An diesem Tag

Guillaume Apollinaire

Französischer Schriftsteller und Kunstkritiker

Anúncio

Guillaume Apollinaire, eigentlich Wilhelm Albert Włodzimierz Apolinary de Wąż-Kostrowicki (* 26. August 1880 in Rom, Italien; † 9. November 1918 in Paris), war ein französischer Dichter und Schriftsteller italienisch-polnischer Abstammung. Vor allem mit seiner Lyrik gehört er zu den bedeutendsten französischen Autoren des frühen 20. Jahrhunderts. Er prägte die Begriffe Orphismus und Surrealismus.

Kindheit und Jugend in Rom und Monaco

Geboren wurde Guillaume Apollinaire, wie er nach seiner Einbürgerung 1916 auch offiziell hieß, laut Taufurkunde als Guglielmus Apollinaris Albertus Kostrowitzky in Rom. Sein Großvater Kostrowitzky war ein emigrierter polnischer Kleinadliger mit russischer Staatsangehörigkeit, der in Rom in den Dienst des Vatikans getreten war und eine Italienerin geheiratet hatte. Seine Mutter, Angelica Kostrowicka, war über längere Jahre hinweg die Geliebte eines ehemaligen Offiziers des aufgelösten Königreichs Neapel, Francesco Flugi d’Aspermont, der als Vater des Guillaume Apollinaire und seines jüngeren Bruders Roberto gilt. Francescos Vater (1773–1856) stammte aus St. Moritz und gehörte zu den alten Geschlechtern des Oberengadins. Er trat 1815 in Dienst des Königs von Neapel und Sizilien und ließ sich in Neapel nieder, wo Francesco 1826 geboren wurde.

Seine Kindheit verlebte Apollinaire (italienischsprachig) in Rom. Seine Gymnasialzeit verbrachte er (nunmehr französischsprachig) zunächst in Monaco, wohin die Mutter 1887 umgezogen war, nachdem Flugi d’Aspermont das Verhältnis mit ihr 1885 auf Druck seiner Familie beendet hatte. 1895 wechselte Apollinaire bzw. Guillaume de Kostrowitzky, wie er sich zu dieser Zeit nannte, auf ein Gymnasium in Cannes, 1897 auf eines in Nizza. Als Gymnasiast lernte er Latein, Griechisch und Deutsch, legte das baccalauréat (Abitur) jedoch nicht ab. In diesen Jahren kümmerte sich ein Onkel väterlicherseits, Nicola alias Romarico Flugi, der in Monaco Geistlicher war, um ihn und seinen Bruder.

1898 verbrachte er lesend und schreibend in Monaco, wobei er diverse Pseudonyme nutzte, darunter auch schon „Guillaume Apollinaire“. Anfang 1899 zog die Mutter mit einem Liebhaber und den beiden Söhnen nach Paris. Den Sommer verbrachte die Familie in Stavelot in Belgien, wo Apollinaire Gedichte mit wallonischem Einschlag auf die Gastwirtstochter verfasste. Auch seine ersten Versuche als Erzähler datieren aus dieser Zeit.

Zurück in Paris, lebte er eher schlecht als recht von kleinen Jobs, unter anderem als nègre, d. h. Ghostwriter eines arrivierten Literaten. Nebenbei verfasste er weiter eigene Texte: Gedichte, ein Theaterstück, das angenommen, aber nicht aufgeführt wurde, sowie Erzählungen, darunter eine pornografische Auftragsarbeit.

Im Sommer 1901 reiste er mit seiner gleichaltrigen englischen Kollegin Annie Playden ins Rheinland. Sie begleiteten die aus Deutschland stammende Mme de Milhau, die neben einem Hotel in Paris Besitz in und bei Honnef hatte, darunter das Haus Neuglück bei Bennerscheid. Während des dortigen Aufenthalts beschäftigte sie Apollinaire für ein Jahr als Französischlehrer für ihre Tochter. Diese Zeit inspirierte ihn zu einer Reihe meist melancholischer Gedichte, die später teilweise in sein Hauptwerk, die Sammlung Alcools, eingingen. Während zweier Urlaube Anfang und Mitte 1902 bereiste er Deutschland und erreichte über Berlin und Dresden auch Prag und Wien. Diese Reisen fanden ihren literarischen Niederschlag in Gedichten und Erzählungen sowie in Reise-Impressionen für Pariser Zeitungen.

Nachdem er 1901 seine ersten zum Druck angenommenen Gedichte noch als „Wilhelm Kostrowitzky“ gezeichnet hatte, wählte er Anfang 1902 für seine erste gedruckte Erzählung, L’Hérésiarque, das Pseudonym „Guillaume Apollinaire“, das er von nun an ständig benutzte.

Seit seiner Rückkehr nach Paris 1902 arbeitete er als kleiner Bankangestellter. Zwei Reisen nach London, um dort Annie Playdens Gunst zu gewinnen, blieben erfolglos.

Neben seiner Büroarbeit schrieb er Gedichte, Erzählungen, Literaturkritiken und diverse journalistische Texte. Nach und nach fand er Zugang zu mehreren der damals zahlreichen Pariser literarischen Zeitschriften und freundete sich mit verschiedenen Literaten an, insbesondere mit Alfred Jarry.

