernst Moritz Arndt des dortigen NSDStB.
Gunnar Gunnarsson wurde zwischen 1918 und 1961 insgesamt achtmal für den Literaturnobelpreis nominiert. Von Gunnarson nominiert wurde 1959 die polnische Schriftstellerin Maria Dąbrowska.
Im Jahr 1938 ging er zurück nach Island, wo er sich zunächst in der Nähe von Vopnafjörður niederließ. Im selben Jahr konnte er den Hof Skriðuklaustur in der Nähe seines Geburtsortes erwerben und beauftragte den deutschen Architekten Fritz Höger mit dem Bau eines Herrenhauses, dessen Pläne aus finanziellen Gründen nur zum Teil umgesetzt werden konnten. Zehn Jahre später zog Gunnar nach Reykjavík, wo er begann, seine Werke ins Isländische zu übersetzen.
Gunnar Gunnarsson starb 1975 in Reykjavík und wurde auf Viðey beigesetzt.
Werke in deutscher Übersetzung
Die Erzählung Advent im Hochgebirge ist sein bekanntestes Werk. Sie ist in Deutschland zuerst 1936 und zuletzt 2012 erschienen.
1910: dän. Kongesøn. (Der Königssohn: Eine Geschichte aus dem alten Norwegen. Leipzig 1932)
1912: dän. Ormarr Ørlygsson. (Af Borgslægtens Historie) (Die Leute auf Borg. (1. Buch) München 1927)
1913: dän. Den danske Fru paa Hof. (Af Borgslægtens Historie) (Die Leute auf Borg. (2. Buch) München 1927)
1913: dän. Gest den enøjede. (Af Borgslægtens Historie) (Die Leute auf Borg. (3. Buch) München 1927)
1915: dän. Livets Strand. (Strand des Lebens. Berlin 1929)
1916: dän. Varg i Veum. (Der Geächtete. Berlin 1928)
1917: dän. Drengen. (Der Knabe. Leipzig 1933)
1918: dän. Edbrødre. (Die Eidbrüder. München 1934)
1920: dän. Salige er de enfoldige. (Der Hass des Pall Einarsson. Berlin 1921; Sieben Tage Finsternis. Berlin 1927)