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Guercino

Italienischer Maler des Barock (1591–1666)

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Giovanni Francesco Barbieri, besser bekannt als Guercino (* 8. Februar 1591 in Cento; † 22. Dezember 1666 in Bologna), war ein italienischer Maler, Freskant und Zeichner des Barock. Sein Künstlername ist die Verkleinerungs- und Koseform zum italienischen Wort guercio („der Schieler“) und bezieht sich auf einen Augenfehler, den er sich in seiner Kindheit durch einen Unfall zugezogen haben soll, wie sein Biograf Malvasia berichtet.

Giovanni Francesco Barbieri war Sohn von Andrea Barbieri und Elena Ghisellini. Laut Passeri waren seine Eltern Bauern und der Vater betätigte sich auch als Holzschnitzer. Giovanni Francesco begann schon früh mit dem Zeichnen, und Malvasia berichtet, dass er bereits als Achtjähriger das Bild einer Madonna an einer Häuserfassade gemalt habe (die laut Calvi noch 1808 zu sehen war).

Guercino wird von seinen Biografen als begnadetes Wunderkind beschrieben. Er wurde anscheinend auch von seinen Zeitgenossen so empfunden. Über seine Kindheit und Jugend wurden Anekdoten verbreitet, die teilweise sehr unwahrscheinlich und nicht nachweisbar sind und heute als reine Erfindung oder Legenden gelten. Dazu gehören Kontakte zu den Carracci bereits als Kind oder Freundschaft mit dem in Rom und Süditalien lebenden, früh verstorbenen Caravaggio († 1610).

In Wirklichkeit machte Guercino seine Ausbildung bei einigen kaum bekannten Malern, in deren Werkstatt er jeweils nur kurze Zeit blieb, wie Bartolomeo Bertozzi in Bastiglia (bei Modena), Giovanni Battista Cremonini, Benedetto Gennari (1563–1658) aus Cento – ein Maler der Bologneser Schule – sowie dem Quadraturmaler Paolo Zagnoni. Seine eigentlichen künstlerischen Vorbilder waren Lodovico Carracci aus Bologna (laut eigener Aussage Guercinos), Bartolomeo Schedoni und Scarsellino. Auf diesen Grundlagen fand der junge Guercino früh und zum Teil autodidaktisch zu einem eigenen Stil, der einerseits von der damaligen Welle des Naturalismus geprägt war, andererseits mit dramatischen, aber weichen Licht- und Schatten-Kontrasten und einer dunklen, tonigen, üppig wirkenden Farbpalette arbeitete.

Früheste dokumentierte Aufträge Guercinos waren Fresken in den Privathäusern von Alberto Provenzale (1614) und Bartolomeo Pannini (1615–1617) in Cento. Der Ruf des hochbegabten jungen Malers drang früh bis nach Bologna, wohin er sich 1615 auf Wunsch des dortigen Erzbischofs, Kardinal Alessandro Ludovisi (des späteren Papstes Gregor XV.), begab. Dieser erwarb vier Evangelistenporträts bei Guercino, die wahrscheinlich mit denen identisch sind, die sich heute in der Dresdener Gemäldegalerie befinden. Auch Lodovico Carracci war begeistert von der Malweise des jungen Mannes und lobte ihn in den höchsten Tönen.

Kardinal Ludovisi wurde in den folgenden Jahren zum bedeutendsten Mäzen Guercinos in dessen frühen Jahren. Dieser malte für Ludovisi Fresken im Oratorium von San Rocco (Bologna) und eine ganze Reihe von Gemälden, darunter die Auferweckung der Tabita durch Petrus (1618; heute: Palazzo Pitti) und Susanna und die beiden Alten (Prado, Madrid).

Entscheidend für seine weitere malerische Entwicklung war eine 1618–1619 durchgeführte Studienreise nach Venedig. Er verfeinerte sein Kolorit durch das Studium der dortigen Malerei des 16. Jahrhunderts, besonders der Werke Tizians. Guercino lernte dabei auch Palma il Giovane kennen und gab ein 1619 von Oliviero Gatti gestochenes Studienwerk mit dem Titel Primi elementi per Introdurre i Giovani al Disegno (Erste Elemente zur Einführung der Jugend in das Zeichnen) in Druck, das Francesco Gonzaga von Mantua gewidmet war. Dieser beschenkte den Maler mit 100 Scudi und bestellte auch gleich ein Bild bei ihm. Guercino reiste für zwei Wochen an den Hof von Mantua, überreichte dem Herzog ein Gemälde Erminia bei den Hirten und wurde dabei in den Ritterstand erhoben. Ebenso ernannte ihn im darauffolgenden Jahr der Kardinal Iacopo Serra, päpstlicher Legat von Ferrara, zum cavaliere dell’Aurata Milizia. Für diesen hatte Guercino unter anderem die naturalistische Rückkehr des verlorenen Sohnes (Kunsthistorisches Museum Wien), den Propheten Elias, von Raben genährt (National Gallery, London) und die ausgeprägt dramatische Szene Samson von den Philistern ergriffen (Metropolitan Museum of Art, New York) geschaffen.