1904 war er kurz Chefredakteur einer Zeitschrift für Geldanleger, Le Guide des Rentiers. Im selben Jahr ließ er in einem Feuilleton die märchenhaft surrealistische, misogyne Erzählung L’Enchanteur pourrissant erscheinen. Sie kam 1909 als Buch heraus, ergänzt um einen neuen Anfangs- und Schlussteil sowie um Holzschnitte von André Derain.

1905 lernte Apollinaire Pablo Picasso und Max Jacob kennen. Über sie gelangte er in das Milieu der Pariser Avantgarde-Maler, frequentierte das Künstlerlokal Le Lapin Agile und wuchs in die Rolle eines Kunstkritikers hinein. Hin und wieder schrieb er auch pornografische Texte, z. B. Les onze mille verges und Les exploits d’un jeune Don Juan (beide 1907), und betreute ab 1909 bei einem Verlag die Buchreihe Les Maîtres de l’Amour („Die Meister der Liebe“), die er mit ausgewählten Texten von de Sade (der zu dieser Zeit noch wenig bekannt war) und Pietro Aretino eröffnete.

Die Malerin Marie Laurencin hatte bei Clovis Sagot 1907 eine Ausstellung, auf der Picasso sie mit Apollinaire bekanntmachte. Sie gingen eine stürmische und chaotische Beziehung ein, bis Laurencin ihn 1912 verließ. Sie blieben jedoch bis zu seinem Tod in Verbindung. Im November 1908 waren beide Teilnehmer an Picassos Bankett zu Ehren Henri Rousseaus im Bateau-Lavoir; der Anlass der Feier war, dass Picasso ein Gemälde, das lebensgroße Bildnis einer früheren Freundin Rousseaus, die sogenannte Yadwigha, erworben hatte. Das bekannte Bild La Muse inspirant le poète (Muse, den Dichter inspirierend), das der „Zöllner“ Rousseau von beiden malte, entstand ein Jahr später.

1910 publizierte Apollinaire unter dem Titel L’Hérésiarque & Cie. einen Sammelband mit seinen bisher verfassten Erzählungen: 23 meist kurzen, oft düster-fantastischen Texten in der Art von E. T. A. Hoffmann, Gérard de Nerval, Edgar Allan Poe und Barbey d’Aurevilly. Das Buch wurde – erfolglos – für den Prix Goncourt nominiert.

Ab 1911 war er Teilnehmer der Puteaux-Gruppe, die sich bei Jacques Villon, dem Bruder von Raymond Duchamp-Villon, und Marcel Duchamp in Puteaux in der Rue Lemaître trafen, um ihre Ansichten über Kunst auszutauschen. Die Treffen fanden bis zum Jahr 1914 statt.

Im Sommer 1911 sahen sich die Freunde Apollinaire und Picasso in einer misslichen Lage, denn das bekannteste Gemälde des Louvre, die Mona Lisa, war am 21. August 1911 spurlos verschwunden, und beide gerieten in den Umkreis der Verdächtigen. Die Polizei stieß bei ihren Ermittlungen auf einen Mann namens Géry Pieret, einen belgischen Abenteurer, der kurze Zeit bei Apollinaire gewohnt hatte. Bereits 1907 hatte er zwei iberische Steinmasken aus dem Louvre gestohlen und sie über Apollinaire an Picasso verkauft. Am 7. Mai 1911 entwendete Pieret erneut eine Figur und brachte sie später zum Paris-Journal, um zu demonstrieren, wie fahrlässig das Museum mit Kunstwerken umgehe. Außerdem deutete er an, ein „Kollege“ werde bald auch die Mona Lisa zurückbringen. Die Zeitung machte daraufhin am 30. August mit einer Sensationsmeldung auf und setzte 50.000 Franc für die Wiederbeschaffung der Mona Lisa aus.

Am 5. September brachten Apollinaire und Picasso die beiden 1907 erworbenen Skulpturen zum Paris-Journal, in der Hoffnung, die Angelegenheit sei damit für sie erledigt. Pieret war geflüchtet und schrieb aus der Anonymität – angeblich aus Frankfurt – an das Paris-Journal Briefe, in denen er die Unschuld Apollinaires beteuerte. Die Polizei vermutete jedoch, dass Pieret zu einer internationalen Diebesbande gehörte, die auch die Mona Lisa geraubt hätte. Nach einer Hausdurchsuchung wurde Apollinaire am 8. September wegen Beherbergung eines Kriminellen und Verwahrung von Diebesgut verhaftet; er verriet nach zwei Tagen Picassos Beteiligung. Dieser wurde zwar verhört, aber nicht arretiert. Am 12. September wurde Apollinaire aus der Haft entlassen und der Prozess gegen ihn im Januar 1912 aus Mangel an Beweisen niedergeschlagen. Die Mona Lisa wurde erst wieder am 13. Dezember 1913 in Florenz aufgefunden und kehrte am 1. Januar 1914 in den Louvre zurück. Der Dieb war Vincenzo Peruggia, ein Bildeinrahmer des Louvre.

Anúncio

Bald in der World in Stories App

Audio, Offline-Download, keine Werbung und mehr.

Premium entdecken