Der venezianische Kolorismus ist in Guercinos Werken der Folgezeit deutlich spürbar, als deren bedeutendstes Meisterwerk allgemein das „frei konzipierte, in der Atektonik des Aufbaues genial sorglose“ Altarbild Einkleidung des hl. Wilhelm von Aquitanien gilt (Pinacoteca Nazionale, Bologna). In derselben Schaffensphase schuf er zahlreiche andere Bilder, teilweise in verschiedenen Versionen, die zu seinen besten Werken gezählt werden.

Alessandro Ludovisi, der mittlerweile als Gregor XV. den Papstthron bestiegen hatte, berief Guercino 1621 nach Rom, wo er zwei Jahre blieb. Dort schuf er neben dem Porträt des Papstes (heute: Getty Center, Los Angeles) vor allem Fresken im sogenannten Casino der Villa Ludovisi, die in Zusammenarbeit mit dem Quadraturmaler Agostino Tassi entstanden und zu seinen Hauptwerken gehören. Als bahnbrechend für die Entwicklung des illusionistischen barocken Deckenfreskos gilt besonders Guercinos Aurora, die völlig anders, origineller und moderner aufgefasst ist, als Guido Renis 13 Jahre früher entstandene und ebenfalls bewunderte Aurora im Casino Rospigliosi.

Außerdem malte Guercino in Rom Fresken in San Crisogono (heute befinden sich vor Ort nur Kopien) und das später von Goethe „mit Bewunderung“ als „unschätzbar“ bezeichnete riesige Altarbild mit dem Begräbnis der hl. Petronilla und ihre Aufnahme in den Himmel für den Petersdom (heute: Kapitolinische Museen, Rom), das ebenfalls übereinstimmend und schon von den Zeitgenossen zu den Meisterwerken Guercinos gezählt wurde und wird. Der Maler erhielt dafür 1000 Scudi und eine goldene Kette. Das Bild weist bereits einige stilistische Neuerungen im Sinne der klassischen römischen Tradition (unter anderem Raffael) auf, darunter einen klareren, etwas luftigeren Aufbau, ein helleres, kühleres Kolorit, andererseits aber auch plastisch gezeichnete Figuren, die im unteren Bereich an Caravaggio und seine Nachahmer erinnern (siehe Abb.) – also eine Synthese aus Naturalismus und Klassizismus.

Eigentlich sollte er auch die Benediktionsloggia von St. Peter ausmalen, aber dazu kam es nicht mehr. 1623, nach dem Tode Gregors XV., ging Guercino zurück nach Cento, wo er bis 1642 in relativer Zurückgezogenheit, aber berühmt und von Kunstkennern umschwärmt, wirkte.

Wie gefragt seine Gemälde bei seinen Zeitgenossen waren, zeigt eine Anekdote von Malvasia: Kurz nach seiner Ankunft in der Heimat soll Guercino die einst vielbewunderte Darbringung Jesu im Tempel (heute: National Gallery, London) gemalt haben, in der er eine Synthese von venezianischen und römischen Vorbildern erreichte und die er für seine eigene private Andacht neben seinem Bett hängen hatte. Alle Kunstliebhaber, die das Bild zu Gesicht bekamen – darunter Antonio Barberini, der Herzog von Modena und Leopoldo von der Toskana –, sollen ihm hohe Summen dafür geboten haben, aber der Maler wollte es nicht hergeben, bis er es schließlich doch für 100 Dublonen einem Herrn Raphael du Fresnay überließ.

1625 porträtierte Guercino den Kardinal Francesco Cennini de’ Salamandri. Er schuf 1626–1627 Fresken im Dom von Piacenza, die ursprünglich von Morazzone begonnen worden waren. Im Palazzo Sampieri in Bologna malte er 1631 ein Deckenfresko mit Herkules und Anthäus.

Inzwischen war er eine internationale Berühmtheit und erhielt 1629 Besuch von Diego Velázquez während dessen erster Italienreise. Mehrere Angebote regierender Fürsten aus ganz Europa lehnte Guercino dankend ab. So schuf er bereits kurz nach seiner Rückkehr in seine Heimatstadt (also um 1625) eine Darstellung der Semiramis, die als Geschenk an Charles I. von England gesendet wurde und diesem so sehr gefiel, dass er den Maler an seinen Hof holen wollte. 1632–1633 malte Guercino in Modena die (verlorenen) Porträts der regierenden Familie Este, die ihn ebenfalls als Hofmaler dabehalten wollten. Unter mehreren Werken, die Guercino für den Herzog von Modena malte, ragt das kompositorisch geistreiche und feine mythologische Gemälde Mars, Venus und Amor von 1633–1634 heraus (Palazzo dei Musei, Modena; siehe Abb. unten).

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